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Der Aufstand der Massen
 
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Der Aufstand der Massen [Gebundene Ausgabe]

José Ortega y Gasset , Michael Stürmer , Helene Weyl
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt DVA; Auflage: 2 (18. Februar 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3421065039
  • ISBN-13: 978-3421065032
  • Originaltitel: La rebelión de las masas
  • Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 13,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 51.506 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Aufstand der Massen
OT La rebelión de las masas OA 1930 DE 1931Form Sachbuch Bereich Kulturphilosophie
Mit seinem kulturphilosophischen Essay Der Aufstand der Massen schuf José Ortega y Gasset eines der wichtigsten zeitdiagnostischen Werke der 1930er Jahre und errang internationale Bekanntheit.
Entstehung: Gustave R Le Bon beschrieb Ende des 19. Jahrhunderts erstmals das Phänomen der Vermassung in Europa (Psychologie der Massen, 1895). Die »Masse« wurde in der Folge ein wichtiger Terminus in vielen geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, vor allem in Psychologie (Sigmund R Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921) und Soziologie (David Riesman: Die einsame Masse, 1950). Durch seinen Deutschlandaufenthalt von der Phänomenologie beeinflusst, näherte sich Ortega dem Thema der »Masse« mit der Notation von Alltagsbeobachtungen: Ortega macht die allgemein und überall spürbare »Tatsache der Anhäufungen, der Überfüllung«, zum Ausgangspunkt seiner Betrachtungen.
Inhalt: Ortega sieht das öffentliche Leben Europas durch »das Heraufkommen der Massen zur sozialen Macht« bestimmt. Dabei betrachtet Ortega die Masse nicht als eigenständiges Phänomen, sondern bezieht es auf jeden Einzelnen, der Bestandteil der Masse ist. Ihm geht es um das Gefühl der Zugehörigkeit zur Masse. Demnach zählt jeder dazu, der sich für zum Durchschnitt gehörig hält und es ohne Bedauern akzeptiert, »wenn er merkt, dass er ist wie alle«. Dem ordinären Massenmenschen, »der die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen«, stellt Ortega den Asketen gegenüber, der innerhalb der Masse die Elite bildet. Während diese viel von sich fordert, fordert der sich der Masse als zugehörig definierende Mensch von sich gar nichts: Er ist und sieht sich als »Durchschnittsmensch«.
Die zunehmende Mediokrität durch Vermassung zerstöre, so Ortega, die ursprünglich aristokratische Natur der menschlichen Gesellschaft. Verantwortlich für diese Entwicklung sei das Gleichheitsideal der liberalen Demokratietheorien sowie die Erhöhung des allgemeinen Lebensstandards infolge der industriellen Revolution: Politische Mitbestimmung, Angleichung des Bildungsniveaus und materielle Sicherheit der Masse führten dazu, dass die durch die Masse dominierte Gesellschaft keine anderen Normen, Bedürfnisse und Bestrebungen mehr anerkenne als ihre eigenen, weshalb die dem Liberalismus innewohnende Tendenz zur Vermassung dem Totalitarismus den Weg ebnen könne. Sollte die Masse ihre eigene Historizität verkennen, indem sie die Errungenschaften des Liberalismus als selbstverständlich ansieht, droht durch das Absterben der Vitalität der Rückfall in die Barbarei. Wenn sich der Mensch aber der neuen Möglichkeiten, über die er verfügt, bewusst werde und sie zu nutzen lerne, könne die Masse ihre Energie auf das Projekt einer neuen europäischen Gesellschaft hin bündeln, damit etwas Neues, Größeres entstehe.
Aufbau: In dreizehn Kapiteln entwickelt Ortega – phänomenologisch vorgehend – seine Theorie der Masse. Der darauf folgende Abschnitt Wer herrscht in der Welt? nimmt allein etwa ein Drittel des gesamten Essays ein und verschiebt die Thematik in Richtung einer Theorie der europäischen Integration. So wird aus anfänglich schlichten deskriptiven Alltagsbeobachtungen überfüllter Theater und Straßenbahnen schließlich die Forderung der Errichtung der »Vereinigten Staaten von Europa«.
Wirkung: Der Haupteinwand gegen Aufstand der Massen betrifft die theoretische Simplizität des dichotomischen Aufbaus der Persönlichkeitstheorie (Massenmensch versus asketische Elite) und der Zivilisationstheorie (Barbarei vs. Zivilisation). Dennoch wurde das Buch in zehn Sprachen übersetzt und beeinflusste in vielen europäischen Ländern die intellektuelle Diskussion der 1930er Jahre. Während einige Gedanken zur europäischen Integration heute aktueller sind denn je, kündigt sich ein postmoderner Paradigmenwechsel von der Masse hin zum Individuum an. Bereits 1971 konstatierte Aaron Wildavsky in The revolte against the masses einen sozialen Wandel von der Masse hin zum Subjekt, und gegenwärtige Publikationen bestätigen diese Tendenz: So beschreibt z. B. der Soziologe Ulrich Beck in Risikogesellschaft (1986) die Individualisierung und Diversifizierung der sozialen Verhältnisse im Deutschland der »reflexiven Moderne« und überträgt in Schöne neue Arbeitswelt (2000) die kantische Ethik auf die heutige Zeit. M. F.

Kurzbeschreibung

José Ortega y Gasset veröffentlichte 1930 das Buch, das ihn berühmt machen sollte: »Der Aufstand der Massen«. Es war eine Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheit, für die dieser Text mit seiner Analyse des neuen Massenmenschen eine kritische Bestandsaufnahme darstellt.


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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Prophetisch 8. Oktober 2002
Von Matthias
Format:Gebundene Ausgabe
Ortega y Gasset muß dem heutigen Leser, wie ein Prophet erscheinen, der seine Gedanken über Europa und seine Gesellschaft 1930 schrieb. Besonders interessant sind die Kapitel über den Vorteil der Massengesellschaft, der in der Bequemlichkeit und Sicherheit des Lebens gegenüber früheren Jahrhunderten besteht. Um so interessanter erscheinen die Gedanken über die Nachteile und den großen Preis, den die Massengesellschaft für die Bequemlichkeit und Sicherheit zahlt: staatliche Bevormundung, Polizei, Regeln, Vorschriften, Unfreiheit, Demokratie als Mittel zur Unterdrückung von Minderheiten; Minderheiten die herausragend sein können, aber die Masse, die demokratische Mehrheit stören und deshalb von dieser mittels Mehrheitsbeschlüssen (dem Knopf in Ortegas Sprache) mit Leichtigkeit erdrückt und ausgelöscht werden. Wer glaubt, selbst heute (im Jahr 2002) in einer "Individualgesellschaft" zu leben, in der er alle Freiheiten geniessen kann, der ist leider in diese Gesellschaft mit einer schicken Sonnenbrille hineingeboren worden und Teil des Systems geworden. Und weil er Teil des Systems ist, nimmt er alles als selbstverständlich wahr, die Technik, das soziale Gefüge, das seine Bequemlichkeiten ermöglicht hat, wie Luft und Wasser auf dieser Erde.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
José Ortega y Gasset´s Abhandlung über den Massenmenschen beginnt mit dessen Machtergreifung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während die Völker früherer Jahrhunderte von einer jeweils wechselnden Elite beherrscht wurden, gelang es der sozialistischen Idee in Verbindung mit der Industrialisierung, den Massenmenschen zur herrschenden Macht zu erheben.
Gasset unterscheidet strikt zwischen dem Massenmenschen und dem Individuum, wobei er –anders als der Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon- nicht davon ausgeht, dass der Einzelne in der Masse zum Massenmenschen WIRD. Vielmehr IST man das eine -oder das andere.

Der Massenmensch produziert sich Tag für Tag neu -so wie er ist- wie ein Abziehbild, das jeden Tag schwächer wird, bis es verblasst. Er verlangt nichts von sich selbst, will nicht über sich hinaus wachsen, sich nicht verändern. Er begnügt sich mit dem, was er ist. Der Massenmensch kann nur durch Gewalt von aussen verändert werden. Von selbst ändert er sich nur, wenn der Schmerz des „status quo“ grösser ist als die Leiden einer Veränderung. Der Massenmensch geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Der Massenmensch schert sich nicht darum, ob etwas richtig ist, gut oder wahr; ihn interessiert das Angenehme. Er ist subjektiv und sich selbst das Wichtigste, er ist asozial und unmenschlich. Die Gedanken des Massenmenschen sind in Wahrheit nur Triebe in logischer Verkleidung. Es gibt nichts Positives am Massenmenschen, alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation sind von Einzelmenschen ausgegangen. Der Massenmensch kann langfristig nur mit Unterstützung des Einzelmenschen überleben, da er sonst an seiner eigenen Dekadenz zugrunde gehen würde, umgekehrt gibt es nichts, was der Elitemensch vom Massenmenschen lernen könnte.

Den Einzelmenschen dagegen kennzeichnet „die innere Notwendigkeit, von sich fort zu einer höheren objektiven Norm aufzublicken, in deren Dienst er sich freiwillig stellt. Er ist in der Lage, Dinge zu akzeptieren, die über ihm stehen. Er hat gelernt zu verzichten und zu erkennen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als er selbst, kurz: Er ist bereit, einem Ideal zu dienen.

Es drängt sich der Vergleich auf zwischen dem gemeinen Proletariat und dem edlen Aristokrat. Oder zwischen intelligentem Juden und dem primitiven Rest. Jedenfalls ist nicht verkennbar, dass der Autor die Herrschaft der Massen als nicht gerade zuträglich für die Kultur und Moral der Menschheit wertet.
Dieses Buch bietet sicherlich eine Menge Stoff für Diskriminierung, aber eines lässt sich nicht leugnen: es gibt diese zwei Arten von Menschen!

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Der Massenmensch ist der Mensch, der ohne Ziel lebt und im Winde treibt. Darum baut er nichts auf,
obgleich seine Möglichkeiten und Kräfte ungeheuer sind. Und dieser Typus Mensch entscheidet in unserer Zeit."

José Ortega y Gasset (1883-1955) hat im Jahre 1930 sein Hauptwerk veröffentlicht. In einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheit in Europa schien eine Bestandsaufnahme notwendig. Der Massenmensch seit Le Bon in die Wirklichkeit gezogen und der Analyse unterworfen, mit Freud zur Ich-Analyse bewegt wird hier in diesem Werk gegen jede Form von Utopie gesetzt. Seit 2007 leben mehr als 50% der Weltbevölkerung in Städten (vgl Rifkin). "Die Städte sind überfüllt", lesen wir und weiter, dass, was früher kein Problem war, jetzt unausgesetzt gilt: "einen Platz zu finden". Die Individuen gab es schon immer, aber eben nicht als Menge. Sind sie nun Menge in der neuen virtuellen Welt oder sind sie Individuum ohne Anschluss? "Gibt es keine Helden mehr, nur noch den Chor?", fragt Ortega berechtigterweise. Verlassen uns die Eliten zugunsten einer Vermassung, fragte er ebenso. "Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nicht 'wie alle' ist, wer nicht 'wie alle' denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden." Die Politik der Mitte hat Anschluss an alle Parteien. Jede Wahl ist ohne Gegner, die Extremen werden dadurch positioniert.

Fordert die heutige Gesellschaft wieder die Zeit des Ausgleichs, eine Angleichung an eine Regel in Kultur, Geschlecht und Wirtschaft? Ist diese Angleichung, die z.B. ein Europa fordert von allen zugehörigen Staaten eine Position der zukünftigen Stärke? Wird dieser Aufstand der Massen zu einem Ziel einen "unermesslichen Zuwachs an Lebenskraft und -möglichkeiten" bedeuten? Ortega sieht in der Herrschaft der Massen durchaus eine positive Seite. Aber nur, wenn sie "auf der Höhe der Zeit" ist. Nun muss diese velofizierte Zeit nicht gemessen werden an der Höhe des Pulsschlags. Die Höhe der Zeit ist die Beziehung des Jahrhunderts relativ zum Niveau der vergangenen Zeiten. Das galt damals wie heute. Der alte Spruch: Jede vergangene Zeit war besser! gilt nur im Verhältnis zu den Gefühlen in einer Epoche. Schon Hesiods Goldenes Zeitalter wird zu einer Legende, jedoch gleichzeitig als Maßstab folgender Zeiten. Nur in denen lebt man und muss sich dort einrichten.

In Cervantes großen Roman gab es die alte Weisheit, ein Weg sei besser als die Herberge. Denn ein Ziel erreicht zu haben, verringert jedes Begehren, jedes Verlangen; "die Quelle jeden Wünschens ist versiegt". Das heißt auch, dass jeder Weg in Frage gestellt werden kann. Denn geht man immerfort denselben und nennt diesen im wahrsten Sinne "Fortschritt", bleibt nur der Gedanke eines Gefängnisses. Denn der immerwährend gleiche Weg führt nicht ins Freie, wie Ortega richtig sagt. Eine Melancholie der Ruinen ist nicht das, was bewegt. Genauso wird ein Übereifer des rein Virtuellen nicht das Echte beweisen. Allen Prognosen ist eigen, einen unvorhersehbaren und offenen Horizont von Möglichkeiten zu eliminieren. Offenheit und Zugriff auf das Echte sind die Fülle des wahren Lebens.

Jede Zeit stellt die Frage: "Zu welcher Zeit möchten Sie gelebt haben?" Und die Proustsche Suche nach der verlorenen Zeit nimmt ihren Lauf. Es ist richtig, die Standpunkte für neue Horizonte zu wechseln, es ist richtig, einen neuen Blick auf dasselbe zu werfen. Doch welche Meinung hat unsere Zeit von sich selbst?

Die quantitative und qualitative Steigerung gegenüber anderen Zeiten ist unbestritten. Wir wissen mehr als Aristoteles mit Newton und mehr als Newton mit Einstein und Heisenberg. Wir beherrschen die Technik mehr als die Ägypter es taten und doch staunen wir vor den Pyramiden. Doch wie steht es um die Werte? Der augenblickliche Mensch weiß von seiner Differenz, er weiß sich um mehr Möglichkeiten ausgestattet und doch treibt ihn ein Unbehagen an der Kultur (Freud). Ortega zeigt die günstigen Aspekte der Massen und doch wird er die gefährlichen Seiten nicht vernachlässigen können und dürfen.

Betrachten wir die Historie, wird klar werden, dass nicht Ratschläge, etwas zu tun, uns dort erwarten, sondern eher die Ratschläge, etwas zu lassen. Denn in allem gilt die menschliche Freiheit, etwas zu entscheiden, nämlich es zu tun oder es zu lassen. Es gibt keine Umstände, die entscheiden. Die Geburt eröffnet mehrere Wege. Welche man geht, ist Ergebnis der Entschlusskraft, die niemals ruhen kann. Und dieser individuelle Freiraum ist auch Freiraum eines Kollektivs. Die von diesem vorgelegten Programme sind Grundlage eines gemeinschaftlichen Lebens, sei es gesellschaftlich, politisch oder wirtschaftlich. Ortegas Schelte gegen die Mittelmeerländer, politisch wie auch wirtschaftlich in den Tag hineinzuleben, erscheint wie von heute. Wenn er sagt, dass damit sich keine Zukunft ankündigt und jeder Lebensplan vermisst wird, dann scheint er ein aktueller Redner zu sein. Und für diese Tatsachen sucht er Klarheit über die Beschaffenheit des Massenmenschen.

"Ohne eine neue geistige Macht wird unser Zeitalter einer Katastrophe zutreiben". Könnte dieser Satz von Comte heute noch ungeteilt gelten, wäre der Historiker ein umgekehrter Prophet. Aber wir wissen, das wir heute in einer vitalen Welt leben, eine radikale Umkehr in Bezug auf frühere Zeiten. Und doch ist dieser neue Lebenshintergrund vergleichbar, was die Führung angeht. Denn die alten Strukturen einer Bestrafungsgesellschaft (Foucault) werden heute nur von der Fremdbestrafung zur Selbstbestrafung verändert. Aus dem alten "Du sollst!" ist ein globales "Ich kann!" geworden und mit der Selbstführung und dessen Scheitern sind wir eingetreten in ein Massenphänomen der neuronalen Krankheiten (Depression, Borderline, ADHS, Burn-Out). Der absurde Seelenzustand ist damals wie heute der gleiche. Jeder beschäftigt sich mit seiner Wellness und Fitness und zugleich arbeitet er den Ursachen für das Wohlbefinden entgegen. Sich zu erinnern, das wir sind, wie die Welt uns einlädt zu sein, kann den Umgang mit der Welt wieder auf die Füße stellen. Es Leben zu nennen, wenn man nirgends auf Grenzen stößt, heißt auch, jeden sich selbst zu überlassen. Der Mensch der Masse unterliegt also nicht mehr der Führung materieller Beschränkungen, sondern gewinnt die Chancen aus eigener Kraft zu gewinnen oder zu scheitern; systemimmanent und damit als Massenmensch.

Dass Ortega schlussendlich den Menschen in seiner Haltung kritisiert, in dem er ihm unterstellt, jedes Recht und keine Pflicht zu haben glaubt, entspricht vergleichend mancher heutigen Meinung. In allem liest sich der Philosoph modern, aktuell, weise und auf der Höhe dieser Zeit. Gut, es geht um Menschen und vielleicht können wir davon ausgehen, dass sich trotz Erkenntnis wenig ändert, wenn die Umstände als gern genommene Gründe überhand gewinnen müssen. Die Masse bewegt sich nach den Umständen, es sei denn, jemand definiert die Umstände nach seinem Gusto. Und damit ist Ortega bei einer Lebensphilosophie, die nicht die Gleichheit predigt, sondern die Chancen in der subjektiven Ausprägung Einzelner, asketische Elite zu sein, sieht. Anlass zur Diskussion gibt dieses Werk damit allemal.

Dennoch! Ein sehr interessanter Ausflug in eine wichtige Zeit. Freuds Unbehagen in der Kultur erschien im gleichen Jahr. Ebenso sind Le Bon (1895), Spengler (1918) und Freud (1921) in ihren Szenarien einer Weltbeschreibung zu empfehlen. Aus der Masse auszutreten, hieße sein Leben ändern. Sloterdijks (2009) Aufruf zur Askese folgt dem Szenario von Ortega.
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