Ich bin hin- und hergerissen: auf der einen Seite bin ich selbst Geocacher und freue mich, dass kein Muggle ein Buch geschrieben hat, sondern "einer von uns". Auf der anderen Seite hätte ich mich geärgert, wenn ich das Hörbuch nicht geschenkt bekommen, sondern selbst gekauft hätte. Aber nun zu den Details:
Bernhard Hoëckers Markenzeichen ist sein großes Allgemeinwissen, was bei "Genial daneben" oft ernsthaft bewiesen wurde. Zugleich spielt er, notgedrungen, mit einer immensen Portion Überheblichkeit, was aber daran liegt, dass er weder gut aussieht, noch Nerds beliebte Mitmenschen sind. Das alles weiß man, wenn man "Hoëcker" kauft.
Inhaltlich erklärt Hoëcker Geocaching im Prinzip für Muggle, was nicht verwunderlich ist, denn davon gibt es eben mehr als von uns. Da sich Hoëcker gesagt hat, "Hey, jetzt verbrate ich mein Hobby auch noch kommerziell zu einem Erfolg, weil ich als freiberuflicher Künstler eben alles nehmen muss, was geht", ist dieses Buch und Hörbuch dabei herausgekommen. Das verzeihe ich ihm.
Blöd nur, dass das ganze echt überflüssige Längen hat: Dieses Mittelaltergelaber und dieses endlose Geschwurbel am Fluß in den Bergen in Alpen in Österreich (auch acht Mal betont, um an den Absatzmarkt "Österreich" zu denken und zu "streicheln", wie durchschaubar!) hätte er sich komplett sparen können.
Einige Rezensenten hier wiesen auf die irre Hardrockmusik vor jedem Kapitel hin: Ätzend. Hört man dieses Hörbuch im Auto während der Fahrt, ist man jedes Mal kurz davor, das Lenkrad zu verreißen. Auf der CD-Hülle sollte eine fette Warnung angebracht werden im Stil von: "Tobi hat seinen Job nicht gut gemacht und sich unpassende, gefährliche Musik als Kapitelteiler ausgedacht!". Das Interview am Ende: Man hört ganz genau, dass die Sprecherin die Fragen allein im Studio eingelesen hat (im Stil der U-Bahn-Ansagen von Berlin), und Hoëcker dann in der Antwort immer so getan hat, als sei es eine echte Unterhaltung und nicht ein zusammengeschnittenes Gespräch: absolut lächerlich.
Dieses Produkt erhält drei ehrliche Sterne, denn ich finde ja gut, wenn Geocaching bekannter wird. Dass Hoëcker nicht darauf eingeht, dass man Benzin verfährt, längst nicht alle Geocacher echte Naturliebhaber sind und das Hobby auch massive negative Seiten hat, sei auch verziehen, weil es ja keine wissenschaftliche Analyse ist. Ich verschenke dieses Hörbuch gern an Muggle, die ich zu Geocachern machen möchte, weil es schön alles erklärt, werde es aber selbst nicht noch einmal hören.