Das Buch von Heiner Gross ist wie gemacht für die filmische Umsetzung mit der Augsburger Puppenkiste - und deren Hausautor Manfred Jenning tat sein Übriges hinzu. Niemals kitschig und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger kommt diese Geschichte daher - eine Geschichte, in der das klassische Sagentum (und mit ihm eine arglose Kindheit) von der Moderne mit ihrer zunehmenden Technisierung bedroht scheint. Am Ende siegt die Fantasie - jedoch hatten Gross und Jenning den Mut, sich dabei von einer allzu nostalgischen Verklärung dieses Begriffes zu lösen und stellen klar, dass Fantasie und Träume nicht unbedingt Zwerge und Hexen zum Inhalt haben müssen. Auch eine imaginäre Fahrt in einem Raumschiff, das rasch aus einer Tonne und einem Regenschirm gezimmert wurde, können Kinderherzen erfüllen.
Wichtig ist allein, dass Kinder spielen, agieren und ihren eigenen Verstand gebrauchen, statt nur berieselt zu werden.
Während erwachsene Zuschauer dieses Plädoyer für die Förderung kindlicher Imagination unzweideutig heraushören, wird die minderjährige Zielgruppe hiervon unbehelligt einfach vom Abenteuer mitgerissen, wenn Roboterarmeen durch das Reich der Märchen, Fabeln und Sagen stampfen - aber auch wenn Freiherr von Münchhausen den Kindern Jenny und Max eine seiner berühmten Lügengeschichten erzählt oder klar wird, dass der Wolf und die sieben Geißlein sich nur spinnefeind sind, wenn das Märchen gerade erzählt wird (Zitat: "Wir haben gerade Pause. Und in der Pause wird bei uns nicht gefressen.").
Fünf Sterne also für ein modernes Märchen, das leider zu den weniger bekannten Filmen der Puppenkiste zählt, jedoch an Reiz keineswegs hinter Berühmtheiten wie Jim Knopf oder Urmel zurücksteht.