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Produktinformation
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Bereits beim Ankommen wird eines klar: Die Frau, die einen missglückten Selbstmordversuch hinter sich hat, die Trost sucht und erschöpft ist, findet hier alles andere als Ruhe. Sie muss kämpfen. Als Dritte-Klasse-Patientin muss sie sich gegen die besser situierten Damen behaupten, als eine, die noch keine drei Suizide hinter sich hat, muss sie sich ihre Berechtigung für diesen Ort erst erwerben. Und die Tatsache, dass sie aus armen Verhältnissen kommend schreibt und vorgeblich nicht aus einer unglücklichen Liebe hier ist, macht ihr das Leben bei den Schwestern und Patientinnen auch nicht leichter. Solange sie noch mit Sie und Fräulein angesprochen wird, hat sie eine gefährliche Grenze noch nicht überschritten. Folglich scheint ihr ganzes Streben am Anfang dahin zu gehen, als Gast und nicht Dazugehöriger der Irrenanstalt zu gelten. Sie ist sich jedoch immer bewusst, dass es sich um eine permanente Gratwanderung handelt: zwischen dem Wohltun der Schwestern und ihrem Hass, zwischen dem Wunsch, wirklich verrückt zu sein und dem Davon-Träumen und Damit-Spielen. Ein Grund für ihr Leiden, aber eben nur einer wird am Ende noch preisgegeben die unerfüllte Liebe zu einem Arzt.
Christine Lavant wurde 1915 als neuntes Kind einer Bergarbeiterfamilie im Kärtner Lavanttal geboren. Sie lebte auffallend zurückgezogen; korrespondierte aber mit Dichtern wie Thomas Bernhard, Paul Celan u.a. Sie schrieb Lyrik und Prosa und erhielt zahlreiche Auszeichnungen: zweimal den Georg-Trakl-Preis für Lyrik und den Großen Staatspreis für Literatur. Christine Lavant starb 1973.
Evamaria Salcher liest die Aufzeichnungen. Unprätentiös, aber bestimmt vermittelt sie die Beobachtungen. Es gelingt ihr, die Verletzungen, die Todessehnsucht oder zumindest die Sehnsucht, im Irrenhaus für immer bleiben zu können, glaubwürdig darzustellen. Die Wiener Schauspielerin, die seit 1998 in Deutschland arbeitet und zum Ensemble des Mannheimer Schauspiels gehört, ist eine ideale Besetzung für die authentische, textliche Vorlage. Lesung, Spieldauer: ca. 175 Minuten, 3 CD. -- culture.text
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wahrscheinlich die beste Prosa-Arbeit von C. Lavant,
Rezension bezieht sich auf: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus (Taschenbuch)
In unglaublich dichter und bewegender Prosa erzählt Christine Lavant von ihrem (?) freiwilligen Aufenthalt im "Irrenhaus". Die Patientinnen, die Pflegerinnen, Besucher, der Arzt, alle sind reale Akteure aus Fleisch und Blut, keine bloßen "Figuren". Vor dem Hintergrund unmenschlicher Bedingungen für die Patientinnen Ende der 30er-Jahre in einem Provinzspital für Geisteskranke, entwickelt Lavant bewegende menschliche Szenen und Innenwelten. Lavant, die das Buch aus persönlichen Motiven nie veröffentlichen wollte, hat damit wahrscheinlich ihre beste Prosa-Arbeit geschrieben. Zum Glück ist sie erhalten geblieben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als Lesenswert,
Von Ricarda Ohligschlaeger "Herzgedanke" (Dormagen) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus (Broschiert)
Dieses Buch ist mehr als Lesenswert. Gerade verletzlich scheint die Hauptfigur - die nicht ans Ziel gekommene Selbstmörderin (Seite 44) - und kindlich unschuldig.Gleichzeitig berühren diese Zeilen so sehr durch Rohheit und die durchaus chaotische Gedankenwelt. Befasst sich die Hauptfigur in einem Textabschnitt noch mit der Wirkung ihrer Tat auf Familienmitglieder so resigniert sie später. Die Mitpatienten werden charakterlich und ihrem Verhalten entsprechend bewertet allerdings nur oberflächlich, dafür aber ausreichend und klar. Über das Werk im Allgemeinen findet man noch einige interessante Informationen im letzten Drittel. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Einblicke,
Von Beate (Wesel) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus (Broschiert)
In der Nazi-Zeit -so erfährt der Leser in dem informativen Nachwort- galten "Schreibende" und psychisch Kranke als auffällig.Dennoch scheute sich die 1915 geborene Österreicherin Christine Lavant nicht, ihre Erfahrungen in einem Irrenhaus festzuhalten. Aufzeichnungen belegen, dass die mehrfache Preisträgerin als 20-Jährige nach einem Suizidversuch sechs Wochen in der "Landes-Irrenanstalt Klagenfurt" verbrachte. Sachlich und offen berichtet die Autorin über das Leben und Leiden hinter Gittern und in grauer, gestreifter Anstaltskleidung. Christine Lavant schildert in einfachen, klaren Sätzen das Miteinander von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal. Sie spricht über ihre Zweifel an der Arsen-Behandlung, sowie über ihre Ängste, nach der Entlassung aus der Anstalt im Dorf als "Die Verrückte" zu gelten. In diesem insgesamt lesenswerten Buch habe ich ein wenig die Emotionen der Kranken vermisst. Den Einblick in ihr Seelenleben verwehrt Frau Lavant ihren Lesern. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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