Ein gutes und erfolgreiches Original verträgt sich bekanntlich nicht allzu oft mit seinen Fortsetzungen. Diese ungeschriebene Regel taucht in der Welt des Fernsehens leider immer wieder auf. Und wenn ich ehrlich sein soll, ist das leider auch hier der Fall - zumindest teilweise.
Es ist sicherlich schon ein Jahrzehnt her, als ich in einem Programmhinweis gelesen habe, dass "Urmel spielt im Schloss" laufen würde. Damals wurde allerdings nur der zweite Teil der Fortsetzung, die 1974 produziert wurde, ausgestrahlt, der mich noch einigermaßen zufrieden stimmte. Gestern habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben alle vier Fortsetzungsteile an einem Stück angesehen und muss sagen, dass ich sie vielmehr als groben Einschnitt empfinde und weniger als perfekte Ergänzung.
Die ersten beiden Teile verheißen eigentlich noch viel Gutes, auch wenn sie so gut wie gar keine neuen Details und Handlungsstränge bieten. So befassen sich auch sie wieder mit der Thematik des ersten Teils. Doktor Zwengelmann, der größte Widersacher von Professor Habakuk Tibatong, glaubt nach wie vor nicht an das Urmel. Zwengelmann bekommt Besuch von seiner Nichte Naftaline, die schon bald von der Insel Titiwu erfährt und König Pumponell bittet, sie dorthin zu bringen, wodurch die Ereignisse ins Rollen kommen...
An dieser Stelle kann man sich bereits denken, wie es weitergehen und wie alles enden wird. Wie ich bereits geschrieben habe, sind die ersten beiden Teile durchaus nicht schlecht, allerdings bieten sie fast nichts, was der Zuschauer nicht schon kennen würde. So wird der Streit um Wawas Riesenmuschel, der in den ersten vier Teilen noch lustig und einfallsreich gewesen ist, hier dermaßen ausgedehnt, dass man sich zu fragen beginnt, ob hier vielleicht Defizite im Drehbuch ausgeglichen werden sollten. Und auch sonst setzt man wieder auf einige altbekannte Mittel: die Tiere haben nach wie vor ihre individuellen Sprachfehler (obwohl Ping im vierten Teil des ersten Films gelernt hat, wie man ein "sch" spricht), der Seeelefant singt die deutschen Volkslieder, die er noch nicht von der Liste streichen konnte und Wutz öfft immer noch in der Gegend herum.
Dennoch gibt es auch einige Änderungen, die in meinen Augen allerdings größtenteils negative Auswirkungen haben. Manche Kulissen wirken nicht mehr so plastisch und detailreich wie vorher und sind darüber hinaus verändert worden. Ferner wurden einige Sprecher ersetzt; die Nachfolger sind in meinen Augen leider allesamt schlechter als ihre Vorgänger. Besonders das Urmel und Professor Habakuk Tibatong haben darunter stark zu leiden.
Am Schlimmsten ist meiner Meinung nach aber, dass manche Figuren ihren Charakter um 180 Grad drehen und sich auf einmal ganz anders verhalten als vorher. Aus dem netten Adoptivsohn Tim wird (wenn er denn mal vorkommt; er wird hier beinahe zur Nebenfigur) ein strenger Lehrer, der die Tiere mit seinen autoritären Methoden erziehen möchte, aus Doktor Zwengelmann wird ein verrückter Mensch, der jeden Moment dem Nervenzusammenbruch nahe scheint, aus dem niedlichen kleinen Urmel wird ein schwieriger und kleiner Widerling, der seine Freunde beherrschen möchte, und aus der fürsorglichen und strengen Wutz wird eine teilweise alberne und durchgedrehte Haushälterin, die einige Charakterzüge des Urmels in sich aufnimmt und nicht mehr Vorsicht, sondern Nachsicht und das Risiko walten lässt.
Positive Änderungen gibt es allerdings auch. So ist es schön, dass "Urmel spielt im Schloss" nicht nur auf der Insel Titiwu spielt, sondern auch viele andere Kulissen zeigt. Darunter fallen das Schloss des Königs, ein Vulkan sowie diverse Einrichtungen (Haus, Büro, Zoo, Naturkundemuseum) von Doktor Zwengelmann.
Wenn es hier nur um die ersten beiden Teile ginge, würde ich dem Gesamtpaket sicherlich vier Sterne geben. Aber der dritte und der vierte Teil, die eigentlich gar nicht auf dem Buch "Urmel spielt im Schloss", sondern auf "Urmels toller Traum" basieren, verleiten mich dazu, einen Stern abzuziehen. Man kann am Titel bereits feststellen, was hier passiert: das Urmel träumt, und es wird sofort klar, dass dieser Traum sich durch beide Teile ziehen wird. Das wäre wohl auch alles noch zu verkraften, wenn wenigstens der Inhalt stimmen würde. Aber was dem Zuschauer in diesen beiden Teilen geboten wird, hat einfach nichts mehr mit dem eigentlichen Urmel zu tun. Das Urmel mutiert zum Herrscher, der seine Freunde zu Untertanen (oder eher zu "unteren Tannen") macht und alle Inselbewohner unterwerfen möchte. Die einzigen Hingucker waren hierbei noch das demokratische Schwein und Wawa im Brautkleid, die mich wenigstens stellenweise noch zum Schmunzeln gebracht haben. Aber das war es dann auch schon wieder. Der Rest lässt sich auf einen einzigen Kampf um die Herrschaft von Titiwu reduzieren und wurde darüber hinaus noch unnötig in die Länge gezogen.