Bei diesem unglaublich mitreißenden, umfangreichen Wissenschaftsschmöker, den ich am Stück und von vorne bis hinten regelrecht verschlungen habe, sind sogar noch die Fußnoten und das Literaturverzeichnis lesenswert und amüsant geschrieben. Es ist ein besonderer Leckerbissen für wissenschaftlich interessierte Leser.
Das Buch handelt von der Entstehung und Entwicklung des Lebens von der Ursuppe bis zur Entstehung der menschlichen Intelligenz. Es ist eine Abenteuerreise durch die Evolutionsgeschichte, die man ausgerechnet dann verlassen muß, wenn es am Schönsten ist.
Man kann das Buch kapitelweise lesen und es als Nachschlagewerk nutzen, es enthält ein umfangreiches Schlagwort- und Literaturverzeichnis, aber erst der Gesamtaufbau, der große Zusammenhang macht seinen eigentlichen Reiz aus.
Es hat mir sehr gefallen, daß De Duve besonders im hinteren Teil auch seine eigene Ethik darlegt, die zeigt, daß es sich hier um einen Wissenschaftler handelt, der die Grenzen seiner Verantwortung weit über sein Arbeitsgebiet hinauslegt. De Duve stellt aber auch gegenteilige Meinungen anderer dar und läßt sie gelten.
Er schreibt allgemeinverständlich, spannend und dabei stets wissenschaftlich korrekt. Das Allgemeinverständliche hat er geübt, weil er frühzeitig Sondervorlesungen für Kinder und Jugendliche gehalten hat, das Spannende kommt daher, daß De Duve sein Fach liebt und man diese Begeisterung spürt. Das wissenschaftlich Korrekte kommt daher, daß es sich um einen Nobelpreisträger handelt, der nicht nur auf seinem Gebiet, der Zellbiologie, sondern auch noch allgemein gebildet ist. All der trockene Stoff aus dem Chemie- und Biologieunterricht, den ich in der Schulzeit nur widerwillig lernte, wird hier zu einer komplexen und sinnreichen Gesamtgeschichte.
Da es sich hier um ein Taschenbuch handelt, ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut, und die hohe Informationsdichte macht es zu einer Bereicherung der Hausbibliothek.