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August 410 - Ein Kampf um Rom
 
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August 410 - Ein Kampf um Rom [Gebundene Ausgabe]

Mischa Meier , Steffen Patzold
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 259 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608946462
  • ISBN-13: 978-3608946468
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 94.445 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Wie man den "Schichtkuchen" der Quellen aufschneidet, ohne dass er in sich zusammenfällt, das haben Meier und Patzold mit diesem Buch auf faszinierende Weise gezeigt.« --Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Kurzbeschreibung

Vor 1600 Jahren: Wenn Rom fällt, fällt die Welt. Wie Katastrophenereignisse Geschichtsbilder prägen

Drei Tage lang plünderten Alarichs Soldaten die Ewige Stadt. Seither hat dieses Ereignis die Phantasie der Menschen bewegt. Die Autoren erzählen, wie zunächst die Zeitgenossen, dann Geschichtsschreiber und Historiker bis in die Gegenwart dieses epochale Ereignis deuteten, das sich nun zum 1600. Mal jährt.

Einzigartige Kombination aus Darstellung, Analyse und Reflexion


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Am 24. August 410 plünderte ein "westgotisches" Heer unter dem Befehl des einst in römischen Diensten gestandenen Generals Alarich die Stadt Rom. Am 27. August zogen diese Truppen wieder ab. Soweit die unbestrittenen Fakten, welche Mischa Meier und Steffen Patzold in das Zentrum ihres Werks gestellt haben. Dass die Plünderung Roms von den Autoren so knapp und kaum mit weltgeschichtlicher Bedeutung aufgeladen abgehandelt wird hat ihren Grund. Sie haben in ihrem Buch nämlich nicht versucht jenen Ereignissen im August des Jahres 410 ihre eigene Interpretation zu verleihen, sondern zeigen anhand ausgewählter Quellen von Zeitgenossen, Historiographen und modernen Historikern, welche Wandlungen die Vorstellungen vom Fall Roms über mehr als ein Jahrtausend erlebt haben. Es ist also nicht direkt ein Buch über Rom 410 sondern über die Interpretationen dieses Ereignisses.

Im Bestreben verschiedene Perspektiven auf den August 410 zu vermitteln ähnelt "August 410 - Ein Kampf um Rom" auch dem bedeutenden Werk Alexander Demandts "Der Fall Roms". Während Demandts Werk sich allerdings gezielt mit den Gründen für Roms Untergang auseinandersetzte, belassen es Patzold und Meier dabei die unterschiedlichen Deutungen dieses punktuellen Ereignisses sprechen zu lassen, anstatt den August 410 zum Grund für Roms Untergang hochzustilisieren. Der Untertitel "Ein Kampf um Rom" ist zudem an Felix Dahns gleichnamigen Roman angelehnt, der ebenso wie Dahns historische Romane und seine Darstellung der Westgoten und Roms Teil Bestandteil der sehr umfangreichen Quellenkritik Patzolds und Meiers ist. Genau genommen ist das gesamte Werk eine einzige große Quellenkritik, vom Zeigenossen Augustinus bis zu den modernen Historikern und Geschichtsinterpreten Herwig Wolfram (Geschichte der Goten) und Michael Kulikowski (Die Goten vor Rom).

Mit ihrer Quellenkritik beginnen Meier und Patzold allerdings beim römischen Hofdichter Claudius Claudianus, der seinen Gönner Stilicho zum großen Retter Roms und Antagonisten Alarichs stilisierte. Schon bei Claudianus wird deutlich wie verschwommen die Grenzen zwischen römischen Generälen und Barbarenfürsten damals waren, denn auch Claudianus Stilicho ist je nach Interpretation entweder römischer General oder Vandale. Neben Claudianus Zeitzeungis der Ereignisse untersuchen die Autoren aber auch die Deutungen der Ereignisse durch Hieronymus, Augustinus, Orosius oder Rutilius Namatianus. Gerade Augustinus Interpretation scheint jedoch von blanken Zynismus geprägt, der sich allerdings aus dessen Position als nordafrikanischer Bischof eines von gewaltbereiten Donatisten, sich durch Roms Plünderung in ihrem Weltbild genuin bestätigt fühlenden Heiden (Rom fiel weil sich die Römer von ihren altern Göttern abgewandt hatten) und in ihrem Glauben erschütterten römischen Flüchtlingen geprägten Bistums ergab.

Aber nicht bloß Weströmer lassen die Autoren zu den Ereignissen zu Wort kommen, sie haben mit Sokrates, Zosimos und Prokop auch Byzantiner gefunden, welche sich durchaus auch objektiver mit Roms Plünderung auseinandersetzten. Über den spätantiken Jordanes und den Bischof Isidor von Sevilla stoßen die Autoren schließlich in das Mittelalter und zu Otto von Freising vor, in dessen Zeiten der August 410 schon eine ganz andere Bedeutung hatte und vor allem über die Neuinterpretation der Goten eine neue Deutung erhielt. Mit Flavio Biondo, Franciscus Irenicus und Johannes Magnus endet schließlich die Ära der historiographischen Interpreteten.

Als erster Historiker, im Sinne der von den Autoren vorgenommenen Unterteilung in Zeitgenossen, Historiographen und Historikern, erfährt der selbst ernannte "Historiker des Römischen Reichs" Edward Gibbon seine Würdigung. Von Gibbon und Ferdinand Gregorovius leiten die Autoren schließlich zu August W. Grube und dem bereits eingangs erwähnten Felix Dahn über, dessen populärliterarischen Werke sehr stark zur Bildung eines Gotenbildes und der damit verbundenen Interpretation des Augusts 410 geführt haben. Nach einem Exkurs zu Wilhelm Capelle befinden wir uns schließlich schon an der Schwelle zum 21. Jahrhundert bei den beiden Historikern Herwig Wolfram und Michael Kulikowski, zu deren sehr unterschiedlichen Auffassungen die beiden konstatieren dass der Kampf um Rom weiterhin andauert.

Gerade in Kulikowskis Werk erhalten die Westgoten des Jahres 410 einen sehr modernen Anstrich einer Macht die vom römischen Imperium geschaffen wurde und sich schließlich gegen dieses wendete, es ja sogar im Herz des römischen Metropolismus traf. Eine Deutung die nicht von ungefähr kommt und doch ebenso ein Kind ihrer Zeit und ihres Umfelds ist, zumal Kulikowski als US-Amerikaner einem Land und einer Zeit entstammt in der sich diese Ereignisse auch auf die USA übertragen ließen. Genauso wie Kulikowski Roms Plünderung vom 24. bis 27. August im Lichte seiner Zeit als 9/11 des spätantiken weströmischen Imperiums interpretiert, das durch seine eigenen ehemaligen Verbündeten zu Fall gebracht wurde, haben schon vor ihm viele Geschichtsschreiber den Ereignissen eine Interpretation verliehen die eben den Umständen ihres Umfeldes und ihrer Zeit geschuldet war.

Mit "August 410 - Ein Kampf um Rom" haben Steffen Patzold und Mischa Meier eine sehr eindrucksvolle Quellenkritik geschaffen, die jedoch manchmal schon zuviel des Guten unternimmt, wenn es darum geht zunächst die geschichtlichen Hintergründe und Biografien der von ihnen vorgestellten Historiographen vorzustellen. Als sehr beispielhaft für diesen Übereifer kann etwa die Beschreibung von Otto von Freisings Leben und den zu dessen Zeiten eskalierten Streit um die römische Kaiserkrone gelten. Ist es gerade bei den spätantiken Geschichtsschreibern noch verständlich wenn ihre Lebensumstände und dergleichen akribisch aufgearbeitet wird, da sich daran auch die Entwicklungen vor und nach 410 darstellen lassen, so hebt sich Otto von Freisings Leben eindeutig davon ab. Genauso intensiv widmet man sich aber auch den Interpreten nach Otto von Freising. Dabei kommt jedoch manchmal die Darlegung zu kurz, wie die vorgestellten Persönlichkeiten den August 410 interpretierten.

Erwähnenswert ist zudem dass die Autoren in ihrer Quellenkritik ein spezielles Augenmerk auf die mit August 410 untrennbar verbundene Darstellung der Goten gelegt haben und vor allem wie sich diese über die Jahrhunderte entwickelt und verändert hat. Am Ende bleibt der August des Jahres 410 ein genauso großes Rätsel wie zuvor, doch man weiß umso besser darüber bescheit wie unterschiedlich dieses für das weströmische Imperium markerschütternde Ereignis über nun 1600 Jahre interpretiert und dargestellt wurde. Dass das Buch selbst nämlich keine Historiografie ist, wie man durchaus erwarten könnte, sollte man wissen, um nicht vom Inhalt enttäuscht oder auch überfordert zu werden, denn es setzt durchaus Vorkenntnisse der römischen Geschichte voraus. Stilistisch ist das Buch jedoch sehr gut gelungen, es liest sich zumindest sehr angenehm.

Fazit:
Eine höchst lesenswerte doch auch sehr anspruchsvolle Quellenkritik über die Bedeutung des Augusts 410 und die geschichtliche Darstellung der Goten.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rod
Format:Gebundene Ausgabe
Ich neige dazu, meine Bücherauswahl im Urlaub der erlebten Geschichte des Urlaubslandes zu schulden; die direkte Beschäftigung mit dem Thema an den historischen Stätten führt zu einem besonders emotionalen und bleibenden Eindruck. Hierbei besteht aber die Gefahr, sich von den Emotionen zu einer "persönlichen Geschichtsklitterung im eigenen Erleben" verführen zu lassen.
Die Beleuchtung des Themas aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln erhält somit eine starke Bedeutung.

Genau dies ist mit dem vorliegenden Werk par excellence gelungen; ja vielmehr ist dieser Aspekt sogar die eigentliche raison d'être.
Das Werk ist ein Paradebeispiel dafür, wie Geschichte "entsteht"; somit hat es neben der eigentlichen Behandlung des Themas den großen Mehrwert, vor allem dem geschichtlich Interessierten auch ohne akademischen Hintergrund den Einfluß gesellschaftspolitischer und ideologischer Strömungen der jeweiligen Zeit auf den Betrachter des Ereignisses aufzuzeigen.
Auch wenn dies den meistens Lesern solcher Werke sowieso bewußt ist, geschieht dieser Vorgang hier doch auf sehr eindringliche und nachdenklich stimmende Art und Weise.

Vielen Dank auch für die Rezension des Mitglieds C. Kadel. Gespickt mit Hinweisen in Form von Hyperlinks zur Vertiefung bestimmter weiterführender Aspekte ist diese Rezension vorbildlich, vielen Dank!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kompetent und spannend 19. August 2010
Von Gospelsinger TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Auf den Monat genau 1600 Jahre ist der Kampf um Rom her:
'Am 24. August des Jahres 410 eroberte ein Heer unter der Führung eines Generals namens Alarich die Stadt Rom. Drei Tage lang plünderten Alarichs Soldaten die alte Hauptstadt des Römischen Imperiums. Am 27. August zogen sie wieder ab.'
Das ist gesichert. Aber was genau ist damals eigentlich geschehen? Über die Jahrhunderte hindurch gab es viele unterschiedliche Versionen der Ereignisse. Geschichte wird eben von Historikern aufgeschrieben, und diese sind geprägt von der eigenen Zeit und den eigenen Interessen. Über geschichtliche Ereignisse können wir uns also nie sicher sein. So weisen auch die Autoren dieses Buches gleich am Anfang darauf hin, dass ihre Auswahl der Geschichten um den August 410 subjektiv ist.
Meier und Patzold beginnen mit den zeitgenössischen Darstellungen. Gleich beim ersten Beispiel, Claudius Claudianus, wird deutlich, wie sehr die eigenen Interessen die Interpretation der Ereignisse prägen, denn Claudianus sichert mit seiner Version seine Stellung. Hieronymus nutzt die Darstellung des Kampfes um Rom, um seine Forderung nach Entsagung zu unterstreichen.
In dieser Form geht es weiter mit den wechselnden Sichtweisen und den Umdeutungen der Ereignisse. Meier und Patzold schildern die Historiographien, die sich mit dem August 410 beschäftigen und im Folgenden die Interpretationen der Historiker, die sich auf die Schilderungen der zeitgenössischen Autoren sowie auf die Historiographien stützen.
Zum Beispiel wurden die Germanen schließlich als heroische Vorfahren der Deutschen umgedeutet, um einen deutschen Nationalismus zu begründen.
Meier und Patzold schreiben kompetent und gründlich, dabei aber nie langweilig. Das Buch liest sich flüssig und spannend und weckt das Interesse am Thema.
Vor allem aber macht dieses Buch deutlich, was auch wir Politikwissenschaftler postulieren: Es gibt keine Objektivität!
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