Der Theosoph Jakob Böhme hat nach einem "Erleuchtungserlebnis" im Jahre 1600 - so berichten zumindest seine Biographen - damit angefangen, theosophische Gedanken in Tagebuchform aufzuschreiben. Erst später wurde daraus ein Buch. Es ist diese Unmittelbarkeit und Authentizität eines Tagebuchs, die den Charkter des Erstlingswerks von Jakob Böhme ausmachen. Leider - das muss wohl konstatiert werden - ist die Aurora kein leicht zugängliches Buch. Der Inhalt erschließt sich dem Leser wohl nur, wenn er bereit ist, Böhme bei seinen transzendenten Überlegungen meditativ zu begleiten. Als Einstiegslektüre empfehlen sich u.a. die "Theosophischen Sendbriefe", ebenfalls im Insel-Verlag erschienen. Die umfassende philosophische Weltsicht des Jakob Böhme, die eine innige Verquickung ethischer, religiöser und naturwissenschaftlicher Ansichten sowohl zur Voraussetzung als auch zum Ergebnis hat, hat zahlreiche deutsche Philosophen nachhaltig inspiriert. Schopenhauer's "Welt als Wille und Vorstellung" und Schelling's Spätwerk weisen Verknüpfungen mit den Visionen des Schusters Jakob Böhme aus Görlitz auf. Aber Vorsicht! Der Leser muß darauf gefaßt sein, von der Sprache und Aufrichtigkeit dieses bescheidenen Mannes gefangengenommen zu werden...