Eine fehlerhafte Auffassung besteht für mich in der heutigen Zeit darin, dass viele Menschen zynischen Humor mit Boshaftigkeit verwechseln. Zynismus ist für mich Humor, der sich durch seine Klarsichtigkeit und Wissen um allgemeine menschliche Verhältnisse und Schwächen auszeichnet, während boshafter Humor darauf abzielt, einen oder mehrere Menschen seelisch zu verletzen. Oftmals ist es sicherlich schwer, Zynismus von Boshaftigkeit zu unterscheiden. Man muss halt wissen, was für ein Humor einem besser gefällt. Im Insel Taschenbuchverlag gibt es ja außerdem auch noch eine "Boshaftbuchreihe", z.B. "Truman Capote für Boshafte". Mir persönlich gefällt da schon der "christliche Zyniker", Ambrose Bierce besser, da ich nicht die Absicht habe, anderen Menschen seelisch weh zu tun. In dem hier vorliegenden Werk sind in etwa die Hälfte der circa 1000 Begriffe aus dem Original übernommen worden, einige davon stark gekürzt. Ich besitze das Original zwar nicht, hatte aber die Möglichkeit, in der Bibliothek einer Fachhochschule, an der ich zeitweise mal "studiert" hatte, einen Einblick in das englischsprachige Original zu erhalten. Das Problem, das ich erkenne, besteht wohl darin, dass sich manche Redewendungen und Wortspiele nur sehr schwer aus dem Englischen ins Deutsche übertragen lassen, da die englische Sprache meiner Meinung nach mehr Raum für derartigen Spass lässt, z.B.: "There's a cat in Catholicism" müsste sinngemäß im Deutschen lauten "Da ist eine Katze im Katzen-holizismus" und macht dann ja wieder eher weniger Sinn. Ich beschäftige mich momentan jedenfalls mit der Bibel und habe bei Bierce ein humorvolles Äquivalent zur eher ernsteren Schilderung christlicher Geschichte gefunden. Da ich Schwierigkeiten damit habe, ein Wörterbuch wie einen Roman zu lesen, besteht mein Amusement darin, hin und wieder in diesem kleinen 140-seitigen Büchlein zu stöbern. Mein bisheriges Lieblingswort, das ich abschließend gerne als Zitat in meine Rezension einbauen möchte, bezieht sich auf den Gegenspieler Gottes, nämlich Satan höchstpersönlich. Dazu schreibt Bierce: 'Einer der beklagenswerten Irrtümer des Schöpfers, den er in Sack und Asche bereute. Als Erzengel eingesetzt, bot Satan in vielerlei Hinsicht Grund zur Klage und wurde schließlich aus dem Himmel verstoßen. Bei seinem Abstieg hielt er auf halbem Wege inne, senkte nachdenklich einen Augenblick lang den Kopf und kehrte schließlich zurück. "Eine Gunst möchte ich erbitten", sagte er. "Nenne sie." "Wie ich höre, soll demnächst der Mensch geschaffen werden. Er wird Gesetze brauchen." "Was, Elender! Du, sein berufener Widersacher, der du seit dem Morgendämmer der Ewigkeit den Hass auf des Menschen Seele in dir trägst - du erbittest das Recht, seine Gesetze zu machen?" "Verzeihung, worum ich bitte, ist, dass ihm gestattet werde, sie selber zu machen." Also geschah es.'