Sommer 1976: Die McKotches verbringen ihre Ferien jedes Jahr zusammen mit Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen im alten Captain's House auf Cape Cod.
Paulette, Tochter aus gutem Hause und nun Ehefrau und Mutter. Ihr Mann Frank, allerdings nur, wenn er - ein äußerst ehrgeiziger Wissenschaftler am MIT - den Weg aus seinem Labor findet. Und ihre Kinder: Billy, 14, der wohlerzogene Junge, der eine glänzende Zukunft vor sich hat. Gwen, 13, die endlich erwachsen werden will, aber immer noch wie ein Kind aussieht. Scott, 9, hyperaktiv und scheinbar ungeliebt von seinen Eltern, denen er im Gegensatz zu Billy nichts recht machen kann.
Doch das Bild einer glücklichen amerikanischen Familie trügt - denn schon bald wird bei Gwen eine schwere Krankheit diagnostiziert werden und sich zeigen, dass der Zustand der Familie bedenklich ist.
Jennifert Haigh teilt ihr Buch in drei mehr oder weniger umfangreiche Teile. Die kurze Szene aus dem Sommer 1976 dient als Einstieg, indem hier die Eheprobleme von Paulette und Frank sowie die Beziehungskonstellation innerhalb der Familie leicht angedeutet werden. Bereits damit hat sie den Leser so gefesselt, dass er unbedingt wissen will, wie es unter der glücklichen Fassade der Familie aussieht.
Das erfährt man genauer im zweiten Teil, in dem das Beziehungsgeflecht und die Probleme der einzelnen Familienmitglieder analysiert werden. Die Erzählperspektive springt von einer Figur zur nächsten, und damit kreiert Haigh unglaublich realistische Charaktere. Sie versteht es meisterhaft, die menschliche Psyche in Worte zu fassen und die unterschwelligen Emotionen innerhalb der Familienkonstellation herauszukristallisieren. Wie mit einer Lupe blickt sie in das Innere ihrer Figuren und bringt deren versteckte Wünsche und verborgenen Gefühle ans Tageslicht. Durch die Erinnerungen an die Vergangenheit erfährt der Leser nach und nach, was nach Gwens Diagnose geschehen ist, wie sich Frank und Paulette kennengelernt haben und warum ihre Ehe schließlich scheitert.
Doch Jennifer Haigh geht noch einen Schritt weiter, indem sie das Knäuel der Beziehungen entrollt und am Ende den Knoten löst. Im dritten Teil des Buches, bewegt sich das Geschehen dann auch mehr in der Gegenwart, indem jede Figur mit einem einschneidenden Erlebnis fertig werden muss, das ihr Leben verändert, ihr den richtigen Platz in der Familie zuweist - und damit die Harmonie wiederherstellt.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Roman bei aller Psychologie und Beziehungsanalyse nie schwer oder niederdrückend wirkt, was vor allem an der Sprache liegen dürfte. Jennifer Haigh schreibt genau und präzise und doch immer einfach und klar. Sie lässt einen sofort in die Geschichte versinken, ist unaufdringlich und macht trotzdem wahnsinnig Spaß.
Fazit: Ein Buch, das einen von der ersten Seite an fesselt und nicht mehr loslässt. Ein intelligentes Buch, das einen bestens unterhält!