Das ist eine Frage, die sich in Martin Campbells Film -Auftrag Rache- mehrfach stellen wird. In erster Linie ist es der Polizist Tom Craven, der den Schmerz des Verlustes spüren muss. Seine Tochter Emma(Bojana Novakovic) besucht ihn seit längerer Zeit einmal wieder. Tom muss feststellen, dass er seine Tochter über alles liebt und doch nur sehr wenig über sie weiß. Emma scheint bedrückt und krank zu sein. Tom bemerkt das. Aber ehe sich die Tochter dem Vater mitteilen kann, wird sie erschossen. Der unbekannte Schütze flieht und Tom, der direkt neben Emma stand, hält seine tote Tochter im Arm.
Die Polizei von Boston geht davon aus, dass der Anschlag Tom galt, aber der hat seine Zweifel; vor allem, als er eine Waffe in Emmas Zimmer findet. Von diesem Moment an, arbeitet sich Tom durch Emmas Leben. Er findet ihren letzten Freund, und der berichtet ihm von Emmas Arbeit in einem nuklearen Forschungszentrum. Als Tom den Chef des Zentrums, Jack Bennett(Danny Huston) zu Emma befragt, ahnt er sofort, dass etwas nicht stimmt. Später wird er feststellen, dass Emmas Kleidung radioaktiv verstrahlt war. Tom lässt nicht locker. Ein paar Tage später sitzt der mysteriöse Jedburgh(Ray Winstone) in Toms Garten. Jedburgh arbeitet für die Innere Sicherheit. Sein Auftrag ist zwiespältig, so wie Jedburgh selbst. Als er Tom Informationen gibt, scheint sich das Puzzle um Emmas Tod zu einem Ganzen zu fügen, aber gleichzeitig sorgen die Informationen dafür, dass Tom seines Lebens nicht mehr sicher ist...
Man muss wohl eindeutig unterscheiden. Es gibt den Mel Gibson in der Boulevardpresse, über den man in den letzten Jahren mehr als einmal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen musste. Und es gibt den Schauspieler Mel Gibson, der mit seiner Präsenz einen Mad Max unsterblich machte und auch Tom Craven mit sattem Filmleben füllt. Gibson als Craven und Winestone als Jedburgh sind die Charaktere, die Campbells Film wie zwei Felsen in der Brandung halten. Dazu gibt es eine gut durchstrukturierte, hochspannende Story, die keine Wünsche offen lässt.
Campbells Kunstkniff, Craven immer wieder in den Dialog mit seiner toten Tochter zu schicken ist dabei so ergreifend wie gewagt. Das sind die ganz starken Momente der Produktion. Aber es fällt ohnehin schwer, Schwächen bei -Auftrag Rache- zu entdecken. In klassicher Thriller-Machart marschiert die Story voran und wenn Craven, auf seine Ermittlungen angesprochen, sagt: "Ich werde niemanden verhaften!" dann fühlen wir uns schon fast wieder in die "gute, alte Mad-Max-Zeit" zurückversetzt. Für diese kreative, extrem kurzweilige Geschichte benötigte Campbell nicht einmal einen Soundtrack.
Versuchen sie einfach, was ich ausprobiert habe. Gehen sie ohne jede Erwartung und unter Ausblendung aller Schlagzeilen, die sie in den letzten Jahren von Mel Gibson gelesen oder gehört haben, an den Film heran. Wenn sie -Auftrag Rache- dann nicht überzeugt...okay. Bei mir blieb allerdings ein völlig anderer Eindruck zurück. Der bestand aus 112 Minuten atemberaubender Unterhaltung und dem guten Gefühl einen "alten Bekannten" mal wieder in einer hervorragenden Rolle auf dem Bildschirm zu sehen. Wer weiß, vielleicht geht es ihnen auch so. Probieren sie es aus. Von mir bekommt -Auftrag Rache- die absolute Empfehlung zum anschauen!