Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Träge Masse GEGEN Vitale Elite, 31. Dezember 2005
José Ortega y Gasset´s Abhandlung über den Massenmenschen beginnt mit dessen Machtergreifung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während die Völker früherer Jahrhunderte von einer jeweils wechselnden Elite beherrscht wurden, gelang es der sozialistischen Idee in Verbindung mit der Industrialisierung, den Massenmenschen zur herrschenden Macht zu erheben. Gasset unterscheidet strikt zwischen dem Massenmenschen und dem Individuum, wobei er –anders als der Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon- nicht davon ausgeht, dass der Einzelne in der Masse zum Massenmenschen WIRD. Vielmehr IST man das eine -oder das andere. Der Massenmensch produziert sich Tag für Tag neu -so wie er ist- wie ein Abziehbild, das jeden Tag schwächer wird, bis es verblasst. Er verlangt nichts von sich selbst, will nicht über sich hinaus wachsen, sich nicht verändern. Er begnügt sich mit dem, was er ist. Der Massenmensch kann nur durch Gewalt von aussen verändert werden. Von selbst ändert er sich nur, wenn der Schmerz des „status quo“ grösser ist als die Leiden einer Veränderung. Der Massenmensch geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Der Massenmensch schert sich nicht darum, ob etwas richtig ist, gut oder wahr; ihn interessiert das Angenehme. Er ist subjektiv und sich selbst das Wichtigste, er ist asozial und unmenschlich. Die Gedanken des Massenmenschen sind in Wahrheit nur Triebe in logischer Verkleidung. Es gibt nichts Positives am Massenmenschen, alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation sind von Einzelmenschen ausgegangen. Der Massenmensch kann langfristig nur mit Unterstützung des Einzelmenschen überleben, da er sonst an seiner eigenen Dekadenz zugrunde gehen würde, umgekehrt gibt es nichts, was der Elitemensch vom Massenmenschen lernen könnte. Den Einzelmenschen dagegen kennzeichnet „die innere Notwendigkeit, von sich fort zu einer höheren objektiven Norm aufzublicken, in deren Dienst er sich freiwillig stellt. Er ist in der Lage, Dinge zu akzeptieren, die über ihm stehen. Er hat gelernt zu verzichten und zu erkennen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als er selbst, kurz: Er ist bereit, einem Ideal zu dienen. Es drängt sich der Vergleich auf zwischen dem gemeinen Proletariat und dem edlen Aristokrat. Oder zwischen intelligentem Juden und dem primitiven Rest. Jedenfalls ist nicht verkennbar, dass der Autor die Herrschaft der Massen als nicht gerade zuträglich für die Kultur und Moral der Menschheit wertet. Dieses Buch bietet sicherlich eine Menge Stoff für Diskriminierung, aber eines lässt sich nicht leugnen: es gibt diese zwei Arten von Menschen!
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
noch mal neu drüber nachdenken ..., 20. Januar 2003
"der kommunismus ist eine moralische ausschweifung..." bemerkte jose ortega y gasset lakonisch. und: "wenn die masse selbständig handelt, tut sie es nur auf eine art: sie lyncht..." das hat ihn bei kommunisten nicht gerade beliebt gemacht. in einem DDR-philosophie-lexikon (1982) findet sich der gegenhieb: "mit rassistischen argumenten unterstellt ortega, dass der kommunismus zwar für die slawen, nicht aber für die europäer geeignet sei. mit diesen anschauungen wurde ortega während des kalten krieges zu einem geeigneten ideologischen partner der imperialistischen bourgeoisie. er prägte elite-theoretische konzeptionen..." 1929 war ortegas berühmtestes werk, "der aufstand der massen" erschienen - viel, auch in deutschland, gekauft - wenig besprochen... warum? kritik der masse in ihren negativen auswüchsen müsste doch allmaehlich erlaubt sein, man muss ja nicht royalist sein, um dies erkennen zu koennen. die idee eines geeinten europa, kann ebenfalls nun keine gefahr mehr darstellen: es ist vollbracht. was ist denn dann noch gefährlich oder fragwürdig an ortega? dass ortega aufgrund des ausbruches des kommunistisch unterstützten befreiungskrieges sein spanien verließ, mag durchaus akzeptabel erscheinen, für einen denker, der von berufs wegen ideologien infrage zu stellen hat. dass er seine emigration aber ausgerechnet 1939-1945 in deutschland (mit zwischenaufenthalten in portugal), in der nähe heideggers verbrachte, bringt etwas stirnrunzeln und nachfragen in gang. mit heidegger mag ihn (als ehemaligen sich in die widersetzlichkeit rettenden jesuiten-schüler) die kritik am papsttum und der wunsch nach entkonfessionalisierung verbunden haben. auch ist er mit seiner die individuelle biographie (im sinne bergsons) ernstnehmenden konzeption der existenzphilosophie deutlich zuzurechnen. wie heidegger mit den kapiteln über das "man" sein unbehagen ausdrückt, so empfindet auch ortega sprache als kampf zwischen persönlichem meinen und dem, was die leute sagen. ortega hat auch durchaus einen bezug zur heiteren seite des daseins. heidegger liebte zu sehr das pathos des schreckens und schrecken-verbreitens - umsomehr sind denker nötig, die humor als anthropologisches fundament begreifen können. ortega-kostprobe: "die frau ist kein raubtier. sie ist die beute, die dem raubtier auflauert." diese bemerkung kommt vom fachmann. ortega hat sich auch ausgiebig zu einer philosophie des waidgerechten jagens geäußert. "es steht uns durchaus frei, vor unserer wahrhaften bestimmung zu desertieren, aber nur, um als gefangene in die unteren stockwerke unseres schicksals zu fallen..." schreibt ORTEGA auch ziemlich spöttisch. also, man lese ortega doch noch einmal mit leichtigkeit und ironischer genussfähigkeit - vielleicht begreift man ihn dann allmählich - und die spanier gleich mit - die, wie wir wissen, es hinter den ohren sitzen haben ...
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
eine soziale und systemische Verstehensweise des Fortschritt, 11. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Dieses Buch wird oft verkannt und nicht verstanden: die Interpretation erfolgt oft im Sinne einer postumen Verwendung der Inhalte für eigene Zwecke, z.B. in der Hermeneutik. Es ist sehr spanisch und schwer zu interpretieren, manchmal wird Ortega als elitär kritisiert. Es kann aber gesagt werden, dass es eine nützliche Information dazu gibt, wie das system von Masse, Elite und Bildung nachhaltig gestaltet werden kann und wie dieses System Gewalt in unserer Gesellschaft mindert. Es kann als ein möglicher Zugang zur Entwicklung von Systemtheorie verstanden werden, vom sozialen Gedanken ausgehend, aber es kann vor allem ein Beispiel dafür geben, wie Konflikte und Gewalt zu lösen sind, also auch ein Handlungs- oder Interaktionsmodell liefern. Die Provokation des Lesers bezogen auf die Eitelkeit ist doch gerechtfertigt: das verstehen all die, welche die von Ortega vorgeschlagene Anstrengung leisten. Es werden Ideen und Gedanken sehr Emotionsreich vorgetragen, wodurch sie sehr authentisch auch wenn spanisch wirken. Spannend dürfte doch vor allem sein, dass das Werk in einer solch frühen Zeit und in Spanien entstand. Man sollte es lesen um heutige spanische sozialpolitische Haltungen darauf beziehen zu können, welche in der EU von entscheidender Bedeutung sind, für die nachhaltige Entwicklung von Sozialpolitik. Wichtige Details sind doch die, dass er so etwas wie die heutige Greencard voraussagte um mal ein Beispiel zu nennen. Insbesondere fordert der Autor aber die Politiker dazu auf ihre Funktion als langfristig denkende Generalisten, nicht als Spezialisten, zu verstehen und zu erfüllen.
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