Tolstoi verdarb es sich auf seine alten Tage gründlich mit der russisch-orthodoxen Kirche: Er lehnte die kirchlichen Rituale ab und glaubte nicht an die mythologische Auferstehung, sondern an die reelle, rein irdische. In Auferstehung geht es deshalb auch nicht um das Leben nach dem Tod, wie der Titel suggeriert, sondern um die Rückkehr auf den rechten Pfad im Diesseits. Fürst Nechliudow ist Geschworener in einem Mordprozess. Dabei stellt er fest, dass es sich bei einer der Angeklagten um Katjuscha, eine Jugendliebe, handelt. Er forscht nach und findet heraus, dass seine Liebelei das damals minderjährige Mädchen auf die schiefe Bahn gebracht hat. Von ihrer Unschuld überzeugt und voller Scham setzt er alle Hebel in Bewegung, um Katjuscha aus den Mühlen der Justiz und vor dem Arbeitslager in Sibirien zu retten. Doch seine Bemühungen sind vergebens: Der Bürokratismus lullt ihn ein und ehe er sichs versieht, begleitet er sie in die Strafkolonie - wo es dann aber doch noch eine Art Happy End für beide gibt. Der Roman trägt Züge eines Lehrstücks, was die Kritik nicht allzu sehr schätzte. Bis heute steht er im Schatten von Tolstois anderen Romanen.