"....insidiante diabolo in corde Chrodieldis."
(Grégoire de Tours)
Robert Gordians schon im Jahre 1999 vom Wunderlich Verlag publizierter Roman "Aufstand der Nonnen" ist der letzte Band seiner "Merowinger-Tetralogie". Die ersten beiden Bände "
Der Wolfskönig." (2005) und "
Die Heilige und der Teufel." (2006) sollten erst mehr als ein Jahrzehnt später im Berliner Aufbau Verlag erscheinen. Der dritte Teil "
Die schrecklichen Königinnen" wurde als erstes Buch der Chronik bereits 1998 vom Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) herausgegeben.
Während sich die beiden zuletzt erschienenen Teile mit der Geschichte König Chlodwigs I. und seiner Söhne befassen und im dritten Band die Enkelgeneration des Gründers des fränkischen Reiches im Mittelpunkt steht, hat der vierte Teil ein historisches Ereignis zum Gegenstand, das von zwei seiner Urenkelinnen inszeniert wurde....
In seinem bedeutendsten Werk, den "Decem libri historiarum" berichtet der Geschichtsschreiber, Hagiograph und Bischof Gregor von Tours von rund vierig Nonnen, die im Jahre 589 aus dem Kloster Sainte-Croix de Poitiers geflohen sind. Als Rädelsführerinnen werden die Tochter König Chariberts, Chrodehilde, und ihre Cousine, die Tochter König Chilperichs I., Basina, genannt. Während Gregor in seinem neunten Buch Chrodehilde "als vom Teufel verführt" beschreibt (Eingangszitat), dürfte das tatsächliche Motiv für diese Revolte im Bestreben der merowingischen Königstöchter zu finden sein, ihre angestammten Erbansprüche durchzusetzen. Als eigentlicher Urheber dieses ungeheuerlichen Vorgangs, der das weibliche Klosterwesen in seinen Grundfesten erschütterte, ist vielmehr der von Gregor als "rex bonus" bezeichnete Guntram I. von Burgund zu sehen. Der "gute", das heißt kirchenfreundliche König hatte sich über die "regula ad virgines" des Caesarius von Arles, die einen freiwilligen Einritt in Kloster vorschreibt, einfach hinweggesetzt und seine beiden Nichten Chrodehilde und Basina ohne deren Einverständnis eingewiesen. Das Recht war somit, unabhängig möglicher Schikanen, denen sie im Kloster ausgesetzt waren oder auch nicht, zumindest zu Beginn ihrer Flucht aufseiten der Königstöchter....
Robert Gordian zeigt auch bei "Aufstand der Nonnen", dass er sich als einer der wenigen Romanautoren, die sich auf die Spätantike und das frühe Mittelalter spezialisiert haben, auch eingehend mit den historischen Quellen beschäftigt hat. Während er wichtige überlieferte Details daraus übernommen hat, ist es ihm außerdem gelungen, vorhandene Lücken durch fiktive, jedoch historisch schlüssige Charaktere und Handlungen zu schließen. Neben einem kleinen Glossar (Seiten 330/331) bietet "Aufstand der Nonnen" erfreulicherweise auch einen doppelseitigen Auszug aus dem Stammbaum der Merowinger, der bei Chlodwig I. beginnend bis in die Generation der Romanprotagonistinnen reicht (S. 3/4). Eine Zeittafel und eine historische Landkarte wie bei "Der Wolfskönig" fehlen jedoch leider.
Die jeglicher Chronologie zuwider gelaufene, desaströse Veröffentlichungsreihenfolge in drei verschiedenen Verlagen, die sich hierfür zudem mehr oder weniger passender Cover bedient haben, lässt zunächst keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Bänden erkennen. Da auch der letzte, im Jahre 2006 erschienene Teil mittlerweile nur noch im Modernen Antiquariat erhältlich ist, wäre eine Neuauflage aller vier Bände in einem neuen, einheitlichem Layout wünschenswert. Stammbaum, Zeittafel und historische Landkarten könnten dann als Anhang für jeden Band entsprechend modifiziert werden.
5 Amazonsterne für einen Roman, der als Abschluss einer Tetralogie das Attribut historisch verdient hätte.