...und der deutsche Hip Hop befindet sich in seinen besten Jahren. Was erschienen nicht alles für Platten in dieser Zeit: Fanta 4s "Lauschgift","Außen Top Hits, Innen Geschmack" von Fettes Brot, Blumentopfs Debut "Kein Zufall". Und die großen Stieber Twins brachten mit "Fenster zum Hof" einen vielgesampelten Meilenstein raus.
Inmitten dieser Qualitätsflut erscheint auf einmal der zweite Longplayer aus dem Kinderzimmer, "Im Auftrag Ewiger Jugend und Glückseligkeit", und setzt Maßstäbe. Klar im New Yorker Hip Hop Anfang der 90er verwurzelt, bietet kaum ein Album ein so hohes wie konstantes Niveau an Samples, Beats und Reimen. Abwechslung wird hier groß geschrieben, Originelleres ist schwer zu finden.
Sei es der Kontrabasslauf vom Hit "Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint", der den roten Teppich webt, auf dem das wunderbare Vibraphon des Tracks herumstolziert. Sei es die Orgel (vielleicht auch ein Moog? schwer zu sagen) in "Nah", in dessen Refrain House Of Pain warnen: "Don't stand so close to me!". Seien es Gitarre und Double Bass von Metallicas "One", die am Ende von "Pain" unter Johnny Cashs Stimme eine Atmosphäre verbreiten, die man, wenn überhaupt, nur selten im Hip Hop erleben darf. An allen Ecken und Enden zeigen Quasimodo und Textor, dass Hip Hop anders sein kann, ohne seine Identität zu verlieren, ohne in die Schublade des "alternativen Hip Hops" greifen zu müssen.
Es fällt schwer, nicht jeden einzelnen Song dieses Albums herauszunehmen, vorzustellen, in den Himmel zu loben, denn hier ist kein Füllmaterial zu finden. Jeder Song sticht heraus: "U-Stadt And You Don't Stop" mit seinem simplen Beat, über den die drei Ulmer MCs Klaus, 63-T und natürlich Textor ihren Neidern den Kampf ansagen, "Unfug" mit seinem 6/4 Takt und der schrägen Klarinette im Refrain, und nicht zuletzt der Opener "Lights! Camera! Action!", der dem Hörer ganz am Anfang schon zeigt, was ihn erwartet.
"The Whole Thing Is Getting Out Of Hand" singt Roberta Flack in "Konfusion II". Doch am Schluss lässt einen "Im Auftrag..." eben nicht durcheinander zurück, sondern mit dem guten Gefühl, gerade das vielleicht beste deutsche Hip Hop-Album gehört zu haben.