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Augenblicke des Daseins: Autobiographische Skizzen [Gebundene Ausgabe]

Klaus Reichert , Virginia Woolf , Brigitte Walitzek
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

2. März 2012
Die Kunst des Erinnerns: Fünf hinreißende und bewegende Skizzen aus einem schwierigen Leben
Neben ihren Tagebüchern und Briefen hat Virginia Woolf einige Memoiren hinterlassen, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren. Den ersten dieser Texte schrieb sie mit 26 Jahren, lange bevor sie als Schriftstellerin hervortrat; an dem letzten arbeitete sie bis wenige Monate vor ihrem Tod. Mit fast analytischer Genauigkeit hält sie den Zauber, aber auch die Schrecken und Abgründe ihrer Kindheit fest. Sie berichtet von der allmählichen Befreiung aus der Enge ihres viktorianisch-prüden Elternhauses und von den Anfängen der legendären "Bloomsbury Group". Nicht ohne Witz und Ironie schildert sie diesen unkonventionellen Freundeskreis aus Künstlern und Schriftstellern, der ihr Denken und Schreiben entscheidend mit beeinflusst hat.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: S. Fischer Verlag; Auflage: 1 (2. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 310092522X
  • ISBN-13: 978-3100925220
  • Originaltitel: Moments of Being
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 50.751 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 in London geboren und wuchs im großbürgerlichen Milieu des viktorianischen England auf. Ihr Leben lang litt sie unter wiederkehrenden psychischen Krisen. 1912 heiratete sie Leonard Woolf. Zusammen gründeten sie 1917 den Verlag ›The Hogarth Press‹. Ihr Haus war eines der Zentren der Künstler und Literaten der Bloomsbury Group. Am 28. März 1941 nahm Virginia Woolf sich, erneut bedroht von einer Verdunkelung ihres Gemüts, das Leben.

KKlaus Reichert,1938 geboren, ist Literaturwissenschaftler, Autor, Übersetzer und Herausgeber. Von 1964 bis 1968 war er Lektor in den Verlagen Insel und Suhrkamp, von 1975 bis 2003 war er Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Frankfurter Universität, 1993 gründete er das »Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit«. Von 2002 bis 2011 war er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er schrieb Bücher über Shakespeare, Joyce, moderne Literatur und über die Geschichte und Theorie des Übersetzens, veröffentlichte drei Gedichtbände und ein Wüstentagebuch. Er übersetzte u.a. Shakespeare, Lewis Carroll, Joyce, John Cage und das Hohelied Salomos. Er war Herausgeber der deutschen Ausgabe von James Joyce und gibt seit 1989 im S. Fischer Verlag die Werke Virginia Woolfs heraus. Bei S. Fischer erschien seine Prosaübersetzung der Sonette Shakespeares.

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Von Günter Nawe "Herodot" TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Von der englischen Herausgeberin der "Augenblicke des Dasein", Jeanne Schulkind, stammt folgende Charakteristik der hier vorliegenden skizzierten Erinnerungen der Virginia Woolf: "Die Fragmente fügen sich... zu einer sinnvollen Ordnung zusammen. Es taucht ein Muster auf, in dem sich Virginia Woolfs Auffassung des Selbst im Allgemeinen und ihres persönlichen Selbst im Besonderen so ausdrückt, wie das in einer herkömmlichen Autobiographie niemals möglich gewesen wäre. Dieses Selbst ist ein kaum faßbares Irrlicht...".

Dieses "Selbst" also "ein kaum fassbares Irrlicht", dessen sich Virginia Woolf zu vergewissern sucht. Dies geschieht in ihren Tagebüchern und Briefen und in den großartigen Romanen, die alle immer etwas mit Bewusstseinsströmen, mit Erinnern und mit der individuellen Identität der Virginia Woolf (1882'1941) zu tun haben. Dazu hat die Autorin einige Memoiren als autobiographische Skizzen hinterlassen, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren. Diese skizzierten Erinnerungen sind jetzt innerhalb der von Klaus Reichert mustergültig herausgegebenen Gesamtausgabe der Werke Virginia Woolfs erschienen.

Nicht zum ersten Mal. Bereits 1981 gab es eine deutsche Ausgabe ("Augenblicke" - nach den von Quentin Bell 1976 veröffentlichten "Moments of Being"). Die neue Ausgabe in der glänzenden Übersetzung von Brigitte Walitzek bietet jetzt den großen Vorteil umfangreicher Anmerkungen, die wesentlich zum Verständnis der Texte beitragen.

"Augenblicke des Daseins": Den ersten dieser Texte - "Reminiszenzen" - schrieb Virginia Woolf mit 26 Jahren, lange bevor sie als Schriftstellerin hervortrat; am letzten und längsten Text "Skizze der Vergangenheit" arbeitete sie bis wenige Monate vor ihrem Tod.

"Reminiszenzen" sowie die anderen Texte und Notate sind Zeugnisse von großer Unmittelbarkeit und fast analytischer Genauigkeit. Sie halten die Schrecken und Abgründe ihrer Kindheit fest. Sie erzählen von der Befreiung aus der Enge ihres viktorianisch-prüden Elternhauses. Und sie sprechen von den Erfahrungen, die das Kind und die junge Frau mit dem Tod machen musste: dem Tod der geliebten Mutter, der Stiefschwester Stella und später des Vaters. Ihnen nähert sie sich erinnernd als wesentliche "Augenblicke des Daseins". Und so begegnen sich eigenes und fremdes Leben in diesen Skizzen. Denn alles muss festgehalten werden. Manchmal fühlt sich der Leser an Marcel Proust erinnert, manchmal an James Joyce - Autoren, mit denen Virginia Woolf nicht zu Unrecht in Verbindung gebracht und verglichen wird.

Für Virginia Woolf heißt dieser Erinnerungsprozess: "Die Vergangenheit kommt zu einem nur zurück, wenn die Gegenwart so glatt dahingleitet, dass sie der Oberfläche eines tiefen Flusses gleicht. Dann sieht man durch die Oberfläche hindurch in die Tiefe." Das führt wiederum zu ganz eigenen Erfahrungen, die die Autorin macht, wenn sie schreibt. "Wie soll man beschreiben, was ich in meiner privaten Kurzschrift 'Nicht-Sein' nenne. Jeder Tag beinhaltet viel mehr Nicht-Sein als Sein". Denn alles, was während des Schreibprozesses gedacht, mitgedacht wird, gehört zu diesem Prozess. Doch längst nicht alles wird erinnert, weil "ein großer Teil des Tages nicht bewusst erlebt wird".

Wer bin ich? Virginia Woolf versucht es mit der Formel "Ich jetzt, ich damals". Eine Chiffre, die den Prozess des Erinnerns und der Veränderung durch die Erínnerung beschreibt. Es ist eine Suche nach dem Realen hinter dem Schein. "Es wäre interessant, die beiden Menschen, ich jetzt, ich damals, als Gegensatz herauszustellen. Und außerdem ist diese Vergangenheit sehr vom gegenwärtigen Augenblick beeinflusst. Was ich heute schreibe, würde ich in einem Jahr nicht schreiben." Und genau dieses Eingeständnis macht die Authentizität dieser Erinnerungen, die von ihr in ihrer Ursprünglichkeit erhalten geblieben, also von ihr nicht mehr überarbeitet worden sind, aus.

Zu diesen autobiographischen Skizzen gehören auch die "Beiträge für den Memoir Club". Virginia Woolf erzählt von der legendären "Bloomsbury Group". Nicht ohne Witz und Ironie schildert sie diesen unkonventionellen Freundeskreis aus Künstlern und Schriftstellern, der ihr Denken und Schreiben entscheidend mit beeinflusst hat. Sie schreibt von den vielen Gesprächen über Literatur und Kunst, über Sex und Liebe, über Politik und Gesellschaft. Eine wunderbare Skizze von hohem literaturhistorischem Wert - und nicht zuletzt wie alle anderen Skizzen von hohem künstlerischem Anspruch.

"Es ist die Verzückung, die ich erlebe, wenn ich beim Schreiben dahinter komme, was wohin gehört, eine Szene richtig klingen lasse; einen Charakter zusammenfüge. Davon ausgehend erreiche ich, was ich eine Philosophie nennen könnte; jedenfalls ist es eine beharrliche Idee von mir, dass sich hinter der Watte ein Muster verbirgt; dass wir - ich meine alle Menschen - damit verbunden sind; dass die ganze Welt ein Kunstwerk ist; dass wir ein Teil des Kunstwerks sind." Diese autobiographischen Skizzen sind in diesem Sinne ein großartiges Kunstwerk.

"Augenblicke des Daseins" sind Figuren, Farben, Formen, und es sind erlebte Erinnerungen und Erinnerungen, wie die Phantasie sie schafft. Virginia Woolfs "Autobiographische Skizzen" geben uns einen tiefen Einblick in Leben und Schaffen und Werk dieser großen Schriftstellerin.
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