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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
 
 
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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch [Gebundene Ausgabe]

Fjodor Dostojewski , Hermann Röhl
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 191 Seiten
  • Verlag: Anaconda (1. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866473079
  • ISBN-13: 978-3866473072
  • Originaltitel: Sapiski is podpolja
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 110.112 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Fjodor Michailowitsch Dostojewski
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Der einzige Psychologe ... von dem ich etwas zu lernen hatte", schrieb Friedrich Nietzsche über Fjodor Dostojewskij, dessen "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" ihn elektrisierten. Die Taktschläge, mit der das 19. Jahrhundert die erhabenen Ideale von Aufklärung und Freiheit mit den progressiven Gedanken von technischem Fortschritt und evolutionärer Vervollkommnung versöhnen wollte, klangen in den Ohren der beiden hohl, der Optimismus ihres Zeitalters schal. Ihm setzten sie eine unerbittliche Infragestellung des menschlichen Bewußtseins und seiner Freiheit entgegen, sie sahen in all dem Fortschritt nur die Reduzierung auf eine tote Formel. So sieht auch der Antiheld der "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" in seiner ans Absurde grenzenden Selbstbehauptung den einzigen Weg, sich seiner Freiheit zu versichern. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

In den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch - von Nietzsche als »Wahrer Geniestreich der Psychologie« bezeichnet - stellt sich ein kranker, verbitterter »Einzelner«, der seine Existenz in einer erbärmlichen Petersburger Kellerwohnung fristet, gegen die von der Utopie des »Kristallpalastes« und des kollektiven Glücks beherrschte fortschrittsgläubige Ideologie eines Jahrhunderts, verteidigt das Recht auf Freiheit gegen das Diktat einer alles beherrschenden »Vernunft«. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
"Ich bin ein kranker Mensch. Ich bin ein böser Mensch. Ein abstoßender Mensch bin ich" (7). So stellt sich der namenlose Erzähler von Fjodor Dostojewskijs Novelle "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" vor. Und eine angenehme Person scheint dieser Zeitgenosse wirklich nicht zu sein. Im ersten Teil der Aufzeichnungen zieht der Erzähler über alle Errungenschaften des 19. Jahrhunderts her und lässt auch kein gutes Haar an der Spezie des Menschen: "Ich schwöre ihnen, meine Herrschaften, daß zuviel Bewußtsein - eine Krankheit ist, eine richtige, regelrechte Krankheit" (11). Und nur wenig später fügt er hinzu: "Kann denn ein bewußter Mensch sich überhaupt noch irgendwie achten?" (21) Aus all diesen Gründen hat sich unser Misanthrop vor 40 Jahren entschlossen, sein Dasein allein in einem Kellerloch zu fristen, um sich dem widerlichen Menschengeschlecht zu entziehen. Die Beweggründe für diese Entscheidung skizziert er in seinen Aufzeichnungen.

Der zweite Teil "Bei nassem Schnee" beschreibt ein Schlüsselerlebnis des Erzählers aus jungen Jahren. Zufällig trifft er ein paar Schulbekannte wieder und lädt sich quasi selbst zu einem Abschiedsfest eines von ihnen ein. Der Abend gerät zu einer einzigen Demütigung. Durch sein egomanisches Verhalten bringt er die gesamte Gruppe gegen sich auf und wird schließlich allein zurückgelassen. Frustriert und im Suff sucht er ein Bordell auf, um seine Wut an einer Prostituierten auszulassen. Sein Opfer ist die zwanzigjährige Lisa und ihr gegenüberstehend empfindet der Erzähler plötzlich "die Gier nach Macht und Besitz. In meinen Augen flackerte die Leidenschaft, und ich drückte fest ihre Hände. Wie haßte ich sie, und wie zog es mich in diesem Augenblick zu ihr hin" (140). Doch Lisa zeigt ihm schließlich, was wahre moralische Größe bedeutet und führt ihm somit seine eigene Armseligkeit vor Augen.

"Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" ist vor "Verbrechen und Strafe" erschienen. Und in der Tat lassen sich in dem Erzähler bereits Grundzüge des späteren Antihelden Raskolnikov erkennen. Dostojewskijs Fähigkeit, die Psyche eines Menschen mit literarischen Mitteln zu sezieren, bleibt bis heute unerreicht.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Dieses kleine Buch, welches ich eigentlich nur zu lesen begann weil mich Nietzsches Kommentar auf der Rückseite aufmerksam werden ließ, hat mich mehr zum Nachdenken gebracht als sämtliche andere Bücher, die ich bislang las.

Die Geschichte, so übertrieben sie mir auf den ersten Seiten auch schien, fesselte mich immer mehr und ließ mich langsam aber sicher überall Parallelen erkennen, bei mir als auch bei anderen Menschen in meinem Umfeld.

Natürlich will niemand diese bösen Wahrheiten bei sich erkennen, die Dostojewski in aller Härte schildert, dennoch ist es ein sehr spannender Weg auf welchen man sich begibt, wenn man sich auf dieses kleine Büchlein einlässt, ein Weg, dessen Ende ich bislang noch nicht kenne.

Wer glaubt, sich selbst zu kennen, doch gerne einen zweiten Blick von außen nehmen möchte, dem empfehle ich dieses Buch von ganzem Herzen, obgleich ich glaube, dass man dieses Buch mehr als eine Parabel als eine Schilderung von Tatsachen betrachten sollte.

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Da sitzt einer in einem Kellerloch und hält eine Brandrede gegen Fortschritt als Menschheitsziel und Glücklichsein als Lebenszweck. Es ist eine große Verweigerung den sozialen und humanen Ideen gegenüber, ein Plädoyer für das Individuum, das sich auch in Not und Elend in seiner Individualität behauptet, ja gerade erst durch diese Erfahrungen zu seiner Individualität findet. In psychologischer (nicht chronologischer) Hinsicht ist die Rede des Kellerlochmenschen gewissermaßen eine Antwort auf die Rede des Großinquisitors aus den Brüdern Karamasow. Der Großinquisitor steht für alles, was dem Kellerlochmenschen verhasst ist: Das Glück des Brotes, das Glück der Unfreiheit, das Glück der sinnstiftenden, kollektiven Ordnung. Der Kellerlochmensch lehnt all das ab, aber nicht im Namens eines anderen, anspruchsvolleren, besseren Glücksmodells, sondern weil er das stille Glück selbst als Lebensziel ablehnt:

"Denn vielleicht liebt der Mensch nicht allein die Glückseligkeit? Vielleicht liebt er im gleichen Maße auch das Leiden? Vielleicht ist für ihn das Leiden ebenso vorteilhaft wie die Glückseligkeit? Und zuweilen liebt der Mensch das Leiden fürchterlich, bis zur Leidenschaft. (...) Indessen bin ich davon überzeugt, dass der Mensch auf wirkliches Leiden, das heißt auf Zerstörung und Chaos, niemals verzichten wird."

Solche Gedanken standen schon im Zeitalter Dostojewskijs im Widerspruch zum humanistisch-sozialistischen Zeitgeist, galten als rückständig, politisch reaktionär, religiös verbrämt. Heutzutage käme wohl noch eine psychopathologische Klassifizierung hinzu. Wer das Glück der Herde so brüsk ablehnt, kann nicht ganz normal sein. Aber gerade das kann und will der Kellerlochmensch ja nicht sein. Er bezieht seinen Grenzposten, das Kellerloch und beunruhigt uns mit seinen Gedanken über Freiheit und Glück.

Der zweite, deutlich längere Teil der "Aufzeichnungen" gibt eine Episode aus dem Leben des Kellerlochmenschen wieder. Bevor er Philosoph im Kellerloch wurde, war der Kellerlochmensch Kanzleibeamter. Und schon damals ein Außenseiter, ein schwieriger, von Selbstzweifeln geplagter Mensch. Ein Abendessen mit ehemaligen Klassenkameraden wird zu einem Fiasko. Was immer er bei seinen Kameraden gesucht haben mag, er erhält Demütigungen und Erniedrigungen. Anschließend besucht er ein Freudenhaus und trifft dort auf die Prostituierte Lisa. Und hält ihr eine flammende Rede gegen die Prostitution. Für einen Augenblick sieht es so aus, als könnten die beiden Außenseiter einander retten. Aber der Kellerlochmensch ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt und im Grunde unfähig, sich einem anderen Menschen emotional zu nähern. Es ist die Geschichte von einem, der sich nicht in den Strom des Lebens und Liebens einfügen kann und will, der darunter leidet und doch seinem Leiden einen Sinn abringen will. Und sei es auch nur als Philosoph im Kellerloch.
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