Dies ist ein gelungenes Buch über die Lebensgeschichte eines der letzten wirklichen Helden unserer Zeit. Es ist die Geschichte eines Menschen mit Visionen und Idealen für eine bessere Welt, die er mit Hilfe seiner Freunde, die ihre eigenen Visionen haben, aber ähnliche teilen, gemeinsam in einer multikulturellen (Lebens-) Künstler-Kommune mit vielen Auslandskontakten seit 30 Jahren in die Alltags-Praxis umsetzt.
Er setzte sich auch zuweilen mit Hilfsmitteln dafür ein, die manchmal über die Grenzen der Legalität hinausgehen, aber immer gerecht sind. Man freut sich über die Existenz solcher Robin Hoods in der heutigen Zeit, es gibt einem wieder Auftrieb und Mut, eigene Träume zu verfolgen und in die Realität umzusetzen.
Es ist die Geschichte von Jemand, der Mut hat, sich für eine bessere Gesellschaft mit Chuzpe, Menschenliebe, Respekt und viel Engagement (Gefängnis-Risiko,..) sowie einem verdammt langem Atem einzusetzen, und das mit sichtbarem Erfolg (trotz vieler Schwierigkeiten und Rückschläge), vor allem durch das Talent, nette und ambitionierte Menschen (und auch Tiere!) um sich zu sammeln und Entscheidungsträger positiv zu erreichen (Feinde zu Freunden wandeln). Es freut mich der spürbare menschliche Respekt auch vor Feinden, aber auch, daß Pappnasen ihr Fett weg kriegen.
Letztlich ist es auch ein zeitgeschichtliches Dokument, in der sich viele politisch und kulturell Aktive aus den 70er 80er Jahren bis dato auf ihre Art wiederfinden können, auch in den Begegnungen mit vielen Herren und Helden aus Politik und Kultur dieser Zeit (Wolfgang Neuss und viele viele andere) bis heute, da Künstler in der Ufa-Fabrik in Berlin-Tempelhof seit Jahren ausgebildet, entdeckt oder motiviert werden, ihren Weg zu finden und zu gehen (Kurt Krömer u.v.a.), mit einer permanenten Plattform für junge und etablierte Künstler (Veranstaltungen aller Art).
Das schöne ist, daß man das Ergebnis life auch jederzeit begutachten kann mit einem Besuch in der Ufa-Fabrik (Gästehaus, Veranstaltungen). Ich war erstmals Sylvester 1989 in Berlin und habe mich dort in das Projekt und die Atmosphäre verliebt, man spürt den besonderen aktiven und doch relaxten innovativen freundlichen Geist sofort, seit dem ziehe ich bei Berlinbesuchen fast nur von dort meine Kreise und freue mich, solch ein tolles Projekt mit unterstützen zu können (ertsmal fahr ich zur Ufa, dann zum Tacheles, dann nach Rest-Berlin). Ich kann jedem nur empfehlen, sich nach dem Buch selbst ein Bild von der Praxis vor Ort zu verschaffen. Wer dort keine netten Menschen kennenlernt ist Gehirntod. Das Buch wird dem Projekt mehr als gerecht.
Es liest sich kurzweilig und angenehm, manchmal bin ich hier im Hunsrück vor Lachen aus meiner Hängematte gekippt, manches (z.B. vom Zirkus) hab ich auch meinem Töchterchen vorgelesen. Schöne SW-Fotos und philosophische Zitate lockern das Buch angenehem auf. Am Ende ist man froh, obwohl man gerne noch weiter schmökern würde, das die Geschichte noch nicht richtig zu Ende ist, sondern weitergelebt wird. Eine Lebensgeschichte, die Freaks in Feierlaune versetzt.
Danke, daß es Dich, Euch und Menschen aus allen Bereichen gibt, die solche Künstler- und Lebenskonzepte leben und unterstützen (leider noch viel zu wenig). Wenn jedes Dorf nur einen Bruchteil solcher positiven Auslandskontakte und kulturellen Engagements hätte, wäre es auf der Welt viel friedlicher. Die Ufa-Fabrik ist eine Oase und Perle Berlins, über dessen Bedeutung sich die Stadt nur bedingt im klaren zu sein scheint (man läßt sie leben und schmückt sich manchmal mit), sonst würden sich Entscheidungsträger noch stärker für deren (meist äußerst kostengünstigen) Impulse bezüglich Jugend-, Alten - und Kulturarbeit interessieren und sie massiver unterstützen.
Und nochwas an die, die dem Projekt positiv gegenüberstehen und in Berlin Kohle oder was zu sagen haben: Schenkt den Leuten doch endlich daß Gelände, mehr als 30 Jahre Miete und dauernde Arbeit für eine bessere Welt und ein besseres Berlin als diese Menschen kann man nicht bringen, würdigt es doch mal auf diese Art und erkennt deren Beitrag an, soviel ärmer wird's Berlin nicht machen, das wär endlich mal ein anderes Signal Berliner Kulturarbeit und eher ein zusätzlicher Gewinn ! Wird echt Zeit, macht mal Dampf !
Viel Spaß beim Lesen, Leben, Lieben und Revoluzzen wünscht Euch Jörg Ostermeier, Uhler.