Das vorliegende Buch von Ursula Heidenreich behandelt Leben und Werk des Malers August Macke(1887- 1914). Der Künstler war Mitglied des Blauen Reiter und bedeutendster Vertreter des rheinischen Expressionismus, der den Orphismus Robert Delaunays und die räumlich - plastische Bildkonstruktion des Kubismus zu einem eigenständigen farbintensiven Stil auswertete. Man liest über die Kindheit und Jugend Mackes und erfährt, dass er 1904-05 an der Düsseldorfer Kunstakademie und von 1905- 06 an der Gewerbeschule eingeschrieben war. 1907 trat Macke seine erste Reise nach Paris an. Fasziniert von den französischen Impressionisten, interessierte ihn damals bereits die konsequente Anwendung reiner Farben, ohne an irgendwelche Gegenstände zu denken. 1907- 08 besuchte er unterstützt von dem Fabrikanten und Sammler Bernhard Koehler, seinem lebenslangen Mäzen, die Malklasse von Lovis Corinth in Berlin. Parallel zum Modellstudium im Atelier suchte er in raschen Skizzen Cafe- und Straßenszenen festzuhalten. Nach dem Militärdienst und der Heirat mit Elisabeth Gernhardt ( eine sehr schöne Frau) im Oktober 1909 folgte die Hochzeitsreise in die Schweiz, wo Macke mit dem Maler Louis Moillet Freundschaft schloss und nach Paris, Während seines Tegernseer Aufenthaltes 1909-1910 verarbeitete der Künsteler die Eindrücke seiner Reisen. Gemeinsam mit seinem Vetter Helmuth Macke malte er oft nach dem Modell, aber suchte aber auch in ruhiger Beobachtung seiner häuslichen Umwelt, in Landschaften,( siehe S. 43) Interieurs und Bildnissen, die bisher noch nicht gepflegte impressionistische Technik durch eine plastisch umschreibende und geschmeidig geführte Zeichnung sowie durch flächenhaft aufgetragene Farbfelder einen Paul Cezanne vergleichbaren klaren Bildaufbau zu erzielen, so vor allem in den Portraits seiner Frau, ( siehe S. 37-39) .
Die Matisse -Ausstellung in München (1910) hatte Macke stark beeindruckt und bewirkte einen noch großflächigeren Einsatz von Farben, wobei auf jede zusätzliche Schattierung und Detailmodellierung der Formen verzichtet wurde.
In München hatte Macke Franz Marc kennen gelernt. Marc forderte Macke auf an einer 1911 neu gegründeten Gruppe , dem Blauen Reiter mitzuwirken. Macke beteiligte sich an den beiden später auch in Köln präsentierten programmatischen Ausstellungen in München und verfasste über den Almanach des Blauen Reiter den Artikel " Masken ".
Der Einfluss von Marcs und Kandinskys symbolreichen Stil mit kontrastreichen Farben findet sich nur in wenigen Bildern Mackes.
In Gemälden des Jahres 1912 (so etwa " Zoologischer Garten ", S. 56 und " Großer Zoologischer Garten " S. 63) bildeten sich Macken unverwechselbare Stile heraus, der sich von den anderen Mitgliedern des Blauen Reiter wesentlich unterscheidet.
Für die Gestaltung von Eindrücken mit der sichtbaren Welt (so Macke) verband er die dekorativen reinen Farbtöne des Fauvismus mit dem kantig gebrochenen und mehrdimensionalen Konstruktionssystem des analytischen Kubismus.
Ende 1912 fuhr Macke mit dem Ehepaar Marc nach Paris. Der nachhaltige Eindruck blieb der Besuch bei Delaunays.
In den letzten beiden Schaffensjahren konzentriere sich Macke auf die direkte Beobachtung der Natur in ihrem lichterfüllten Wesen und organisierte 1913 in Bonn die Ausstellung " Rheinische Expressionisten ". Unmittelbar danach siedelte er mit seiner Familie in die Schweiz um. Dort nahm er engen Kontakt zu Moillet auf. Es entstanden u.a. die wundervollen Bilder " Dame in der grünen Jacke ",( S. 92), " Leute am blauen See "( S. 94), " Sonniger Weg " ( S. 95)" Kolonade mit Segelboot " I und II (S. 99)," Vor dem Hutladen "( S. 102)," Modegeschäft"( S. 106) und viele andere mehr.
Es gelang Macke die kubistischen und orphistischen Elemente im harmonischen Bildaufbau zu verschmelzen. Künstlerisches Ziel war die Schilderung der realen , vom Farblicht umhüllten Welt.
Über Moilliet intensivierte sich die Freundschaft zu Paul Klee . Die drei Maler brachen im April 1914 zur berühmten Studienreise nach Tunis auf. Die während des vierzehntägigen Afrika- Aufenthaltes ausgeführten 37 Aquarelle und zahlreiche Zeichnungen gehören innerhalb des Gesamtoevres zu Mackes reifsten Bildformulierungen so etwa " Türkisches Cafe" I und II ( S. 121) , " Markt in Tunis " ( S. 122) .
Seine letzten großformatigen Bilder zeichnen sich durch eine nochmalige Reduktion des Details und eine lichtüberflutete Verräumlichung der Flächen aus, Beispiel: " Mädchen unter Bäumen ", ( S. 135) . Mit Kriegbeginn wurde Macke im August 1914 eingezogen und fiel an der Westfront in der Champagne.
Macke ist einer meiner Lieblingsmaler. Es ist nicht das erste Buch, das ich von ihm habe, aber eines der besten.
Das Buch umfasst 117 Abbildungen ( Gemälde und Fotos), 88 davon sind farbig.
Empfehlenswert!