Es ist fast zwanzig Jahre her, dass ich "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" zum ersten Mal gelesen oder vielmehr es versucht habe. Damals kam ich über die ersten 40 Seiten nicht hinaus, fand es furchtbar öde und dachte mir, das ist doch kein Roman sondern eher ein Handbuch übers Fliegenfischen.
Ein paar Jahre später habe ich das Buch dann wieder aus dem Bücherregal geholt, mir viel Zeit genommen, die Worte Norman Macleans ganz langsam und bedächtig aufgesogen und die berühmte Liebe auf den zweiten Blick bei einem Buch erlebt. Mittlerweile weiß ich nicht mehr, wie oft ich den Roman schon gelesen habe und bin jedes Mal wieder aufs Neue tief berührt über die Schönheit dieses Werks.
In seiner lakonischen, wunderbaren Sprache lässt Norman Maclean längst zerstörte Paradiese und vergangene Zeiten wiederauferstehen. In einer unvergleichlichen Art und Weise verschmelzen seine Worte den Menschen mit der Schönheit der Natur und den Glauben an Gott. Und niemand hat die Tragik menschlicher Beziehungen je treffender in Worte gefasst als Norman Maclean: "Es sind die, mit denen wir leben und die wir lieben und die wir kennen sollten, die sich uns entziehen."
"Aus der Mitte entspringt ein Fluss" enthält viele kleine und große Wahrheiten und so schöne, bewegende Momente, dass einem das Herz aufgeht. Nichts ist laut, nichts aufdringlich, die Worte plätschern dahin wie das Wasser und wer aufmerksam zuhört, wird sich ihrer Bedeutung gewahr.
Nur wer sich wirklich einlässt auf dieses Werk wird es lieben lernen, zu schätzen wissen und nie wieder missen wollen.