Robert Redfords "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" ist ein melodramatischer Film, welcher allein schon dadurch auffällt, dass er nicht den üblichen Richtlinien bzw. der konventionellen, stereotypen Konzeption der breiten Masse von mit unnötigen Spezialeffekten und übertriebener, irrealer Tragik aufgeladenen Hollywood-Streifen folgt, sondern stattdessen in einer fast schon ergreifend anmutenden Schlichtheit und Gelassenheit voller Poesie und manchesmal auch Pathos das Porträt einer Familie zeichnet; hierbei allerdings nie ins Irreale oder Kitschige abweicht.
Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung der beiden Brüder Norman Maclean, der als Älterer gleichsam als der Ruhigere und Vernünftigere fungiert, und Paul Maclean, dessen Charakteristik im krassen Kontrast zu der seines älteren Bruders steht, die von ihrem Vater, einem presbyterianischen Priester, inmitten der harmonischen Naturlanschaft Montanas in Einklang mit Gott und der Natur erzogen werden - in Einklang mit dem göttlich Transzendenten, dem Unendlichen, Übersinnlichen und dem Materiellen, Endlichen, in welchem sich dies wiederspiegelt. Ihr Vater lehrt sie sowohl das Wort Gottes, die wörtliche Abstraktion also, als auch die greifbare Seite dessen, die Manifestation dessen in der Natur, dem "Abglanz des Unendlichen", um mit Goethe zu sprechen. So erhalten sie im Fliegenfischen ebenso viele Unterrichtsstunden wie in der Religion. Auch im weiteren Verlauf steht das Fliegenfischen trotz aller Probleme der einzelnen Charaktere stets sowohl für die Einheit des Menschen mit der Natur als auch die Einheit, die Zusammengehörigkeit der Familie Maclean.
Robert Redfords Regiearbeit ist eine Abkehr von üblichen Hollywood-Produktionen und beindruckt nicht durch Spezialeffekte, sondern durch faszinierende Naturaufnahmen, nicht durch Höhepunkte oder einen konventionellen Spannungsaufbau, sondern durch Sensibilität, Poesie und Glaubwürdigkeit, durch Schlichtheit und Intelligenz, beeindruckt durch eine perfekte Besetzung, durch grandiose Schauspielerleistungen Craig Sheffers und vor allem Brad Pitts, der hier in einer seiner besten Rollen spielt.
Nicht zu übertreffen ist beispielsweise jene Szene, in der Paul einen riesigen Fisch fängt, in der die beiden Brüder inmitten der Herrlichkeit der Natur mit ihrem Vater vereint sind, in der Pauls Augen vor Glück und Zufriedenheit glänzen (grandios gespielt von Brad Pitt) und er alle Sorgen in einem "Moment der Vollkommenheit" vergisst, gefolgt von den Worten Normans, der Zuschauer und Eltern über die Ermordung seines Bruders informiert. Besser kann man die immanente Gegensätzlichkeit des Lebens, den Kontrast zwischen Glück und Leid, zwischen Moment und Wirklichkeit, Wahrnehmung und Realität, nicht aufzeigen. Ergreifend ist auch das Ende: die Predigt des Vaters sowie der gealterte Norman beim Fliegenfischen, im Strom des Flusses, der symbolisch gleichsam den Lauf des Lebens wie auch den Lauf aller Dinge in ihrer Ganzheit und Gesamtheit darstellt, sein Leben resümierend, nochmals jener Tätigkeit nachgehend, während der er die Nähe all jener spührt, die bereits tot sind, die er einst liebte und die er noch immer liebt.