Die Handlung des Buches spielt in Rußland wenige Jahrzehnte vor der Oktoberrevolution. Der junge, in Saus und Braus lebende Fürst Nechljudow verführt ein Mädchen aus dem Volk und überläßt es danach gleichgültig ihrem Schicksal. Nach ca. 10 Jahren treffen sich die beiden wieder. Nechljudow wird als Geschworener vor Gericht bestellt und soll über eine Prostituierte,die eines Giftmordes angeklagt ist, ein Urteil sprechen. In der Beschuldigten erkennt Nechljudow das einst von ihm verführte Mädchen. Die Erkenntnis, daß er selbst es war, der die Schuld an ihrem Abstieg und an ihrem Elend trägt, löst in ihm den heilsamen Schock aus. Er fängt an, sich die Fragen zu stellen, über die er nie bisher nachgedacht hat. Er erkennt die Ungerechtigkeit des gesellschaftlichen Systems, in dem die Unschuldigen verurteilt werden, die wahren Schuldigen aber frei und von niemandem behelligt rumlaufen, weil sie die ökonomische und politische Macht im Land haben. Was ihm bisher als selbstverständlich erschien, sieht jetzt Nechljudow mit ganz anderen Augen, und indem er beginnt, die Realität aus dem Blickwinkel des Volkes zu betrachten, erkennt er, wie ungerecht das soziale und ökonomische System aufgebaut ist, in dem die ganze Macht in den Händen der Großgrundbesitzern konzentriert ist. Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Alle Figuren, selbst die, die nur nebensächliche Rolle spielen, sind psychologisch meisterhaft gezeichnet. Tolstoi schildert alle Details mit einer großen Realitätstreue, so daß man sehr viel über das Leben in Rußland unter den Zaren erfährt, was zum besseren Verständnis der russischen Geschichte führt.