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Aufwärts ohne Ende? Die neue Theorie des Reichtums
 
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Aufwärts ohne Ende? Die neue Theorie des Reichtums [Taschenbuch]

Paul C. Martin
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 476 Seiten
  • Verlag: Wirtschaftsverlag (April 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3784472273
  • ISBN-13: 978-3784472270
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 4,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 325.657 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Larry
Format:Broschiert
Dieses Buch kam (in der Hardcover-Version) etwa ein Jahr nach dem Börsencrash von 1987 raus, als sich abzeichnete, dass besagter Crash nur ein kurzer Unterbruch mitten im gewaltigsten Bullenmarkt der Geschichte war und nicht der Anfang einer langen Baisse und deflationären Depression, wie der Autor es zuerst erwartete und in seinen 2 vorigen Büchern prognostizierte. Deshalb fängt das Buch mit einem Widerruf seiner ursprünglichen Crash-Prognose an. Nicht widerrufen aber hat er seine Wirtschaftstheorie, "Debitismus-Theorie" genannt, wonach der Kapitalismus nicht auf dem Tausch beruht, sondern einem permanenten Schuldendruck, aufgrund der Tatsache, dass Geld nur als Schuld entsteht und das Geld für die Finanzierungskosten (Zins) immer fehlt, es also immer einer Neuverschuldung bedarf (s. "Der Kapitalismus. Ein System, das funktioniert").

Seine Diagnose der damaligen Wirtschaftslage (welche freilich immer noch für heute gilt, mehr denn je!) ist ernüchternd:

"Der Kapitalismus ist seit Beginn der 1980er Jahren **insolvent**. Denn die Schulden steigen schneller als das, womit sie bezahlt werden können.
Also endet die gesamte weltwirtschaftliche Veranstaltung in der **Illiquidität**." (S. 309)

Der Trick, mit dem der Totalkollaps bis heute verhindert werden konnte, ist das Conto pro Diverse (CpD) "Staat": Statt die Privatwirtschaft pleitegehen zu lassen, macht der Staat immer mehr Schulden und verzögert somit die Stunde der Wahrheit. Dabei werden diese Schulden von den Gläubigern, also vom Privatsektor, als Guthaben gebucht, was nichts anderes heisst: Je mehr der Staat Schulden macht, desto reicher fühlen sich die Sparer. Somit wäre auch erklärt, wie es zum grössten Börsenboom der Geschichte gekommen ist: Es wurde mit **Falschgeld** gezahlt, denn das Geld, das via Staatsschulden entsteht, entspricht keinerlei Mehrproduktion, also keinem zusätzlichen objektiven Reichtum und vor allem: es wird niemals zurückgezahlt werden (so wie auch früher Staatsschulden nur im Ausnahmefall zurückbezahlt wurden). Unsere Konjunktur, unser Wohlstand, beruht nur noch auf **Betrug** und **Illusion**. Erstaunlich ist somit nicht die Krise, die 2008 ausgebrochen ist, oder das "verlorene Jahrzehnt" an der Börse, sondern viel mehr, dass es solange gedauert hat und immer noch nicht ganz klar ist, wie lange es noch weiter gehen wird (obwohl sich mittlerweile die Grosswetterlage doch erheblich getrübt hat).

Das Buch erklärt weshalb die Reichen immer reicher werden, der Stress in der Wirtschaft ständig zunimmt, Umwelt und Menschen immer mehr unter Druck kommen (mit entsprechenden Konsequenzen auf die Gesundheit), der technologische Fortschritt sich immer mehr beschleunigt, immer schönere und höhere Gebäude gebaut werden, Hochkulturen entstehen und immer wieder untergehen (müssen) und natürlich, warum die Staatsverschuldung immer mehr zunimmt und nie und nimmer sinken darf. Besonders interessant sind die zahlreichen Zitaten aus Geschichtsbüchern über äusserst ähnliche Zustände und Abläufe in der Antike, im Mittelalter und der Neuzeit, jeweils kurz vor dem Niedergang (wobei dieser häufig ebenfalls sehr lange auf sich warten liess, lange nach dem Eintritt der Insolvenz).

Das Buch endet mit verschiedenen Zukunftsszenarien, von hoher bis tiefer Eintrittswahrscheinlichkeit. Insofern als der Autor ein "vorzeitiges Ende" als äusserst unwahrscheinlich erachtete, kann man sagen, dass er richtig lag (wobei er sich hütete, genaue Zahlen zu nennen, denn Emotionen spielen bei Investitionen eine entscheidende Rolle - auch bei Staatsanleihen, wie man heute sehr gut beobachten kann).
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Von Kritischer Leser VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Ist ein Buch über Wirtschaftsthemen, dessen Erstausgabe im Jahr 1988 liegt, heute noch - oder wieder - aktuell? Werden Themen abgehandelt, die zeitlos scheinen? Die knappe Antwort: Ja. Das Taschenbuch, auf dem diese Rezension basiert, ist ein Nachdruck aus dem Jahr 1991. Und es hat lange vor sich hingeschlummert, bis es zufällig beim Umräumen der Bibliothek wieder aufgetaucht ist. Paul C. Martin (*1939) ist Volkswirt, Philosoph und Wirtschaftsjournalist. Seine Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist erkennt man unschwer an dem (sehr) lockeren Schreibstil. Dieser Stil und auch das Textlayout sind gewöhnungsbedürftig (Fettdruck, Kursivschrift, sehr kurze Abschnitte aus manchmal nur einem Satz etc.). Übermäßige Bescheidenheit kann man dem Autor - zumindest in diesem Buch - nicht unterstellen.

Die neue "Theorie", die der Buchtitel suggeriert, heißt Debitismus. Martin definiert (S. 101): "Debitismus ist die Lehre von der Totalität der Schuld. Es gibt nichts auf der Welt - und schon gar nichts in der Wirtschaft - das sich nicht auf einen Schuldvorgang, eine Verschuldung, eine Schuld zurückführen ließe. Alles was sich in der Welt ansonsten abspielt, ist immer nur eine Auseinandersetzung mit der Schuld ..." Martin meint und begründet, dass Debitismus die Methode sei, nach welcher der Kapitalismus funktioniere. Er unterscheidet zwei Arten von Schuld. Eine nennt er "Urschuld" (lat. clupa). Sie entsteht allein dadurch, dass der Mensch existiert und sich am Leben erhalten will. Er muss sich an der Natur und gegenüber anderen Menschen verschulden um zu essen, zu wohnen oder sich fortzupflanzen. Die andere Art nennt er "Paktschuld" (lat. debitum). Sie entsteht, weil wir mit anderen Menschen zusammenleben und uns durch Vereinbarungen gegenseitig verpflichten. Geld ist nach Martin in diesem Zusammenhang das universelle Mittel, in dem sich alle Schulden ausdrücken, unabhängig von anderen Geldfunktionen wie Tauschmittel, Wertespeicher, künftige Möglichkeiten etc.

Die These Martins ist, dass Kredite (und damit "Paktschulden") die Basis wirtschaftlichen Handels waren, lange bevor das Geld erfunden worden ist. Um diese Themen (Schuld, Kredit, Debitismus, Kapitalismus, Kollaps des Systems) kreisen Martins Ausführungen: theoretische Überlegungen, (damals, 1988) aktuelle Beispiele aus dem Wirtschaftsgeschehen, Exkurse in Geschichte, Religion und Philosophie. Dabei formuliert er manchmal seriös, selten in nüchternen abwägenden Worten, sehr oft provokativ. Die modernen Demokratien nennt er beispielsweise (S. 408) "... in Tat und Wahrheit Kreditbetrüger, Klartext: Gangstersyndikate ...".

Hier ein paar weitere spitz formulierte Zitate:(S. 171) "Der Kapitalismus ist ein System, das auf der Basis von Verschuldung operiert. Anders ist er nicht definierbar. Kapitalismus ist ein Kettenbriefsystem. Und es funktioniert perfekt - es sei denn, jemand schummelt ..." (S. 203) "Die seelische Stimmung ... wenn es auf dem Gesamtkonkurs zugeht, ist beeindruckend. Man fühlt, dass sich alsbald das ganz Schlimme ereignet, und wenn man es nicht verdrängt ..., dann hebt ein Gespreize an, als würde eine alte Jungfer zum ersten Mal zum Röckeheben genötigt." (S. 241) "Die Soziale Marktwirtschaft ist nur zu verstehen aufgrund der Ideologie der Volksgemeinschaft ..., wie sie seit 1933 so beredt gepredigt worden war. Sie ist die Fortsetzung der NS-Ideologie mit anderen Mitteln. Das Bindeglied, das unser Heute (brav, Demokratie!) mit dem Damals (pfui, Diktatur!) verkettet ist - wie sollte es anders sein - die Staatsverschuldung." (S. 446) "Der Jockey, der den edlen Hengst Kapitalismus in die Zielgerade reitet, ist der Konsument. Mit mächtigen Hieben treibt er das Pferd voran. Niemand ahnt, dass das Tier im Ziel zusammenbrechen und verenden wird ... Ziel passiert. Kollaps. Alle Viere von sich."

Vieles scheint übertrieben. Aber wenn man die wirtschaftlichen Entwicklungen der Jahre 2008 - 2011 betrachtet, scheinen Aussagen Martins von damals fast visionär. Und man hofft sehnsüchtig, dass manche seiner Prognosen künftig nicht zutreffen werden, er doch falsch liegen möge. Sieht man von zeitbezogenen Beispielen und oft überzogenen Formulierungen einmal ab, ist das Buch immer noch eine interessante und lehrreiche Lektüre. Was man sehr vermisst, ist ein Sach- und Autorenregister. Leider ist das Buch aktuell nur noch im Antiquariat erhältlich. Eine überarbeitete aktualisierte Neuauflage würde sich vielleicht lohnen.
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