Kochbücher sind Wegleitungen zu geschmacklichen Genüssen. Es ist legitim, wenn Kochbücher durch ihre Gestaltung diesen Genüssen optisch vorgreifen wollen, sie gleichsam über die Augen vorerfahrbar machen. Das weckt die Lust des Betrachters auf den zu erwartenden Genuss, animiert zum Kauf des Buches und erleichtert die Einschätzung, ob man sich an einem neuen Rezept wagen sollte. Gelungen gestaltete Kochbücher versetzen den Leser bereits in die zu erschliessende Geschmackswelt, bevor man die erste Pfanne auf den Herd gerückt oder das erste Gemüse zerkleinert hat.
Das vorliegende Buch bietet nichts dergleichen. Schlicht, doch elegant in der graphischen Gestaltung lässt es dem Text der Rezepturen vollen Raum. Geschmackvolle, klassische Schrifttypen, die reduzierte Farbpalette aus Rot und Schwarz, die feinen Radierungen von Lorenz Meier, die klassische Buchform sowie die einfache aber übersichtliche Anordnung von Zutaten, Kochanweisungen und Empfehlungen fügen sich zu einem harmonischen Buch-Ganzen. Den Text durchziehen viele persönliche Noten: Die Autorin versteckt sich nicht, ihr Geschmack und ihre Meinung, aber natürlich auch ihre Erfahrung fliessen in die Beschreibung der Rezepte ein. Es entsteht ein sehr persönliches Koch-Buch, das man auch gerne lesend zur Hand nimmt.
Der Name Marianne Kaltenbach steht für höchste Rezeptqualität bei guter Ausführbarkeit. Die über viele Jahre zusammengetragenen und durch sie selbst immer wieder erprobten Rezepte lüften den Deckel der französischen Küche. Kocherfahrung vorausgesetzt, ist das Buch ein wunderbares Vademecum in diese Geschmackswelt. Durch seine Gestaltung ist es auch ein Buchschatz, den man sich, anders als so manches bunt bebilderte, grossformatige Kochwerk, gerne ins Regal stellt. Neben die grossen Romane der Weltliteratur.