Ordnung ist das halbe Leben." Und was ist mit der anderen Hälfte? Die besteht aus Sammlungen und Ansammlungen, aus Unordnung und Chaos. Ob das Chaos immer kreativ ist, ist die Frage. Selbst wer stolz von sich behaupt kann, nicht zu den Jägern und Sammlern zu zählen, wird sich vielleicht schon einmal gefragt haben, warum seine Wohnung eigentlich so voll ist. Die Antwort liegt auf der Hand: mit jedem Weihnachtsfest, jeder Reise, jedem Jahr sammelt sich mehr an. Die Wohnung, die Zimmer, die Schränke - alles wird wie bei Alice im Wunderland auf wundersame Weise immer kleiner.
Platz schaffen
Im Büro stapeln sich die Papierberge, im Kinderzimmer die Spielsachen, in den Kleiderschränken Anzüge und Kleider vieler Jahre und Moden in verschiedenen Farben und Größen. Und im Wohnzimmer sieht es sowieso nie aus wie auf den Hochglanzfotos der Einrichtungsmagazine. Wer den Eindruck hat, in der eigenen Wohnung langsam aber sicher zu ersticken, für den ist der Augenblick zum Ausmisten gekommen.
Doch den meisten Menschen fällt es unendlich schwer, sich von ihrem Hab und Gut zu trennen. Schließlich hat ja alles einmal Geld gekostet, wurde liebevoll ausgesucht und ist mit nostalgischen Erinnerungen verbunden. Terence Conran kennt dieses Problem genau. Deshalb fragt er: Was ist mehr wert: Mehr Platz oder der kaputte Rasenmäher, den Sie seit Jahren reparieren wollen? Mehr Fläche oder die Kiste mit den Hochzeitsgeschenken, die Ihnen nicht gefallen?" Sein wirklich anregendes Buch Aufgeräumt" gibt allen Unentschlossenen und Ratlosen praktische Ratschläge und tolle Tipps, um in die Welt der Dinge wieder Ordnung und Ästhetik zu bringen.
Wie es geht
Fragen Sie sich einmal, was Sie wirklich brauchen und täglich um sich haben wollen. Entrümpeln Sie den überflüssigen Krempel konsequent, um anschließend den zur Verfügung stehenden Raum genießen zu können. Je kleiner die Räume sind, desto wichtiger ist es, den Eindruck von Geräumigkeit zu unterstreichen. Conrans nicht nur innenarchitektonisch, sondern auch psychologisch ausgefeilte Handlungsanweisung zum Aufräumen schlägt Lösungen für jeden Bereich vor: Wohnräume, Küchen und Essplätze, Badezimmer, Schlaf- und Ankleidzimmer, Kinderzimmer und Arbeitsräume. Sein Buch zeigt, wie man Chaos und Unordnung in den Griff bekommen kann.
Doch wie wird man Überflüssiges nun los? Ganz einfach: ausmisten, spenden, verschenken, verkaufen, wegwerfen oder manchmal auch einfach wegräumen. Conran macht aber nicht nur Vorschläge für Entsorgungsmöglichkeiten, sondern auch für Aufbewahrungssysteme aller Art.
Weniger ist mehr
Natürlich ist es nicht immer einfach, zwischen Notwendigem und Überflüssigem zu unterscheiden: die ersten Zeichnungen der Kinder haben eine andere Bedeutung als selten benutzte Küchengeräte oder Gläsersammlungen.
Conran rät beispielsweise:
- Gegenstände, die länger als ein Jahr nicht benutzt wurden, zu entsorgen.
- Auf Dinge, die man doppelt hat, zu verzichten.
- Was seit Monaten schon auf eine Reparatur wartet, wegzuwerfen.
- Sich von Dingen, die mit Schuldgefühlen verbunden sind, zu trennen.
- Alte Kosmetika, Farben, Medikamente, Putzmittel, Ersatzteile auszumisten.
- Alles, was seit dem letzten Umzug noch in Kisten verpackt ist, wegzugeben.
Wer das geschafft hat, muss anschließend Strategien gegen neue Unordnung entwickeln. Und auch dafür hat Conran gute Ideen.
Egal, ob man eher für ein gemütliches Sammelsurium schwärmt oder Anhänger des Minimalismus ist: wer das Buch durchblättert, wird von den klaren Räumen inspiriert, seine eigenen vier Wände einmal etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Unglaublich eigentlich, dass es ein so wunderschönes Buch zu einem so leidigen Thema geben kann.