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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
54 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Und es gibt sie doch,
Von Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte (Gebundene Ausgabe)
Forschen und lehren sollen sie, die Professoren. Aber für die Verbreitung ihrer Resultate sollten sie auch schreiben können. Oder wenigstens den Mut haben, sich dabei unterstützen zu lassen. Während deutschsprachige Professoren oft mit dem Argument abwinken, ein flüssiger und unterhaltsamer Stil würde die Wissenschaftlichkeit ihrer Thesen gefährden, beweisen ihre angelsächsischen und amerikanischen Kollegen schon lange, dass dem nicht so sein muss. Ein Beispiel für viele ist Niall Ferguson. Gekonnt und ohne Angst vor Kollegenschelte legt er eine Geschichte des Geldes vor, die sich streckenweise wie ein Kriminalroman liest. Und dass die Finanzkrise sein Thema ganz plötzlich ins Rampenlicht rückte, ist das verdiente Glück des Tüchtigen.Sachlich kann Niall Ferguson seinen Untersuchungsgegenstand auch deshalb betrachten, weil für ihn als Historiker zusammenbrechende Märkte und Banken nichts Neues sind. Das vermittelt er auch seinen Lesern, indem er sie am Auf und Ab der Wirtschaft teilnehmen lässt. Dabei verzichtet er nicht auf Zahlen und Fakten, aber er packt sie in Geschichten ein und arbeitet mit sprachlichen Formulierungen, die Verbindungsstücke nicht als lästige Fremdteile erscheinen lassen. Und weil er bei der Treibjagd auf Schuldige nicht mitmacht, kann er in einer wohltuenden Gelassenheit aufzeigen, dass Geld wesentlich zu den Fortschritten moderner Gesellschaften beigetragen hat. Das ist umso wichtiger, als aus der Ecke naiver Ideologen bereits in den Raum gerufen wird, man solle doch zur Tauschwirtschaft zurückkehren, Zinsgeschäfte verbieten und Spekulation als Werkzeug des Teufels brandmarken. Dass die Verfasser solch dummer Predigten ihr Unterhaltsgeld meist vom Staat erhalten, sei nur am Rande vermerkt. Und auch Niall Ferguson gibt sich mit allzu unreflektierten Kritiken wenig ab. Er zieht es vor, seine Leser auf eine Weltreise mitzunehmen, ihnen Einblicke in die Finanzstuben historischer Größen und fremder Länder zu gewähren und überraschende Querverbindungen aufzuzeigen. Platzende Blasen betrachtet Niall Ferguson als ebenso natürlich wie die menschlichen Triebe. Und wenn er uns vor Augen führt, wie sich Habgier irgendwann in Furcht verwandelt, erfahren wir wesentlich mehr über das Wesen des Geldes, als in den meisten Kommentaren zur gegenwärtigen Finanzkrise. Selbstverständlich treffen wir in diesem Buch auf all die bekannten Ökonomen der Wirtschaftsgeschichte. Aber nur von Keynes, Smith & Co zu sprechen, würde dem Thema nicht gerecht. Also bittet Ferguson auch Persönlichkeiten der Gegenwart auf die Bühne, was zu spannenden Wiederbegegnungen mit Notenbankchefs und ehemaligen Spitzenmanagern führt. Mein Fazit: Kein Schnellschuss, um aus dem Zusammenbruch der Finanzmärkte Profit zu schlagen. Was Niall Ferguson vorlegt, ist bestens recherchiert und in historisches Quellenmaterial eingebettet. Was das Buch besonders auszeichnet ist die Art, wie eine eher trockene Materie vermittelt wird. Dank der Formulierungskunst des Autors und vielen Abbildungen kann dieses Sachbuch auch Leser erreichen, die nicht Volkswirtschaft oder Finanzwesen studiert haben, sondern einfach das notwendige Interesse mitbringen. Es gibt sie also doch, die didaktisch begabten Professoren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
gut strukturiert und lehrreich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch bietet eine Geschichte des Geldes bzw. der Finanzen. Jedes Kapitel ist einem Aspekt der Finanzmärkte gewidmet.Zunächst wird eine Definition des Geldes geboten: Es ist ein Zahlungs- oder besser gesagt Kreditmittel. Banken: Nach einer Beschreibung des Bankwesens der Medici während der Renaissance und der Entwicklungen im 19. Jahrhundert wird gezeigt, dass die Geldpolitik der Staaten seitdem viel expansiver geworden ist. Besonders seit der Aufhebung des Goldstandards durch US-Präsident Nixon 1971 bzw.1973 erleben wir eine Geldentwertung (Inflation). Der Autor beschreibt in einem Spiel, wie die Mindestreservepolitik der Notenbanken funktioniert und diskutiert die Wirkung einer 100-prozentigen Reservehaltung. Anleihen: Diese wurden erfunden, um Geld für Kriege zu beschaffen. Als Beispiele für den Anleihemarkt werden die Geschichte der Rothschilds, die Situation der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg und die Hyperinflation der Weimarer Republik angeführt. Ein modernes Beispiel für einen verschuldeten Staat ist Argentinien. Blasen: Die erste große Blase der Geschichte war das ungedeckte Papiergeld, welches John Law im 18. Jahrhundert in Frankreich einführte und welches (mit) zum Staatsbankrott und damit zur Französischen Revolution führte. Da Blasen häufig den Aktienmarkt betreffen, wird die erste AG der Welt ausführlich dargestellt (die holländische Ostindienkompanie). Die Weltwirtschaftskrise war ebenfalls eine Aktienblase; die Deflation wurde durch die amerikanische Zentralbank ausgelöst. Es zeigt sich, dass eine Aktienblase eine Politik des leichten Geldes von Seiten der Notenbank erfordert. So war es auch mit dem Internet-Boom unter der Aufsicht von Greenspan. Risiko: Hier werden besonders die Entwicklungen hin zur modernen Versicherung in Schottland (Witwenrente) beschrieben. Daraus entwickelte sich später der Sozialstaat, sei es aus politischen (Bismarck) oder militärischen (Japan) Gründen. Jedoch stößt der Sozialstaat finanziell an seine Grenzen (u. a. auf Grund der alternden Bevölkerung); deshalb wird auch die von Milton Friedman propagierte "neoliberale" Reformpolitik erläutert. Dessen Privatisierung der Rentenversicherung wurde in Chile erfolgreich umgesetzt. Eigentum: Früher hatten nur Adlige Eigentum; das änderte sich erst im Laufe der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Die USA setzten auf eine Gesellschaft der Hausbesitzer. Deshalb wurden im Zuge der Weltwirtschaftskrise Institutionen geschaffen, von denen heute jeder spricht, nämlich die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer "Fannie" und "Freddie". In Großbritannien wurden viele Menschen durch Margaret Thatcher Hauseigentümer, indem diese staatliche Wohnungen günstig verkaufte. Im Zuge der Deregulierung wurden in den USA die Anforderungen an die Sparkassen geändert, sodass diese sich in den 1980er Jahren verspekulierten. Jetzt haben wir die "Subprime"-Krise. Der Ökonom de Soto hat behauptet, dass der Schlüssel zum Wirtschaftswachstum im Privateigentum liegt; andernfalls hat man keine Sicherheiten für Kredite. Verlässliches Privateigentum fehlt jedoch in vielen Entwicklungsländern. Zusätzlich müssen Banken vorhanden sein, welche auch den Armen Kredite gewähren. Hier sind die so genannten Mikrokredite ideal, welche z. B. von der bekannten Grameen-Bank des Nobelpreisträgers Yunus vergeben werden. Globalisierung: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war die Wirtschaft globalisiert, besonders innerhalb des Britischen Weltreichs. Dabei wurde die Globalisierung jedoch z. T. militärisch durchgesetzt, z. B. mittels des Opiumkrieges in China. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Globalisierung vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank begleitet. Im Zuge der Asienkrise 1997 / 1998 werden die Grundsätze des "Washington Consensus" (Anpassungspolitik des Währungsfonds für Schuldnernationen) und die Kritik bekannter Wirtschaftswissenschaftler wie Stiglitz und Krugman diskutiert. Im Laufe der Zeit hat man neue Möglichkeiten erfunden, um auf dem Finanzmarkt Geld zu verdienen, u. a. gibt es Hedgefonds und Spekulanten wie Soros. Wie man sieht, führte eine Abwertung des Dollars 1973 wie 2003ff zu steigenden Rohstoffpreisen. In diesem Kapitel werden auch die finanziellen Verwertungen zwischen China und Amerika behandelt (so hortet die chinesische Zentralbank amerikanische Staatsschulden im Wert von ca. einer Billion Dollar). Nachwort: Die Finanzgeschichte enthält drei Komponenten: Unsicherheit, Psychologie und Evolution. Der volkswirtschaftliche Typus des "homo oeconomicus" entspricht nicht dem realen Menschen. Die staatlichen Rettungsmaßnahmen von US-Präsident Obama können zu einer staatlichen Kontrolle der Wirtschaft führen. Die Regulierung der Finanzmärkte ist oft kontraproduktiv; vor allem die Bilanz- und Eigenkapitalvorschriften von "Basel I" und "Basel II" sind zu lasch. Mir hat das Buch gut gefallen. Der Text wird durch viele Abbildungen und Fotos aufgelockert. Darüber hinaus werden häufig Konzepte erklärt, z. B. wie man selbst am Finanzmarkt spekulieren könnte oder wie eine angeblich unfehlbare mathematische Formel für Spekulationsgewinne lautete. Wer statt einer themenbezogenen eine detaillierte chronologische Geschichte des Geldes sucht, dem kann ich Davies: "A History of Money" empfehlen. (Hinweis: Ich habe die britischen Taschenbuchausgabe "The Ascent of Money" vom Frühjahr 2009 gelesen, welche ausführlich die aktuelle Bankenkrise diskutiert.) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
41 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gut, aber nicht so sehr für Europäer,
Von Rezensent "Rezensent" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich bin ich ein Fan von Niall Ferguson, der als Historiker einer der Begabtesten und Mutigsten ist.Und ich habe große Teile dieses Buches verschlungen: Wie die Geld- und Finanzwirtschaft entstanden, welche Spekulationsblasen in früheren Zeiten platzten, mit welchen Auswirkungen; das Konzept der Evolution auf die Finanzwelt übertragen, die Neigung von Menschen zu irrationalem Handeln, Phasen von Globalisierung und Abschottung, Konsequenzen von Regulierungen; nur in Nebensätzen angedeutet: welche Testosteron-Monster an den Schalthebeln der Wall Street sitzen; oder das Land Chimerika, worin die einen sparen und Kredite geben (Chinesen) und die anderen prassen und sich verschulden (Amerikaner). Alles sehr interessant und bedenkenswert. Trotzdem bleibt mein Gesamteindruck negativ, aus vier Gründen: Erstens ist das Buch nicht für deutsche Leser geschrieben, sondern allein und ausschließlich für die englischsprachige Welt - da werden lokale Ereignisse zu breit ausgewalzt. Dagegen wird u.a. Deutschland nahezu vollkommen ignoriert. Zweitens wird der Autor mit seiner dezent neoliberalen Ideologie trotz seiner Warnungen vor möglichen Krisen kalt erwischt durch die Wirklichkeit - sein Buch war im Juni 2008 fertiggestellt. Zwar bespöttelt er die Möchtegern-Finanzgurus früherer Zeiten, die grandios scheiterten, aber er glaubt einigen Gurus, die in den Monaten seit dem Erscheinen des Buches selbst vom Sockel gestürzt sind. Vom Glaubwürdigkeitsverlust kommender Monate ganz zu schweigen. Drittens bewitzelt er jene Herren, die 1997 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielten, für ihre geniale Zauberformel, aber ein paar Monate später waren sie bankrott, im Gefängnis und als Scharlatane entlarvt. Doch dem (ebenfalls) Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman, dem Erfinder des Neoliberalismus, der auch den Folter-Diktator Pinochet beriet, wirft er seine Scharlatanerie keineswegs vor, sondern lobt ihn behutsam. Viertens ist in dem Buch dann doch zu oft zu viel Nebelwurf und Blabla, mehr Klang als Inhalt, womit er die guten und klaren Stellen seines Buches verwässert. Schade eigentlich. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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