Sagen Sie nie, nie, nie "Ich hätte gerne einmal Kebap", wenn Sie das nächste Mal Hunger verspüren und den nächsten Döner-Laden aufsuchen!!! Wenn man aus Eberhard Seidel-Pielens unterhaltsamer Döner-Kunde etwas lernen kann, dann dies: Kebap ist nicht gleich Kebap; man muss die Dinge schon beim richtigen Namen nennen, denn schließlich gibt es Adana Kebap, Patlican Kebap (mit Auberginen) oder Avci Kebap ("Jäger-Kebap", dessen Rezept wohl lieber ein Geheimnis bleiben sollte...), aber keiner ist so begehrt wie der "Döner-Kepab", der "Dreher" unter den Kebaps. Über 720 Millionen dieser Leckereien gehen jährlich in Deutschland über die Theken der türkischen Imbißbuden; den bereits stattlichen 350 Millionen Burger-Mark von McDonald's stehen enorme 920 Döner-Millionen gegenüber. Und die Beliebtheit des Döner nimmt immer mehr zu. Längst, so hat der Autor in der gesamten Republik beobachtet, läuft der Döner Pommes, Currywurst & Co. den Rang ab. Doch Seidel-Pielens kleine Döner-Enzyklopädie erschöpft sich nicht im Runterbeten schnöder Zahlen, wenngleich es durchaus interessant ist zu erfahren, daß der "faire" Döner (Lohnkosten, Steuern, Miete, Versicherung und Investitionskosten bereits eingeschlossen) eigentlich nur 3,74 Mark kosten dürfte, der billigste Döner in Berlin (wo sonst?) zu bekommen ist und der Durchschnittsdöner mit 610 Kilokalorien auf den Hüften liegt. Zu all dem Zahlenwerk, das jedoch auf die durchaus lockere Art dargelegt wird (ein Augenzwinkern ist allgegenwärtig), gesellen sich völkerverständigende Geschichten, z. B. über den durchschlagenden Erfolg des "Drehers" in den östlichen Bundesländern zur Zeit der Wende. Aber auch Kritik bleibt nicht außen vor - Kritik nämlich an der manchmal mangelnden Qualität der Fleischspieße, an "Fleisch-Panschern" (der Döner fällt unter die deutsche Hackfleischverordnung und unterliegt somit gesetzlichen Bestimmungen) oder an den nicht selten miserablen Arbeitsbedingungen in den Imbißbuden. Erwähnung finden zudem "nette" Begebenheiten, so wie jene, die einer Polizeistreife in Karlsruhe widerfuhr: im rostigen Kofferraum eines Dönertransports sowie auf dem Rücksitz und im Fußraum lagerten insgesamt 442 Kilogramm Fleisch; ein gebrauchter Kinderwagen als Zugabe obenauf! Dennoch dürfte einem nach der Lektüre von "Aufgespießt - wie der Döner über die Deutschen kam" nur zeitweilig der Appetit auf einen Döner vergehen. Spätestens beim nächsten Hunger, der sich einstellt, möchte man doch wieder herzhaft zubeißen und auf die fast obligatorische Frage "Mit alles?" mit einem ebenso herzhaften "Ja!" antworten. Obendrein kann man auf der nächsten Party mit Insider-Wissen über das Gericht glänzen, das vor fast 30 Jahren seinen Siegeszug über Europa antrat! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)