Das Debut-Album einer Band, die hierzulande kaum jemand kennt. Woher auch? Der bisher einzige richtige Hit "Mr. Jones" stammt aus dem Jahre 1994. Wenn man Glück hat, bekommt man die Krähen einmal im Jahr in den deutschen Medien zu sehen beziehungsweise zu hören ...
Zu Unrecht, denn schon das Debut der kalifornischen Band ließ vermuten, dass talentierte Leute am Werk sind.
"August And Everything After" erschien im September 1993, Sänger Adam Duritz wurde im August 1964 geboren - und wenn man sie die Geschichte der Band ansieht, lassen sich noch weitere Kleinigkeiten finden, die darauf hindeuten, dass der Titel des Albums nicht unbedingt etwas mit der Jahreszeit zu tun ...
Diesem Album eine gewisse Grundstimmung zuzuordnen, ist nicht ganz einfach: Die Songs sind gewissermaßen wie das Leben. Fühlt man sich wohl, machen die meisten Lieder noch glücklicher. Ist man traurig, wirken sie eher depressiv. Natürlich ist nicht zu leugnen, dass dieses Debut-Album größtenteils aus äußert melancholischen Songs besteht, aber etwas haben sie an sich, dass einem die Hoffnung auf bessere Zeiten gibt. In der Musik und im eigenen Leben.
Besonders ist dieses Album - wie die beiden späteren Studioalben auch - aus einem einfachen Grund: Es zeigt, wie sich die Band verändert hat. Hier stehen sie am Anfang, ohne berühmt zu sein und ohne die Erfahrungen, die ein Leben in der Öffentlichkeit mit sich bringt. Singt Duritz hier noch: "Mr. Jones and me, we wanna be big stars ...", hat sich diese Zeile als Symbol für den Erfolg der Band doch sehr verändert: Heute will er kein großer Star mehr sein, heute sieht er Mr. Jones nicht mehr oft.
Mein persönlicher Favorit ist "Round Here", aus keinem bestimmten Grund, aber wahrscheinlich deshalb, weil es der Song ist, der im Laufe der Jahre in den verschiedensten Versionen gespielt wurde.
Übrigens sind die Counting Crows auch eine phantastische Live-Band, und gerade deshalb haben sie es verdient, richtig berühmt zu werden. Wie sie spielen, hängt größtenteils vom Publikum ab. Sänger Adam Duritz sagt, es sei Ihnen ebenso wichtig live zu spielen wie die Alben zu produzieren. Alle Bandmitglieder haben übrigens auch eine gewisse Abneigung gegen die Atmosphäre in Musik-Studios - unpersönlich, kalt. Deshalb nehmen sie ihre Alben auch in eigens dafür gemieteten Häusern auf - "Das Haus nimmt die Atmosphäre während der Produktion auf - und gibt dieses Gefühl wieder zurück.", so in etwa hat sich Duritz dazu geäußert.
Die Crows sind keine Band, die man mal eben in den CD-Player schmeißt und einfach so laufen lässt, denn dann wirken weder die schon auf "August And Everything After" wirklich guten, wenn auch noch recht einfachen Arrangements noch die eindringliche, romantisch-melancholische Stimme von Sänger und Songwriter Adam Duritz oder die tiefgreifenden, sehr persönlichen Texte der Songs, denn eines tut Duritz immer: Er schreibt aus eigener Erfahrung. Und weil diese Erfahrungen so alltäglich sind, kann man ihn so gut verstehen. Doch dafür kann man die Musik eben nicht einfach so nebenher dümpeln lassen, man muss sich Zeit nehmen und der Musik - den Instrumenten und den Texten - zu hören.
"We all wanna be big stars."
Verdient haben sie es so sehr wie kaum eine andere Band.