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Monsieur Guys Reisen: Nach China ("Shenzhen", 2006) und Nordkorea ("Pjöngjang", 2007) verarbeitet Guy Delisle mit "Aufzeichnungen aus Birma" zum dritten Mal einen Aufenthalt in Ostasien zu einem Comic-Tagebuch. Neu ist: Delisle ist nicht mehr im Auftrag der Trickfilmindustrie unterwegs, um Filmproduktionen im Billiglohnland zu überwachen, er begleitet seine Frau, die für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, hütet den neugeborenen Sohn und lebt ansonsten das privilegierte, etwas gelangweilte Leben des Devisenbringers in einer Diktatur. Keine Frage, "Aufzeichnungen aus Birma" ist härter als die vorangegangenen Reiseberichte. Härter, weil hier auch die eigene Figur nicht geschont wird, härter, weil die Fronten an keiner Seite klar sind. Wer ist hier der Böse? Die Regierung, von der man nicht einmal sagen kann, ob sie kommunistisch, kapitalistisch, klerikal oder nationalistisch ist? Die westlichen Firmen, die fröhlich in dem ölreichen Land investieren? Die Hilfsorganisationen, die das Regime stützen? Eine hässliche Position hat Delisle als vorgeblich unbeteiligter Beobachter eingenommen, was zeichnerisch zur Reduktion bis zum Minimum führt. Übrig bleibt ein selbstgefälliger Westler mit Bauchansatz, der eine kindliche Freude daran hat, im Flugzeug beim Piloten sitzen zu dürfen und seinem Sohn die Muttermilch wegzutrinken. Erschreckend. (fis)
Kurzbeschreibung
Mehr als ein Jahr weilte Guy Delisle mit seiner Familie im südostasiatischen Birma, das offiziell eigentlich Myanmar heißt. Während seine Frau dort für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, erfährt Guy Delisle die politische und soziale Realität des von einer geächteten Militärjunta beherrschten Landes. Als er die Gelegenheit erhält, birmesischen Künstlern Unterricht in Trickfilmanimation zu geben, erschließt sich ihm ein ganz persönlicher Einblick in das Leben und Leiden der einfachen Bevölkerung. Auf fast dreihundert Seiten entstehen so Aufzeichnungen aus einem familiären Mikro- und einem birmesischen Makrokosmos.
Über den Autor
Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, studierte plastische Kunst in Toronto. Von 1986 bis 1988 arbeitete er für das Zeichentrickstudio CinéGroupe in Montréal, anschließend ging er nach Europa und zeichnete für Studios in München, Berlin und Valencia. Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, studierte plastische Kunst in Toronto. Von 1986 bis 1988 arbeitete er für das Zeichentrickstudio CinéGroupe in Montréal, anschließend ging er nach Europa und zeichnete für Studios in München, Berlin und Valencia. Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.