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Auge um Auge: Artikel zu Politik, Moral und Literatur 1945-1955
 
 
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Auge um Auge: Artikel zu Politik, Moral und Literatur 1945-1955 [Taschenbuch]

Simone de Beauvoir , Eva Groepler
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: rororo (1. April 1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499130661
  • ISBN-13: 978-3499130663
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 10,8 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 831.475 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Simone de Beauvoir
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Simone de Beauvoir war 37 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging ... Die Texte zeigen eine Essayistin mit scharfem Unterscheidungsvermögen, eine schlagfertige Polemikerin, eine Schriftstellerin, die entschlossen ist, nach "einem Krieg, der alles in Frage gestellt hatte ... Regeln und Grundlagen zu überprüfen". Ob ihr Blick in die Vergangenheit oder in die Zukunft gerichtet ist, es geschieht stets im gleichen kämpferischen Geist - und erst recht dort, wo sie für ihre eigene Gegenwart neubezogene Positionen beschreibt und verteidigt." (Hanns Grössel, Die ZEIT)

Über den Autor

Geboren am 9.1.1908 in Paris. Ihre ursprünglich wohlhabenden Eltern lebten nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund von Fehlspekulationen unter wenig üppigen Verhältnissen in der Rue de Rennes. Mit fünfeinhalb Jahren kam Simone an das katholische Mädcheninstitut, den Cours Désir, Rue Jacob; als Musterschülerin legte sie dort den Baccalauréat, das französische Abitur, ab. 1925/26 studierte sie französische Philologie am Institut Sainte-Marie in Neuilly und Mathematik am Institut Catholique, bevor sie 1926/27 die Sorbonne bezog, um Philosophie zu studieren. 1928 erhielt sie die Licence, schrieb eine Diplomarbeit über Leibnitz, legte gemeinsam mit Merleau-Ponty und Lévi-Strauss ihre Probezeit als Lehramtskandidatin am Lycée Janson-de-Sailly ab und bereitete sich an der Sorbonne und der École Normale Supérieure auf die Agrégation in Philosophie vor. In ihrem letzten Studienjahr lernte sie dort eine Reihe später berühmt gewordener Schriftsteller kennen, darunter Jean-Paul Sartre, ihren Lebensgefährten seit jener Zeit. 1932-1936 unterrichtete sie zunächst in Rouen und bis 1943 dann am Lycée Molière und Camille Sée in Paris. Danach zog sie sich aus dem Schulleben zurück, um sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Zusammen mit Sartre hat Simone de Beauvoir am politischen und gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit stets aktiv teilgenommen. Sie hat sich, insbesondere seit Gründung des MLF (Mouvement de Libération des Femmes) 1970, stark in der französischen Frauenbewegung engagiert. 1971 unterzeichnete sie das französische Manifest zur Abtreibung. 1974 wurde sie Präsidentin der Partei für Frauenrechte, schlug allerdings die «Légion d'Honneur» aus, die ihr Mitterrand angetragen hatte. Am 14.4.1986 ist sie, 78-jährig, im Hospital Cochin gestorben. Sie wurde neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt.

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Von M. Thomas TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
"Auge um Auge" lautet der biblische Titel der Sammlung politischer Artikel von Simone de Beauvoir. Die Stücke wurden in den Jahren zwischen 1945 und 1955 in der Zeitschrift "Les Temps Modernes" veröffentlichte, die Jean Paul Sartre, der Lebensgefährte von Simone de Beauvoir, gründete.

Im ersten Artikel prallen die Begriffe Moral und Politik aufeinander. Bereits vor mehr als 2500 Jahren inszenierte Sophokles den Kampf zwischen dem Idealisten, verkörpert durch die Person der Antigone, und dem Realisten, dargestellt am Beispiel des Königs Kreon. Gewinnen konnte schon zu jener Zeit keiner, der beiden. Aller Politik erscheint die Moral als leeres Gerede: "das herrschende Gesetz ist die Stärke". Die Moral hingegen ist ihrerseits in Verruf geraten, nicht erst seitdem wir aus der Tagespresse entnehmen dürfen, wie korrupt manch ein Politiker oder Manager ist, der in der Öffentlichkeit den Moralapostel spielte.

Wäre es nicht ehrlicher, sich offen zum Machiavellismus zu bekennen, fragt sich das verärgerte Publikum. Simone de Beauvoir widerspricht: "Moralisch sein heißt versuchen, unser Sein zu begründen". Sie erklärt, dass Realismus nicht ohne Idealismus auskommt: "Dann wird die Moral ihr wahres Gesicht finden; sie ist nichts anderes als die konkrete Handlung". Politik ist in die Zukunft gerichtet und orientiert sich an der Gesamtheit, während die Moral den Einzelnen und die Gegenwart betrifft. Leben findet nun einmal hier und heute statt und "die Zerrissenheit ist des Menschen Los, der Preis für seine Anwesenheit auf der Welt", resümiert de Beauvoir.

Der zweite Artikel entgegnet dem Vorwurf, der Existentialismus verkenne "die Größe des Menschen und schildere nur sein Elend". Simone de Beauvoir entkräftet die Vorwürfe, indem sie zeigt, dass die menschliche Misere nicht neu ist. "Jeder ist sich selbst der Nächste", lautet ein altes Sprichwort. Egoismus und Nützlichkeitsdenken bestimmen unser Handeln und werden von Religion und Scheinmoral nur dürftig kaschiert. Der Existentialismus fordert den Menschen auf, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht der Bequemlichkeit hinzugeben. "Wenn der Existentialismus beunruhigt, liegt das also nicht daran, dass er am Menschen verzweifelt, sondern dass er von ihm eine permanente Anstrengung verlangt".

Der Artikel "Auge um Auge", nach dem das Buch benannt wurde, greift die Frage auf, nach welchen Kriterien eine Gesellschaft strafen sollte. Rache und Wut sind schlechte Ratgeber und Barmherzigkeit und Verzeihen sind eine Tugend. Dem Dilemma, dass eine Gesellschaft verstehen kann aber nicht unbedingt verzeihen darf und ein Richter objektiv Recht sprechen kann, aber der Leidenschaft des Augenblicks nicht gerecht werden kann, muss sich die Gesellschaft jeden Tag aufs Neue stellen.

Ist die Einbindung von strengem, logisch-philosophischem Denken in die subjektive Erzählwelt des Romans möglich? Diese Frage bejaht Simone de Beauvoir in dem Artikel "Literatur und Metaphysik" und führt als gelungenen Beweis die metaphysischen Romane von Dostojewski und Kafka: "Ein richtig geschriebener, richtig gelesener metaphysischer Roman enthüllt die Existenz, wie es keine andere Ausdrucksweise vermag".

Der abschließende Beitrag "Rechtes Denken, heute" analysiert das konservative Denken zwischen dem ersten Weltkrieg und der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Spenglers Untergangsmetaphorik löste im bürgerlichen Denken Angst aus. Valéry schrieb: "Unsere Zivilisation hat soeben entdeckt, dass sie sterblich ist". Zu dieser Angst gesellte sich Nietzsches Hoffnung einer Idee der ewigen Wiederkehr. Einer Elite, gelenkt von einem charismatischen Führer, bleibt es vorbehalten, die Kulturwelt zu retten. Das objektive Werk des Führers ist belanglos. Die Menschenmasse wird verachtet. Spengler bezeichnet sie als ein Nichts; Max Scheler tituliert sie gar als Bestie.

Der Konservativismus lehnt das Methodenwissen ab und liebt die dunklen Chiffren und Symbole der Esoterik und der Mystik. Diese erlauben ihm eine Flucht aus der Realität in die Transzendenz, in das Innere und in die Vergangenheit. Die Natur wird verheiligt und das Leben verachtet: "Vanitas vanitatum. Asche bist du, und zur Asche sollst du zurückkehren".
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