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48 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Und es gibt sie doch, 29. März 2009
Forschen und lehren sollen sie, die Professoren. Aber für die Verbreitung ihrer Resultate sollten sie auch schreiben können. Oder wenigstens den Mut haben, sich dabei unterstützen zu lassen. Während deutschsprachige Professoren oft mit dem Argument abwinken, ein flüssiger und unterhaltsamer Stil würde die Wissenschaftlichkeit ihrer Thesen gefährden, beweisen ihre angelsächsischen und amerikanischen Kollegen schon lange, dass dem nicht so sein muss. Ein Beispiel für viele ist Niall Ferguson. Gekonnt und ohne Angst vor Kollegenschelte legt er eine Geschichte des Geldes vor, die sich streckenweise wie ein Kriminalroman liest. Und dass die Finanzkrise sein Thema ganz plötzlich ins Rampenlicht rückte, ist das verdiente Glück des Tüchtigen.
Sachlich kann Niall Ferguson seinen Untersuchungsgegenstand auch deshalb betrachten, weil für ihn als Historiker zusammenbrechende Märkte und Banken nichts Neues sind. Das vermittelt er auch seinen Lesern, indem er sie am Auf und Ab der Wirtschaft teilnehmen lässt. Dabei verzichtet er nicht auf Zahlen und Fakten, aber er packt sie in Geschichten ein und arbeitet mit sprachlichen Formulierungen, die Verbindungsstücke nicht als lästige Fremdteile erscheinen lassen. Und weil er bei der Treibjagd auf Schuldige nicht mitmacht, kann er in einer wohltuenden Gelassenheit aufzeigen, dass Geld wesentlich zu den Fortschritten moderner Gesellschaften beigetragen hat. Das ist umso wichtiger, als aus der Ecke naiver Ideologen bereits in den Raum gerufen wird, man solle doch zur Tauschwirtschaft zurückkehren, Zinsgeschäfte verbieten und Spekulation als Werkzeug des Teufels brandmarken. Dass die Verfasser solch dummer Predigten ihr Unterhaltsgeld meist vom Staat erhalten, sei nur am Rande vermerkt. Und auch Niall Ferguson gibt sich mit allzu unreflektierten Kritiken wenig ab. Er zieht es vor, seine Leser auf eine Weltreise mitzunehmen, ihnen Einblicke in die Finanzstuben historischer Größen und fremder Länder zu gewähren und überraschende Querverbindungen aufzuzeigen.
Platzende Blasen betrachtet Niall Ferguson als ebenso natürlich wie die menschlichen Triebe. Und wenn er uns vor Augen führt, wie sich Habgier irgendwann in Furcht verwandelt, erfahren wir wesentlich mehr über das Wesen des Geldes, als in den meisten Kommentaren zur gegenwärtigen Finanzkrise. Selbstverständlich treffen wir in diesem Buch auf all die bekannten Ökonomen der Wirtschaftsgeschichte. Aber nur von Keynes, Smith & Co zu sprechen, würde dem Thema nicht gerecht. Also bittet Ferguson auch Persönlichkeiten der Gegenwart auf die Bühne, was zu spannenden Wiederbegegnungen mit Notenbankchefs und ehemaligen Spitzenmanagern führt.
Mein Fazit: Kein Schnellschuss, um aus dem Zusammenbruch der Finanzmärkte Profit zu schlagen. Was Niall Ferguson vorlegt, ist bestens recherchiert und in historisches Quellenmaterial eingebettet. Was das Buch besonders auszeichnet ist die Art, wie eine eher trockene Materie vermittelt wird. Dank der Formulierungskunst des Autors und vielen Abbildungen kann dieses Sachbuch auch Leser erreichen, die nicht Volkswirtschaft oder Finanzwesen studiert haben, sondern einfach das notwendige Interesse mitbringen. Es gibt sie also doch, die didaktisch begabten Professoren.
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26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verborgene Weltgeschichte, 30. März 2009
"Die Nerven des Krieges sind unerschöpfliche Geldmittel", so Markus Tullius Cicero, an dessen Erkenntnis sich bis heute im Grunde nichts geändert hat. Der Aufstand der Niederlande, die Französische Revolution, der Sieg über Napoleon und der Amerikanische Bürgerkrieg, sie alle sind als große politische und teils auch militärische Siege in die Geschichte eingegangen, doch wie Wellington war mindestens auch Nathan Mayer Rothschild für Napoleons Niederlage mitverantwortlich. "Geld ist das Brecheisen der Macht", wenn man Nietzsche glauben darf und so wundert es nicht, wenn jene Nationen mit der besseren Finanzierung zugleich jene sind, die als Sieger aus Konflikten hervorgehen, wie im Ersten Weltkrieg. Während die Mittelmächte ihre Kriegsanleihen auf einem heimischen und schon bald gesättigten Markt zu verkaufen versuchten, verstreute die Entente sie über die ganze Welt und fand so immer neue Unterzeichner.
Finanzgeschichte scheint zugleich geheime Geschichte zu sein, wobei die Weltgeschichte viel öfter durch finanzielle als militärische Erfolge bestimmt wurde. Als einer der wenigen Historiker die sich auch mit Wirtschaftsgeschichte beschäftigen hat Niall Ferguson bereits im Frühjahr 2008 mit "The Ascent of Money" ein eindrucksvolles Werk vorgelegt, das einen zu unrecht vernachlässigten Aspekt der Geschichte offen legt und einen erfrischend anderen Blickwinkel eröffnet. Dabei kommen Ferguson seine Kenntnisse der Familiengeschichte der Rothschilds und seine bisherigen Studien zur Finanz- und Wirtschaftsgeschichte zu gute, was dem Werk eine zusätzliche Dimension als Essenz von Fergusons bisherigen Werken verleiht.
Irritierend vielleicht dass sich Ferguson sehr freundlich und positiv gegenüber dem Finanzwesen verhält, bei seinen Ausführungen jedoch sehr stark auf Fachbegriffe setzt, was die Lektüre entsprechend erschwert. Armut und den Wucher von Kredithaien führt Ferguson eher auf das Fehlen von seriösen Finanzinstituten und einem entsprechenden Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten zurück, als auf einen Defekt des Systems an sich. Fergusons Thesen sind in vieler Hinsicht kontrovers, doch seine historischen Darstellung der Entwicklung des Finanzwesens sind, wenn auch gelegentlich etwas unübersichtlich, durchaus lesenswert. "Der Aufstieg des Geldes" kann entscheidend zum Verständnis unseres Finanzsystems und der derzeitigen Rezession, als Teil einer Evolution des Finanzwesens, beitragen, auch wenn das Ausmaß der Krise zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht absehbar war und derzeit auch noch nicht ist.
Fazit:
Zwar billigen wir Geld und Finanzmitteln einen entscheidenden Einfluss auf die Weltgeschichte zu, doch so richtig verstanden wurde die Bedeutung der Finanzgeschichte bis heute nicht. "Der Aufstieg des Geldes" schafft hierbei Abhilfe und erzählt einen gewichtigen Teil dieser verborgenen Weltgeschichte, von der Entstehung der ersten Wechsel bis zu Subprime-Krediten.
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28 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gut, aber nicht so sehr für Europäer, 30. März 2009
Eigentlich bin ich ein Fan von Niall Ferguson, der als Historiker einer der Begabtesten und Mutigsten ist.
Und ich habe große Teile dieses Buches verschlungen: Wie die Geld- und Finanzwirtschaft entstanden, welche Spekulationsblasen in früheren Zeiten platzten, mit welchen Auswirkungen; das Konzept der Evolution auf die Finanzwelt übertragen, die Neigung von Menschen zu irrationalem Handeln, Phasen von Globalisierung und Abschottung, Konsequenzen von Regulierungen; nur in Nebensätzen angedeutet: welche Testosteron-Monster an den Schalthebeln der Wall Street sitzen; oder das Land Chimerika, worin die einen sparen und Kredite geben (Chinesen) und die anderen prassen und sich verschulden (Amerikaner). Alles sehr interessant und bedenkenswert.
Trotzdem bleibt mein Gesamteindruck negativ, aus vier Gründen:
Erstens ist das Buch nicht für deutsche Leser geschrieben, sondern allein und ausschließlich für die englischsprachige Welt - da werden lokale Ereignisse zu breit ausgewalzt. Dagegen wird u.a. Deutschland nahezu vollkommen ignoriert.
Zweitens wird der Autor mit seiner dezent neoliberalen Ideologie trotz seiner Warnungen vor möglichen Krisen kalt erwischt durch die Wirklichkeit - sein Buch war im Juni 2008 fertiggestellt. Zwar bespöttelt er die Möchtegern-Finanzgurus früherer Zeiten, die grandios scheiterten, aber er glaubt einigen Gurus, die in den Monaten seit dem Erscheinen des Buches selbst vom Sockel gestürzt sind. Vom Glaubwürdigkeitsverlust kommender Monate ganz zu schweigen.
Drittens bewitzelt er jene Herren, die 1997 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielten, für ihre geniale Zauberformel, aber ein paar Monate später waren sie bankrott, im Gefängnis und als Scharlatane entlarvt. Doch dem (ebenfalls) Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman, dem Erfinder des Neoliberalismus, der auch den Folter-Diktator Pinochet beriet, wirft er seine Scharlatanerie keineswegs vor, sondern lobt ihn behutsam.
Viertens ist in dem Buch dann doch zu oft zu viel Nebelwurf und Blabla, mehr Klang als Inhalt, womit er die guten und klaren Stellen seines Buches verwässert. Schade eigentlich.
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