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Aufzeichnungen aus einem Totenhaus
 
 
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Aufzeichnungen aus einem Totenhaus [Gebundene Ausgabe]

Fjodor M. Dostojewski , E. K. Rahsin
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 880 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 8 (1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492028780
  • ISBN-13: 978-3492028783
  • Größe und/oder Gewicht: 19,7 x 12,4 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 3.462.419 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Fjodor M. Dostojewski wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren und starb am 9. Februar 1881 in St. Petersburg. Bereits sein Erstlingswerk »Arme Leute« (1846) machte ihn berühmt. 1849 wegen angeblich staatsfeindlicher Aktivität im Petraschewski-Kreis zum Tode verurteilt, dann zu vier Jahren Zwangsarbeit in Sibirien begnadigt. 1859 Rückkehr nach St. Petersburg. Ab 1862 mehrere Reisen nach Westeuropa, jahrelange Aufenthalte vor allem in Deutschland und in der Schweiz. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug

Unser Gefängnis lag ganz am Rande der Festung, dicht am Festungswall. Zuweilen lugte man so durch die Zaunspalten in Gottes weite Welt: wirst du dort nicht irgend etwas erblicken? - doch was man erblickte, war immer nur ein Stückchen Himmel und der mit Steppengras bewachsene hohe Erdwall, auf dem nur die Schildwachen Tag und Nacht patrouillieren; und gleich darauf denkt man, daß Jahre vergehen werden, du aber immer noch so an den Zaun treten wirst, um wieder durch die Spalten zu lugen, und immer denselben Wall, dieselben Schildwachen und dasselbe kleine Stückchen Himmel sehen wirst, nicht diesen Himmel, der über dem Gefängnis ist, sondern jenen anderen dort, den fernen, den freien Himmel.

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40 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der wunderbare Dünndruckband enthält neben einem der berühmtesten Werke der Weltliteratur, den "Aufzeichnungen aus einem Toten Haus" noch die Erzählungen
-Njetotschka Neswanowa
-Eine dumme Geschichte
-Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke.
Das Buch ist eine Neuausgabe der klassischen Piper-Dostojewskiausgabe aus den Jahren 1920 -1926 in der sehr angesehenen Übersetzung von Frau Rahsin, die heute allerdings stellenweise ein wenig altertümlich wirkt.

Das Kernstück des Bandes sind die "Aufzeichnungen", der autobiographische Bericht über die Zeit des Dichters im sibirieschen Zuchthaus. Dostojewski wurde am 23.4.49 mit 27 Jahren wegen "Beteiligung an verbrecherischen Absichten" verhaftet. Am 22.12. 49 sollte das Urteil durch Erschießen öffentlich vollstreckt werden. Auf dem Schafott "begnadigte" der Zar die Aufrührer zu Zuchthaus und Arbeitslager. Am Weihnachtsabend 1850 ging es im offenen Schlitten auf eine vierwöchige Reise nach Omsk in Sibirien.
Die Erfahrungen im Zuchthaus werden von Dostojeweski sehr eindringlich beschrieben. Man erhält einen lebendigen Eindruck der grauenhaften Bedingungen. Nicht nur die Hygiene der damaligen Zeit, die Willkür der Aufseher, die täglichen Bestechungen, um sich das Leben ein wenig einfacher zu machen, nicht nur diese allgemeinen Eindrücke machen das Buch schon lesenswert. Es ist auch die psychologische Studie des Adelsmannes, der unter Mördern und Dieben leben muß, die feinen Grenzen der Stände und die durch die Lagerhaft erzwungenen Gemeinsamkeiten. Der Liebhaber der Werke Dostojeweskis findet in diesem Werk von 1861 alles, was sich später in den großen Romanen wiederfindet.

Die Mutter aller Zuchthausbücher (Vorbild für Tschechovs Bericht von der Insel Sachalin, Solschenizins Archipel Gulag) ist auch unter zwei weiteren Gesichtspunkten interessant:
So grausam der Zuchthausaufenthalt für Dostojewski war und so ungerecht (er hatte lediglich einen aufrührerischen, gesellschaftskritischen Brief vorgelesen), so bewirkte die Strafe tatsächlich das, was sie sollte, nämlich eine "Besserung" der Insassen. Dostojewski, vorher noch Sozialist und zumindest regimekritisch, wurde nach seiner Entlassung entschiedener Gegner aller westlichen Modernisierungsideen, hieß den Zar und die orthodoxe Kirche gut und kehrte selbst tiefreligiös an seine Arbeit zurück.
Der zweite wichtige Aspekt ist das gesellschaftliche Entsetzen bis in die Regierungskreise hinein, als dieser unter den Augen der zaristischen Zensur erschienene Tatsachenbericht monatsweise in Zeitschriften veröffentlicht wurde. Er führte zu einer Änderung der Verhältnisse.

Die beigelegten drei Erzählungen -immerhin noch einmal rund 400 Seiten- sind vor allem unter der Entwicklung des schriftstellerischen Werdens des Dichters interessant. Sie betreffen die Schaffensperiode vor und nach der Verhaftung, sind also mit der Angst vor der Zensur im Nacken geschrieben. Sie enthalten hochinteressante psychologische und gesellschaftskritische Studien, die für den Liebhaber Dostojewskis Preziosen, aber sicherlich nicht so spannend zu lesen sind, wie die Zuchthausbeschreibung.

Die Amazonredaktion hat es sich beim "Reinlesen" ein wenig einfach gemacht und den Anfang des Buches abgedruckt. Wer sich das Buch nicht virtuell kauft, sondern in einer Buchhandlung möglicherweise erst einen kurzen Blick hereinwerfen möchte, sollte dies auf S. 183 tun:" Als wir die Tür zur eigentlichen Badestube aufmachten, glaubte ich, die Hölle vor mir zu sehen. Man stelle sich eine Stube von ungefähr 12 Schritte Länge und gleicher Breite vor, in der vielleicht 100 Menschen eingesperrt sind...Ein Dampf war in dem Raum, daß es einem Dunkel vor den Augen ward, dazu Qualm, Schmutz und eine Enge, die keinen Fuß breit Platz zeigte..."

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von bni
Format:Taschenbuch
An dieser Stelle ein paar Worte zum "Totenhaus" im Allgemeinen. Wer einen Knastroman nach Massstäben heutiger Zeit sucht, der wird durch dieses Buch nicht befriedigt. Es handelt sich eher um eine Gesellschaftsschilderung im Mikrokosmos eines sibirischen Zwangsarbeitslagers im zaristischen Russland. Es werden die lagerinterne Mikroökonomie, die täglichen Abläufe und speziell die Charaktertypen der Insassen ausführlich dargestellt. Die Verbrechen selber werden grösstenteils eher von einem distanzierten Standpunkt geschildert. Das ganze natürlich in der besonderen russischen Erzählweise und nicht im geringsten brutalisiert. Insgesamt entwirft der Roman fast ein kleines Knastidyll und verschont den Leser gekonnt vor emotionaler Erregung und Parteinahme. Die im Roman geschilderte Badehausszene könnte man sogar als einen literarischen Glanzpunkt bezeichnen. Darüber hinaus ist das Buch ein überaus interessantes Dokument zur Bestrafungskultur im zaristischen Russland des 19.Jh, welche sich als unvermutet liberal darstellt.
Das Buch ist wohl eher Lesern zu empfehlen, die schon ein bischen Erfahrung mit russischen Erzählern haben. Es ist gut geeignet sich einen Bild von der russischen Volksseele und dem Verbrechensbegriff dieser Zeit zu schaffen.
Vier, eigentlich dreieinhalb, Sterne - weil in diesem Literaturbereich, nicht zuletzt zu Gunsten des Autors, noch Platz nach oben nötig ist.
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