Vorab gesagt, bin ein großer Fan von Büchern und Filmen über unsere lieben lebenden Toten von Anfang an. Das Buch würde vor meinem Urlaub erstanden, in diesem
gelesen und jetzt zum Resumee. Beginnt gut, die Verzweiflung der letzten lebenden wird wirklich sehr lebendig erzählt, man leidet (oder ich) teilweise mit
den Charakteren mit. Nach dem ersten drittel des Buches dachte ich, daß ist ja wirklich genial. Auf einmal gehts los. Auch wenn ich mich für einen Menschen mit
einer blühenden Fantasie und dem Hang zum Fantastischen halte, wurde es dann wild. Es stellt sich nämlich heraus, das die lebenden Toten durch ein Experiment
mit einem Teilchenbeschleuniger entstanden sind, der letzte lebende Wissenschaftler dieser Forschungsstation mit den "Vorsitzenden" oder "Präsidenten" der lebenden
Toten endlose Dialoge führt und sich dessen Tiraden auch auf sumerisch anhören muss, obwohl er diese Sprache nicht versteht (ich auch nicht). Wie dieser Teilchenbeschleuniger das Kunststück zusammengebracht hat, wird weder vom Wissenschaftler noch vom Präsidenten der lebenden Toten aufgelöst, die beiden machen die Verwirrung nur noch schlimmer, nicht einmal mehr die eigene Fantasie kann helfen, und der Trashfaktor steigt im uferlose. Die anderen Akteure steigen inzwischen auf anderen Schauplätzen metertief im menschlichen Gedärm herum, alle fünf Seiten rutschen Schädeldecken von diversen Wänden (wird mit der Zeit langweilig), die Ausschmückung der Todesarten wirkt teilweise lächerlich, Untote rotten sich zu Motoradgangs zusammen, eine Hauptakteurin verteilt alle zehn Buchseiten Oralsex an ganze noch lebende Männerkompanien, der sumerische Untotenvorsitzende zeigt neue Ideen, indem er seinem "Volk" erklärt, nur die Eingeweide der Opfer
zu Essen, weil die nächsten IRGENDWAS oder WER sollen ja Körper übernehmen, die bewegungsfähig sind. Genug des Schwachsinns, ich habs dann tapfer bis zum
Ende ausgelesen, die Hauptakteure verhalten sich unlogisch zur cubatur, daß Ende lässt einen zweiten Teil befürchten. Irgenwie verliert die Geschichte den
berühmeten roten Faden, findet ihn nicht mehr, kriegt sich nicht mehr ein, etc. Meine enorm positive Einstellung zum Thema war für dieses Buch zuwenig.
Ich habe absolut kein Problem mit Trash und keines mit Ernsthaftigkeit, der Autor hat scheinbar versucht die beiden Faktoren zu verbinden, ist für mich grund-
sätzlich massiv in die Hose gegangen. Wenn wer eine gute Untotenstory sucht, kann ich nur die beiden Bände von "Tagebuch der Apokalypse" empfehlen, sind
diesem Elaborat um Lichtjahre voraus.