Nur wenige Menschen haben den Mount Everest von beiden Seiten, der Südseite über Nepal wie Edmund Hillary und von der anspruchsvolleren Nordseite, wie George Mallory bestiegen. Die erste Frau, die es schaffte, war Cathy O'Dowd. 1996 packte sie den Gipfel von Nepal aus. Nur einen Tag später als die, durch Jon Krakauer's "In eisige Höhen" bekannt gewordene Katastrophe, bei der sechs Kletterer ums Leben kamen, bezwingen Cathy und Ian Woodall, ihr Freund und Teamleiter den Gipfel. Doch auch das Südafrika-Team hat ein Opfer zu beklagen. Auf dem Rückweg vom Gipfel treffen Cathy und Ian, Bruce, Ian's Freund und langjährigen Bergkameraden. Sie waren morgens nicht zusammen aufgebrochen. Bruce erreicht den Gipfel, dann verliert sich seine Spur. Er kehrt nie wieder zurück. Das Warten auf ihn im Camp wird zur Tortur. Cathy und Ian kehren allein nach Südafrika zurück. Doch das Bergfieber lässt sie nicht los. 1998 wagen sie die nächste Besteigung, diesmal von der tibetischen Seite. Kurz unter dem Gipfel treffen sie auf eine sterbende Frau. Die Bergsteiger können ihr nicht helfen. Selbst hoch gefährdet zu erfrieren und traumatisiert von ihrer Ohnmacht angesichts der todgeweihten Frau hat Cathy nicht die Kraft weiterzugehen - sie und Ian kehren um und brechen ihre Tour ab, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Erst im Jahr darauf ist dasselbe Vorhaben von Erfolg gekrönt. Faszinierend ist die menschliche Komponente. Es geht um das Miteinander bei einem solch fordernden Vorhaben, nicht nur im Team, sondern auch unter zum Teil konkurrierenden Mannschaften. Es geht um die eigenen Grenzen, nicht nur physischer, sondern vor allem psychischer Natur. Es geht um einzigartige Erfahrungen und um Erfolge und - mehr noch - um Verluste und Trauer. Und es geht - vor allem in diesem Zusammenhang - immer wieder um die Frage nach dem "Warum", nach dem Grund und dem Sinn solch lebensgefährlicher Unternehmungen.


