Ab Mitte des 19ten Jahrhundert begannen die Historiker, August den Starken immer heftiger zu kritisieren. Nicht nur seine Mätressenwirtschaft, die selbstverständlich unmöglich war, sondern alles an ihm. Die Sächsisch-Polnische Personalunion wurde als Größenwahn etikettiert, die Förderung der Künste als Prunksucht usw. Diese extreme moralische Verurteilung erfolgte insbesondere von preußischen Historikern wie beispielsweise Heinrich von Treitschke. Im wesentlichen suchten sie eine Begründung für die Annexionsbestrebungen Preußens, die schließlich beim Wiener Kongreß dazu führten, daß Sachsen 58 % seines Gebietes an den nördlichen Nachbarn verlor. Auch der polnische Romancier Jozef I. Kraszewski, der mehrere Jahre als Exilant in Dresden gelebt hat, zeichnet in seinen Sachsenromanen August den Starken praktisch als Monster. Das ist etwas geschichtsblind, denn die Sächsich-Polnische Personalunion war auch als Defensivbündnis gegen Rußland und Preußen gedacht. Nicht umsonst waren diese beiden die erbittersten Gegner davon. In seiner (recht schwachen) Biographie behauptet Hermann Schreiber sogar, daß diese Personalunion vom Papst betrieben wurde, um eine katholische Großmacht im Norden Europas zu schaffen.
Dieter Czok will ein objektiveres Bild von August den Starken zeichnen. Er betont die Vorteile seiner Außenpolitik und die Kunst- und Architekturförderung. Ebenso führt er Argumente gegen die gängige Behauptung, er sein Fürstentum wirtschaftlich ruiniert wurde. Der Vergleich mit Preußen, mit leicht paranoischen Zügen, ist ständig präsent. Wenn es um die Kunstsammlungen Sachsens geht schreibt er: Die Sammlungen kamen nicht durch Kriege und damit verbundene Beutezüge zustande, wie wenig später die zur Zeit Friedrichs II. von Preußen - im Gegenteil: Sie regten die Sammeltätigkeiten in kleineren Residenzen an, vor allem aber auch die von Bürgern und Städten."
Auch wenn man sich für diese Aspekte nicht interessiert, ist das Buch empfehlenswert. Neben dem Leben August des Starken wird die Zeit mit ihrer Kultur und ihrem gesellschaftlichen Leben beschrieben, die wichtigsten historischen Ereignisse, wobei der Nordische Krieg relativ knapp behandelt wird, und auch die Entwicklung Dresdens von einem größeren Dorf zu einer weltberühmten Residenzstadt.