Ganz großes Kopfkino. "aufräumen" ist ein wohlkalkuliertes Stück Prosa. Wenn mein Vorrezensent sich hier über die vermeintliche "Infantilität" beschwert, hat er schlicht den Hauptdarsteller des Romans nicht verstanden. Selbiger ist nämlich in seinen Amok-Phantasien hin und her gerissen zwischen infantiler Wut auf das eigene Scheitern und dem Versuch sich einen Fetzen Würde zu bewahren ' ' und das ist verdammt gut so. Auch was den Schallplattenfetisch des Protagonisten angeht: Nein, das hört nicht im Teenager-Alter auf. Vielmehr erdet Dobler seinen Protagonisten so ziemlich liebevoll in der Realität.
Aber keine Angst, es bleibt nicht allein bei Schallplatten und Schimpftiraden. Vielmehr entwickelt Dobler eine wahnwitzige Geschichte zwischen Wirklichkeit und Phantasie seines Protagonisten. Und so wie sich beide Welten alsbald verheddern, weiss man auch als Leser bald nicht mehr so ganz, wo man jetzt ist. Darauf hart im Nichts zu landen, muss man sich einlassen können. Das wirklich beeindruckende ist aber die Sprachrhythmik, mit der Dobler zu Werke geht. Ganze Passagen lesen sich wie Songtexte, lassen sich brüllen, weinen, heulen wie ein guter Bluessong. Sind einfach, stampfend und gehen direkt in die Magengrube. Vielleicht entwickelt das Buch gerade seine gewaltige, fast gewaltätige Anziehung auf die einen, während es andere einfach nur ebenso kraftvoll abstößt. Ein Versuch ist es allemal wert. Übrigens ist auch "Tollwut" sehr zu empfehlen.