Dieses Buch finde ich äußerst fragwürdig. Es schildert die Geschichte einer Frau von ihrer Kindheit bis zu diesem Mord aus "Notwehr". Diese Frau lebte so lange mit ihrem Mann zusammen, hatte ein Kind mit ihm, ließ sich schlagen und provozierte immer wieder mit ihrer Eifersucht und ihren Alkoholproblemen. Trotzdem wird in dem Buch nie erzählt, wie sie ihre Alkoholsucht bewältigt, ob und wie ihr Kind mit dem allen fertig wurde, und vor allem, wieso diese Tat als Notwehr durchging. Auch auf ihre früheren Ausfälle, als sie mehrere Personen mit dem Messer angriff, wurde nicht mehr eingegangen und keine richtige Ursache festgestellt. Eine psychologische Behandlung dieser Frau hätte schon viel früher stattfinden sollen. Plötzlich, nach Jahren der Schläge, greif sie ihren schlafenden Mann mit einem Messer an, der wehrt sich und trotzdem schafft sie es, ihn zu töten. Das wird dann als "Notwehr" bezeichnet. Warum hat sie ihn nicht verlassen? Dieses gerichtliche Urteil finde ich äußerst fragwürdig, genau wie das ganze Buch, in dem sie immer wieder von der Familie in der Heimat als harmonisch spricht und wie glücklich sie dort war, dann aber immer wieder Situationen schildert, wie geldgierig und undankbar und auch gefühlskalt eben diese Familie ist. Für mich ist dies ein sehr ambivalentes Buch, deren Autorin unbedingt in eine psychiatrische Behandlung gehörte, was ja auch vom Gericht angeordnet wurde, jedoch im Buch überhaupt nicht mehr erwähnt wurde. Mein Mitleid mit Gina French hält sich sehr in Grenzen, es hat in meinen Augen sehr viel Tendenz zum Selbstmitleid. Sie, die sich sonst als so stark bezeichnet, findet keine andere Lösung, als diesen Mann zu erstechen? Wie gesagt, äußerst fragwürdig. Ich würde diese Buch niemandem empfehlen.