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Produktinformation
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Das Prinzip der Bild-Zeitung bzw. der Boulevard-Zeitung schlechthin ist denkbar einfach und wird von Wallraff gekonnt aufgezeigt: Innerhalb einer strengen Hierarchie müssen schlecht bezahlte Redakteure vor Superlativen strotzende Geschichten abliefern, die nur dann politisch sein dürfen, wenn diejenigen, die Bild unterstützen, es wollen. Soziale Mißstände passen nicht ins Bild und werden spätestens auf dem Schreibtisch des Redaktionsleiters wegredigiert, was nicht sensationell genug ist wird verfälscht oder "aktualisiert" -- auch Sachverhalte, die sich vor Jahren ereigneten, sind in Bild immer brandaktuell.
Daß bei dieser täglichen Volksverdummung, der Freakshow zum Mitnehmen, Menschen in den Tod gehetzt werden, wird bedenkenlos hingenommen. Wallraff berichtet von einem Selbstmörder, der noch nicht den Schneid für den letzten Schnitt hat. Der Redakteur versucht am Telefon, doch noch seine Geschichte zu bekommen: "Sie reden doch nur so, Sie trauen sich das ja doch nicht richtig." Ein weiterer Dialog: "Da haben sich zwei Kinder mit Kleinkalibergewehren beschossen." -- "Dufte, prima. Tot?!" -- "Nee, nur schwer verletzt." Redaktionsalltag.
Wallraff erfuhr auch, wie Bild sich im Wahlkampf engagiert, verbal auf die sogenannten Linken einprügelt und den Populisten zur Macht verhilft. Da wird posiert und in Szene gesetzt, wird positive Publicity gegen ständige Verfügbarkeit und gewisse Gefälligkeiten getauscht, wird ganz nebenbei ein konservativ-reaktionäres Weltbild der arbeitenden Bevölkerung vermittelt.
Ist all dies vergangen und vergessen, gibt's das nicht mehr? Schauspieler, die von Bild in den Selbstmord getrieben wurden, jugendliche Kriminelle, die wochenlang als Stereotyp für den ausländischen Straftäter hinhalten müssen, anhaltende hysterische Berichterstattung über Kindesmißbrauch, religiöse "Wertevermittlung" im aufklärerischen Gewand -- angesichts dieser heutigen Realität von Bild und der weitestgehend gleich funktionierenden Konkurrenz möchte man es bezweifeln. Doch Wallraffs Buch, dem weitere nicht minder lesenswerte folgten, hat sicher zur Verbesserung der Zustände beigetragen und gehört auch heute noch zur politischen Pflichtlektüre für jedermann. --Erik Möller
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
42 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Streichungen,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Aufmacher: Der Mann, der bei Bild Hans Esser war (Taschenbuch)
Leider sind in dieser aktuellen Ausgabe einige Passagen und Zitate durch Gerichtsbeschlüsse "entfernt" worden ... ich würde das nächste Mal nach einer gebrauchten Erstauflage suchen.
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45 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Zensur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Aufmacher: Der Mann, der bei Bild Hans Esser war (Taschenbuch)
Das Buch ist leider an vielen Stellen, wie bereits von anderen erwähnt, durch Gerichtsbeschlüsse zensiert. Ich hab diese Version erstmal beiseite gelegt und werde eine frühere Auflage suchen -- so kann das Buch keinen roten Faden entwickeln, da Kernvorkommnisse fehlen. Die Bewertung mit 1 Stern nur an diese Version.
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33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Unabhängig, kritisch, klar???????",
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Aufmacher: Der Mann, der bei Bild Hans Esser war (Taschenbuch)
Tag für Tag knallen die harten Schlagzeilen der Bild-Zeitung in unsere Gesichter. Die Bild ist allgegenwärtig. Ein jeder scheint die Bild zu kennen. So ging es auch mir. Ich lese diese Zeitung zwar nicht, aber ob ihrer großen Aufmacher lese ich sie dann doch oft mit - in Bussen oder auf der Straße. Was sich dahinter verbirgt, wie die Redakteure arbeiten, ist unklar. 1977 begab sich Günter Wallraff in die Reaktion der Hannoverschen Ausgabe. Um von innen, aus dem Zentrum der Zeitung berichten zu können mußte er sich verwandeln, mußte er selbst zu einem Redakteur werden. Als "Hans Esser" schrieb er für die Zeitung und als Wallraff für die Öffentlichkeit. Dieser zeigt er mit seiner Arbeit ein Bild von der Bild, wie es keiner bislang kannte. Man mag zwar einen "Schmierenjournalismus" hinter dem Springer-Blatt vermuten, doch welche Methoden tatsächlich angewandt werden, um die Leser bei der Stange zu halten, sind unglaublich und wahnsinnig spannend. Eine aufregende Reportage, die mit Sicherheit nichts an Aktualität eingebüßt hat. Wie Bild arbeitet erfährt man nur durch Wallraffs monatelange Arbeit in der Redaktion. Das Buch liest sich an vielen Stellen wie ein Kriminalroman. Verflechtungen zwischen dem Massenblatt und der Politik werden aufgezeigt - die bildsche Unabhängigkeit und Klarheit eine Farce?! Dass es für Zündstoff sorgte zeigt der Versuch von Bild, per Gerichtsentscheid einige Passagen zensieren zu lassen. Für eine Zeitlang steckte auch hinter der Bild ein kluger Kopf: Wallraffs. Gut, dass es solche Leute gibt und noch besser, dass sie so gut schreiben können.
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