Eine sachliche Reitlehre sieht anders aus.
Das Buch enthält für den "eingefleischten" Klassiker wenig bis gar nichts Neues. Es ist einzig und allein eine sehr oberflächliche Zusammenfassung, wie Frau Beran ihre Ausbildungspferde arbeitet. Nach einer festen Reihenfolge handelt sie die Ausbildung einer Remonte bis zum fertigen Reitpferd ab. Bei einem dieser makellos gebauten Pferde wird ihr System sicherlich Erfolg haben, aber wie sie selbst geschrieben hat: Die Dressur ist für das Pferd da und nicht umgedreht. Auf Probleme, die sich bei der Ausbildung eines nicht so perfekten Pferdes ergeben, wird nicht eingegangen.
Sie setzt ein Bild von sich in der Piaffe neben Photos von Altmeistern wie Lörke und Oliveira und beschreibt auf den folgenden Seiten dem perfekten Reiter, der sich durch Bescheidenheit auszeichnet?
Das Buch ist ein Werbeprospekt für Frau Beran, nicht mehr und nicht weniger. So schreibt sie beispielsweise schon auf dem Umschlag von "adäquaten Preisen" ihres Beritts und dass man sich doch bei ihr auf die Warteliste stellen sollte, denn Gut Rosenhof wäre der beste Ort für Pferde...
Frau Beran ist sicherlich eine gute Reiterin und ihre Aufklärungsarbeit zu Gunsten der Klassischen Dressur ist durchaus zu loben.
Doch der Preis für diese nette Bettlektüre ist absolut nicht gerechtfertigt. Die Hälfte des Buches besteht aus großen Bildern von Frau Beran in Piaffe, Passage und so weiter. Das darauf gezeigte spiegelt nicht immer das anzustrebende Muster: An Frau Berans Sitz fallen besonders die immer wieder hochgezogenen Absätze auf. Auf einem Bild eines Lusitanohengstes in der Piaffe hat das Pferd die Vorderbeine deutlich untergeschoben und nimmt sichtbar kaum Last auf der Hinterhand auf. Solch ein Bild sollte ohne entsprechenden Kommentar nicht in einem Lehrbuch zu finden sein.
Über die Gewichtsverteilung in den Seitengängen lässt sich außerdem streiten.
2 Sterne bekommt das Buch von mir trotzdem, da Frau Beran damit vielleicht doch den ein oder anderen Neuling zum Weiterlesen und Weiterlernen begeistern konnte. Zudem ist der Anatomieteil von Dr. Heuschmann am Ende des Buches sehr lobenswert.