Vier komplette Geschichten der "Augsburger Puppenkiste" zu einem Preis zu dem man normalerweise nur eine, oder bestenfalls zwei Mehrteiler erhält sind an sich schon der Hammer. 8,3 Stunden mit Deutschlands berühmtesten Marionettentheater, dessen Originalität und Faszination über Generationen tradiert hat.
Alleine "Bill Bo und seine Bande" aus dem Jahr 1973 ist den Kaufpreis wert. Ein köstlicher Klamauk für Jung und Alt, mit herrlichen Charakteren, Anachronismen, typischen Verhaltensmustern, Lieder zum Mitsingen, im der Zeit vertrauten Stimmen und und und..... Der "Bombengrantenblitzplotzdonnerwetter......" schimpfende, großmäulige, etwas einfältige, hessische Bandenboss, der schlaue Sachse Gill Waas ("ooch du griene neine"), die stets streitenden bajauwarischen "Freind" und schwäbischen "Freinderl", der skurille Ungar, dessen "schöne blaue Donau" stets mit "iss/isch doch der Rhein du Simbell" kommentiert wird. Ein Graf dem rund-um-die-Uhr "der Tee" gebracht wird, dessen spanischer Neffe, der Miquel de Cervantes "Don Quichotte" gelesen hat und nun überall "den silbernen Ritter" sieht und eine Vielzahl weiterer, unvergesslicher Schrullen.
Eine ganz große Besonderheit und Rarität stellt "Der Kleine Dicke Ritter" dar. Erstmalig 1963 von der ARD in schwarzweiß ausgestrahlt, hatte er gegenüber späteren Produktion statt vier, sechs Teile, die auch als einzelne Geschichten angeschaut werden können. Im Gegensatz zu späteren Produktionen, wie "Kater Mikesch" und "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", die später neu in Farbe aufgenommen, sich zahlreicher Widerholungen erfreuen konnten, war "Sir Oblong Fitz Oblong" für Jahrzehnte unauffindbar im Archiv des Hessischen Rundfunks verschwunden. Endlich wieder aufgefunden, wurde der Sechsteiler dann in seiner Originalfassung von insgesamt 3:10 Stunden auf DVD übertragen.
Während "Don Blech und der Goldene Junker" (1973) eine späte Fortsetzung der ursprünglichen "Löwentrilogie" (1965-1967, seit 1970 mit dem allerdings nicht auf der Marionettenbühne aufgeführten "Der Dicke Löwe Kommt Zuletzt" fünf Kinderbücher umfasst) ist, zählt "Das Burggespenst Lülü" von 1992 zu den letzten TV-Auftritten der Figuren.
Die Bonus-DVD "Hessens schönste Burgen" ist eine Einladung zu Besichtigungsausflügen und ein Anreiz für einen Einstieg in die Welt des Mittelalters.
Tonqualität hin - Bildqualität her.....
.....nicht nur in Ermangelung neuer TV-Ausstrahlungen, sondern auch als gemeinsame Reise in die eigene Kindheit ist "Räuber - Burgen - Gespenster" sehr zu empfehlen. In einer Zeit schnelllebiger Unterhaltung durch Trashcomics und 3D animiertem Schnick-Schnack ist die 5er DVD-Box mit einem hohen Erinnerungswert stets auch für die Jüngsten pädagogisch wertvollund mit 5 Amazonsternen zu bewerten.