Es gibt viele Bücher, die einen Überblick zum ersten Weltkrieg bieten. Meist sind sie so abstrakt, dass man am Ende wieder vergessen hat, wieso es eigentlich zu dieser Tragödie kommen konnte. Oder man sieht nur Bilder und bekommt keine Zusammenhänge präsentiert.
Ganz anders ist Barbara Tuchmans Buch "August 1914". Sie beschränkt sich auf die ersten 35 Tage des Krieges, in denen im Grunde alles entschieden wurde. Dabei aber geht Tuchman auf eine unnachahmliche Weise ins Detail und in die Situation hinein. Welche Stimmung herrschte bei den Regierungen, in den Kabinettssitzungen, als der Krieg wenige Stunden bevorstand? Wie reagierten die verantwortlichen Generäle? Verloren sie die Nerven oder bewahrten sie kühles Blut? Wer schätzte die Lage richtig ein? Und wer verfing sich in seinem eigenen Propagandagestrüpp, um so schon nach wenigen Tagen den Weg in Richtung Untergang einzuschlagen?
Barbara Tuchman gelingt es, die Strömungen und Fehleinschätzungen der Zeit plausibel zu schildern . Nach fast 100 Jahren wird dem Leser deutlich, warum im August 1914 eine Epoche zu Ende ging. Dabei schreibt Tuchman so packend, dass die mangelhafte deutsche Übersetzung der Spannung keinen Abbruch tut.
Fazit: Absolut empfehlenswert.