In der beliebten Reihe der persönlichen Erinnerungsbücher "Aufgewachsen in ..." des Wartberg Verlages ist auch ein hallesches Erinnerungsbuch erschienen, das die Kindheit und Jugend in der Saalestadt vor einem halben Jahrhundert beleuchtet.
Werner Richey, als Nachkriegskind in Halle geboren und aufgewachsen, erinnert in seinem Buch an die entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahre, die zunächst durch Angst, Not und Hunger geprägt waren. Oft waren die einfachsten Lebensgrundlagen nicht mehr gegeben und der Wohnraum war knapp.
Die meisten Kinderspiele wurden damals auf der Straße oder im Hinterhof ausgeführt. Eine Kinderrutsche und ein Sandkasten waren schon etwas Besonderes. Nur langsam normalisierte sich der Alltag, es gab wieder Kinderfasching und den beliebten Jahrmarktsrummel am Roßplatz. Und aus den Kriegskindern wurden in den 60ern Jugendliche, die sich heimlich eine Zigarette ansteckten oder mit hochrotem Kopf ihren ersten Liebesfilm in einem Kintopp sahen.
Neben diesen Kindheits- und Jugendrückblicken schildert Richey aber auch ein Stück Stadtgeschichte. So erinnert er in Bild und Text an die Bombardierung des Bahnhofsviertels 1945 oder an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Halle. Auch an die halleschen Sportidole, wie den Radsportler Kurt Wesoly oder den Boxer Rolf Caroli, können sich die älteren Hallenser sicher noch erinnern.
Das Erinnerungsbuch, illustriert mit vielen nostalgischen Fotos, ist eine vergnügliche Zeitreise durch Halle der späten 40er und der 50er Jahre. Eine wirklich unterhaltsame Lektüre nicht nur für jene, die diese Zeit noch selbst miterlebt haben, sondern auch für Zugezogene und Spätergeborene. Selbst historisch Interessierte werden hier wissenswerte Informationen finden.
Manfred Orlick