Worum geht es in "Mit den Augen der Leopardin"? Die Autorin stellt das vor, was sie etwas hochtrabend den Kreis der Stärke nennt. Sie meint damit, daß man im Laufe seines Lebens verschiedene Abschnitte durchläuft. Mal geht es einem schlecht, mal so lala, mal hat man eine Glücksträhne erwischt, dann fängt der ganze Kreislauf von vorn an. Die Autorin illustriert diesen Gedanken zum einen mit Episoden aus ihrem eigenen Leben (und sie hat wohl eine Menge erlebt!), zum anderen eben indem sie schildert wie eine Leopardin sich in der Wildnis durchschlägt. Da tauchen Parallelen auf, die einen verblüffen. Wenn man der Leopardin zusieht, wie sie vergeblich der Beute nachhetzt, da fühlt man sich schon gern mal an 80 vergeblich abgeschickte Bewerbungen erinnert...
Und dann ist da noch ein weiteres Element, in diesem randvollen Buch: Geschichten aus dem Leben von Afrikanerinnen. Zu lesen, wie die Autorin sich in eine junge Frau hineinfühlt, die den ganzen Tag versucht, ihre selbst hergestellten Körbe auf dem Markt zu verkaufen - das hat schon was. Da fühlt man sich unweigerlich an eigene Erlebnisse erinnert. In solchen Augenblicken springt der Funke über und man sagt: Das könnte ja ich sein, die da wartet und schon froh ist, wenn mich mal jemand anlächelt! Und plötzlich versteht man, daß es nicht wirklich um Afrika oder Leoparden geht. Sondern um uns Menschen, egal wo und wie wir leben.
Außerdem gibt die Autorin praktische Ratschläge, wie sie sich in Krisensituationen verhält oder verhalten hat. Das mag manches Mal überzogen wirken und magisch, bleibt aber zumindest amüsant und kurzweilig, ja sogar anregend.
Was mich besonders angesprochen hat an "Mit den Augen der Leopardin" ist die Ehrlichkeit, mit der Frau Hilliges sich zu ihren Fehlern/Misserfolgen und sogar einer Krankheit bekennt, die ihr das Leben schwer macht. Trotzdem lies/lässt sie sich nicht unterkriegen. Ich wünsche jedem, der sich irgendwie mies fühlt, daß er/sie dies Buch in die Hände bekommt.