Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch der Dichter Rainer Maria Rilke war fasziniert von den Arbeiten Rodins. Ein erstes persönliches Aufeinandertreffen eröffnete die wohl intensivste und produktivste Phase seiner dichterischen Arbeit. Neben einer Rodin-Monographie entstanden zahlreiche Schriften und Gedichte zu den Arbeiten des Bildhauers. In der hier vorliegenden Ausgabe vereint der Insel-Verlag eine gelungene Neuauswahl thematisch verwandter Werke der beiden Künstler und führt damit eine langjährige Tradition fort, denn bereits 1913 erschien eine Ausgabe im gleichen Hause. Eine verlegerische Großtat, wenn man bedenkt, dass noch im Jahr 1906 eine Ausstellung der Aktzeichnungen Rodins im Großherzogtum Weimar einen Skandal ausgelöst hatte!
Rilkes erotische Gedichte sind von gleicher Kühnheit wie Rodins Aktzeichnungen. "Die körperliche Wollust ist ein sinnliches Erlebnis, nicht anders als das reine Schauen oder das reine Gefühl", formulierte Rilke in einem seiner Briefe und fügte hinzu, in der Wollust erfahre man ein Wissen von der Welt. Ebenso wie Rodin setzte er den sexuellen Akt mit dem künstlerischen Schaffensprozess gleich und hielt die Enttabuisierung des Geschlechtlichen für längst überfällig.
Auf rund 118 Seiten wird ein intimer Rahmen für die Gedichte und Zeichnungen geschaffen. Neben dem Genuss beim Betrachten ätherischer Gestalten in erotischer Flüchtigkeit wird für den Leser, dank eines einfühlsamen Nachworts von Annette Ludwig, aus heutiger Sicht nachvollziehbar, was die beiden Künstler miteinander verband, aber auch voneinander unterschied -- bis sich ihre Lebenswege endgültig trennten: Rilke distanzierte sich zunehmend von der Haltung Rodins, die Sexualität nur auf das rein Geschlechtliche zu begrenzen.
Dieses Buch verdeutlicht, dass die Lektüre Rilkes ungeachtet aller Diskrepanzen eine fruchtbare Auseinandersetzung späterer Künstlergenerationen mit Rodin überhaupt erst ermöglichte. --Andreas Schultz
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Rainer Maria Rilke wurde als René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke am 4. Dezember 1875 in Prag geboren. Ab 1885 besuchte Rilke auf Druck der Eltern eine Militärrealschule zur Vorbereitung einer Offizierslaufbahn. Diese brach er jedoch 1891 wegen Krankheit ab. Mit Hilfe von Privatunterricht konnte er 1895 sein Abitur ablegen. Schon zu Schulzeiten begann Rilke zu schreiben. In den folgenden Jahren studierte er Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie in Prag, München und Berlin. 1896 lernte er in München Lou Andreas-Salomé kennenlernen, der er nach Berlin folgte. Mit ihr unternahm er 1899/1900 eine Reise nach Rußland und war von dem Land nachhaltig beeindruckte. Hier lernte er auch Tolstoj kennen. 1901 trennte er sich von der verheirateten Andreas-Salomé und heiratete Clara Westhoff, die Scheidung folgte allerdings schon im folgenden Jahr. Aufgrund finanzieller Engpässe nahm Rilke monographische Auftragsarbeiten an und reiste 1902 nach Paris, wo das Gedicht Der Panther entstand, das erste der „Neuen Gedichte“. Ab 1905 nahm er sein Philosophiestudium bei Georg Simmel wieder auf, lernte später auch Sigmund Freud kennen. Er unternahm Reisen nach Nordafrika, Ägypten und Spanien. Rilkes Tagebuchroman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge wurde 1910 veröffentlicht. 1919 siedelt er in die Schweiz über. In den 1920er Jahren erkrankte er an Leukämie, hielt sich wiederholt in Sanatorien auf und verstarb schließlich am 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux in der Schweiz.
Rainer Maria Rilke ist seit dem Jahr 1900 Autor des Insel Verlages, seit 1908 wird sein Werk hier nahezu geschlossen betreut. Die folgende Übersicht gibt Auskunft über die im Insel und Suhrkamp Verlag erscheinenden Rilke-Editionen: die Vielzahl der bereits vorliegenden Werk-, Einzel- und Sammelausgaben, die Briefwechsel und die Arbeiten zu Werk und Persönlichkeit des Dichters.