Ganz so einfach und schön geht es mit der Demokratie nicht, dies zeigten schon deren Missstände in der Weimarer Republik aber auch die Aufhebung vieler Punkte aus der Bill of Rights in den USA zeigen auf, das es mit der Demokratie schnell zu Ende gehen kann, wenn an ihr herum experimentiert wird. Die Abtretung der Machtbefugnisse an ein diffuses EU Parlament, die Bespitzelung von Bürgern in massenhafter Zahl, die Installation von Kameras an jedem Ort und die unter Generalverdacht - Stellung aller Bürger bei möglichen Straftaten wie dem der Geschwindigkeitsüberschreitung auf Autobahnen mittels massenhafter Geschwindigkeitskontrollen und dem mitführen von möglichen Sprengsätzen beim Fliegen. AUS DER WERKSTATT DER DEMOKRATIE von Arundhati Roy zeigt auf wie instabil die Demokratie ist, insbesondere in jungen Demokratien und wie schnell und gründlich man sie hinweg fegen kann.
Ob die Zerstörung der Demokratie religiös motiviert ist oder eher politisch, ob sie durch Intoleranz oder kulturelle wie auch wirtschaftliche Missstände ausgelöst wird - ist an und für sich egal, denn as sie instabil ist, sollte klar sein. Die Autorin Arundhati Roy gibt in einer schrecklich - schönen und doch einfachen Sprache wieder, wo Ausgrenzung, Missstände und Auflösungserscheinungen an der Tagesordnung der Demokratie sind.
Die Demokratie ist nicht die beste Staatsform, sie ist die Schwierigste, die - welche auch negativen Kräften an die Spitze verhilft, die sich selbst aufzulösen vermag und einfach in eine Diktatur gewandelt werden kann. Aktuell erscheint es mir selbst, dass die Politiker eher in sich und ihre Macht verliebt sind, als das sie ein wirklich gutes Bild der Demokratie abgeben wollen. Ob es die Herrschaft des Abschaums ist, das ginge wohl zu weit - dafür gibt es zu viele schlechtere Beispiele auf der Welt und in der Geschichte.
Was sie hier beschreibt, tut sie am Beispiel von Indien, jung, hipp und modern gibt sich die zweitgrößte Bevölkerungsnation der Welt. Trendy will sie sein, offen und demokratisch und natürlich attraktiv für Investoren und Multinationale Konzerne - und da fängt es dann an...
Gesetze werden verbogen, missliebige Stimmen ausgeblendet und Kritiker mundtot gemacht im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich bei Seite 47 (sic!) anlangte, musste ich erst einmal Luft holen und habe mich gefragt, ob dies noch das Indien ist das ich kennen lernen durfte und das ich vom ersten Augenblick geliebt habe.
Ich war eher entsetzt über die Geschwindigkeit mit der man einen Staat errichtet der alle Anzeichen einer Diktatur trägt, in dem Intoleranz regiert, obwohl doch es gerade Indien ist, das für mehrere Weltreligionen die Heimat war und ist und das der Welt soviel frei und willig gegeben hat.
Es wäre doch schade, wenn sich eine so junge demokratische Nation wie die in Indien sich so entwickeln würde wie es die Autorin Arundhati Roy hier mehrfach anmerkt. Was sie in AUS DER WERKSTATT DER DEMOKRATIE schreibt wird ihr Feinde einbringen, keine Freunde und viele werden sagen das sie das noch nie gehört haben - nichts davon war in der europäischen Presse zu lesen - doch wer weiß schon warum nichts dort stand?
Indien ist auf dem Weg zur Weltmacht und schon jetzt beginnt es neben China die Weltwirtschaft zu kontrollieren und seine Bürger als willige Konsumenten darzubieten - Begehrlichkeiten entstehen und schwierige Gesetze müssen dann einfach weg oder umgebogen werden.
Ein aktuelles und gutes Buch - unbedingt lesenswert für alle die Politik und vielleicht auch Indien ein wenig interessiert. Der Schmetterling auf dem Buchcover ist empfindlich - dies wissen normalerweise Erwachsene, Kinder zerstören ihn leicht - sind unsere Politiker auf der Welt wie Kinder?
Sehr empfehlenswert!