Dem Oscar-Gewinner Philippe Rousselot verdanken wir stimmungsvolle Bilder, die uns in das Montana anfangs des 20. Jahrhundert entführen. Robert Redford erzählt uns 1992 in seiner dritten Regiearbeit "A River Runs Through It" nach einem Roman des "echten" Norman MacLean die Geschichte einer Familie, deren Leidenschaft dem Fliegenfischen am Fluss gilt.
INHALT & WÜRDIGUNG
In einer einfachen Rahmenhandlung und aus dem Off berichtet der greise Norman (Craig Sheffer, 32), wie er vor vielen Jahren im Haus seines liebevoll-strengen Vaters (Tom Skerritt, 59) - 200 Blaine Street, Missoula, Montana - mit seinem leichtlebigen Bruder Paul (Brad Pitt, 29) aufgewachsen ist. Norman studiert, wird Professor und heiratet Jessie (Emily Lloyd, 23). Paul wird Journalist, schlägt aber über die Stränge. Er trinkt und spielt, die Schulden häufen sich, er ist aufbrausend und zur "Begeisterung" seiner rechtschaffenen Mitbürger ist er auch noch mit der Indianerin Mabel (Nicole Burdette) liiert...
Mit besonderer Liebe wurde die alte Zeit rekonstruiert. Man spürt in vielen Details den Aufwand, den die Produktion getrieben hat, ein getreues Abbild des jungen Jahrhunderts zu formen. Das gilt insbesondere für die Garderoben und die Requisiten. Die Naturaufnahmen wurden allerdings an verschiedenen Plätzen gedreht - die IMDB benennt Bozeman, Livingston und Montana sowie die Granite Falls in Wyoming.
Paul hasst es, einem Risiko aus dem Weg zu gehen. Die Schwierigkeiten, in die er sich fröhlich-frech immer tiefer hineinmanövriert, erzeugen durchaus eine subtile Spannung. Es adelt den Film, dass man weitgehend auf explizite Gewaltszenen verzichtet hat - aber es wird bald deutlich, dass es nicht gut ausgehen kann.
Was menschlich berührt, ist die liebevolle und natürliche Art, in der Norman, Paul und ihre Eltern trotz allen Widrigkeiten und charakterlichen Unterschieden miteinander umgehen. Hier wird die in der Schlusspredigt des Vaters thematisierte Sicht deutlich, Menschen trotz allen Unterschieden lieben zu können, auch wenn wir sie nicht verstehen. Ihrer Arroganz hinsichtlich ihrer Angelkünste bringt der Film allerdings ziemlich viel Verständnis entgegen; geradeso, als stünde die Kunst des Fliegenfischens stellar über anderen Fertigkeiten des Menschen. Wofür man eher Verständnis aufbringen kann, ist die Verbundenheit mit der Natur, insbesondere mit dem thematisierten Fluss.
TECHNIK & KONFEKTION
Im Original 123 Minuten im Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDB)
Die Universum Blu-ray vom Oktober 2011 bietet Originalformat und -Spieldauer und ein Wendecover - aber kein Bonusmaterial. Sowohl die deutsche als auch die Original-Spur in DTS-HD MA 5.1, Untertitel stehen in Deutsch für Hörgeschädigte und in Englisch zur Verfügung.
Neben den Nahaufnahmen können besonders die Naturaufnahmen mit feinen Details und und frischeren Farben überzeugen. Wie bei Filmen dieses Alters zu erwarten ist, fallen bei Panoramen - insbesondere bei Bewegungen - und zu wenig ausgeleuchtete Passagen leichte Unschärfen sowie Rauschen auf. Dennoch profitiert der Film sichtbar von der besseren Technik der Blu-ray.
Surround-Getöse würde dem kontemplativen Charakter des Films nicht gerecht - dennoch gibt es auch Passagen mit guter Dynamik und Raum. Vor allem aber kommen die Dialoge glasklar und bestens verständlich.
FAZIT
Hören wir die Schlussworte des alten Norman:
"Am Ende fließen alle Dinge ineinander - und aus der Mitte entspringt ein Fluss. Der Fluss wurde bei der großen Überschwemmung der Welt begraben und fließt aus dem Keller der Zeit über Steine. Auf einigen der Steine befinden sich zeitlose Regentropfen. Unter den Steinen sind die Wörter. Doch einige Worte wird man nie verstehen. Ich kann mich dem Wasser nicht entziehen."
film-jury 5* A0913 13.1.2011eg ABR 6.389 Genre: Drama