Dieses Buch ist inzwischen in die Jahre gekommen. In dieser Ausgabe wird das Jahr der Erstveröffentlichung verschwiegen - meinem Wissen nach muß es um 1960 gewesen sein. Die Forschung ist heute natürlich viel weiter, so daß in dem Buch eine Menge überholt ist - man muß nur die Darstellung des Attentats von Georg Elser auf Hitler im Jahr 1939 lesen, um zu wissen, was ich meine. Trotzdem ist das Werk als ganzes m.E. immer noch lesenswert. Shirer hat das Dritte Reich und seine Entstehung als Journalist mit eigenen Augen erlebt. Seine Darstellung beruht auf vielen Quellen, aber auch auf eigener Anschauung, die er - behutsam und nie aufdringlich - in seinen Bericht einfließen läßt, ebenso wie seine darauf beruhenden Wertungen. Die mag man nicht immer teilen, aber als die Sicht eines, der ganz nah dabei war und doch Beobachter von außen blieb, sind sie immer noch erhellend - etwa die nachvollziehbare Wut über Chamberlain, die aus seinen Zeilen spricht, auch wenn wer diesem Mann vielleicht nicht ganz gerecht wird. Shirer berichtet besonders ausführlich über das, was er selbst mitverfolgt hat (etwa den Einmarsch in Österreich) oder worüber er ausführliche Quellen hat (z.B. das Hoßbach-Protokoll), anderes wird nur kursorisch abgehandelt oder gar nicht erwähnt. Vor allem die Außenpolitik nimmt breiten Raum ein, während die Innenpolitik, der Alltag im Dritten Reich, das Funktionieren des Systems etc. nur eine Nebenrolle spielen. Hier ist das Buch unvollständig. (Vom Kirchenkampf z.B. scheint der Verfasser nur die Person Martin Niemöllers zu kennen.) Was völlig fehlt, sind Bilder, Statistiken und Landkarten; dafür ist das Register sehr ausführlich. Alles in allem ein Buch, das seine Grenzen hat (auf die Golo Mann in seinem Vorwort hinweist); aber seine Beschränkungen sind zugleich seine Stärken.