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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
101 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hilla Palm wird erwachsen!,
Rezension bezieht sich auf: Aufbruch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Ulla Hahns autobiographisch gefärbter Roman "Das verborgene Wort" erschien, hatte das Buch eine ungeheuer große und nachhaltige Wirkung.Sie erzählt darin die Kindheit und Jugend von Hilla Palm, die im katholisch geprägten Rheinland nach dem Krieg in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Es ist die Geschichte eines eigensinnigen Kindes, das sich nicht mit einem ihr vorbestimmten Weg abfindet und ein großes Interesse entwickeln wird, diesem Millieu zu entfliehen. Ihre Flügel: Die Literatur und ihr Lerneifer. Nun also das zweite Buch um Hilla, "Aufbruch": Inzwischen hat Hilla Palm ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Nach einer sehr unglücklich verlaufenden Lehre und dank der Fürsprache eines alten Lehrers darf sie das Aufbaugymnasium besuchen. Die sechziger Jahre sind angebrochen, Hilla ist unter Gleichgesinnten. Auch ihre Klassenkameraden haben ein Ziel vor Augen und bereiten sich nun gemeinsam auf das Abitur vor. Nicht nur für Hilla soll das Abitur eine Eintrittskarte in ein ganz anderes Leben sein. Noch immer ist Hilla ihre Herkunft oft peinlich. Ihr Vater, ein einfacher Arbeiter, zieht sich immer mehr in seine Arbeit im Garten zurück, zu dominant sind Ehefrau und Schwiegermutter, die sich jedoch inzwischen immer seltener über Hilla und ihren Ehrgeiz ärgern, lernt sie doch jetzt "Lating" immerhin die Sprache der noch immer den Alltag bestimmenden katholischen Kirche. Das Misstrauen und die Angst ihrer Familie vor der vielseitig begabten und fleißigen Hilla weichen einem gewissen Stolz. Hilla wiederum saugt nicht nur das Wissen auf: Sie erweitert ihren Horizont nachwievor durch ein ungeheures Lesepensum aber auch durch vielfältige Unternehmungen mit Freundinnen, bis ein Erlebnis ihr Leben nachhaltig verändert... Traumatisiert und ohne die Möglichkeit, sich anzuvertrauen, muss Hilla sich erneut häuten, um weiter ihre Ziele zu verfolgen... Ulla Hahn ist mit "Aufbruch" gelungen, was schon in "Das verborgene Wort" seinen Anfang nahm. Hilla Palm ist nicht nur eine sehr authentische Figur, deren Entwicklung im Kontext ihrer Zeit auf sehr detaillierte Art und Weise ausgearbeitet worden ist und darum glaubwürdig und identifikationsstiftend wirkt. Ulla Hahn hat auch das Umfeld auf sehr behutsame Weise geschildert. Das dörfliche Dondorf - die Autorin wuchs in Monheim bei Düsseldorf auf - wandelt sich allmählich zu einer wohlhabenden Vorstadt. Die sehr starken Grenzen zwischen den gesellschaftlichen Schichten weichen allmählich auf, denn mittlerweile haben auch manchmal aus einfacheren Verhältnissen stammende Leute "jet an de Fööß" und/oder nehmen die sich nun bietenden Bildungschancen eher wahr. Sie schildert, wie sich in den sechziger Jahren Horizonte erweitern und Möglichkeiten eröffnet werden, wie Veränderungen förmlich "in der Luft liegen". In "Aufbruch" zeigt sich Ulla Hahn/Hilla Palm wesentlich versöhnlicher als in ihrem ersten Buch. Allmählich entwickelt Hilla ein Bewusstsein dafür, dass ihre Eltern und Großeltern oft nicht anders handeln und reagieren konnten und kann viele Verhaltensmuster besser verstehen und einordnen. Sie schildert Hilla als eine Figur, die durch eigenen Willen und durch gewaltsame Umstände erwachsen wird. Das Ende dieses Buches ist offen, es wird weitergehen mit Hilla Palm, die am Ende dieses Buches Dondorf und ihr Elternhaus verlassen wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein sehrsehr schönes Buch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Aufbruch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Erstes: Das Buch hat mir wirklich sehrsehr gut gefallen.Diese Fortsetzung des Buches "Das verborgene Wort" erzählt die Geschichte und Entwicklung von Hilla Palm weiter. Hilla, dem geisttötenden Büro der Pappenfabrik und dem Alkoholismus entkommen, lebt beim Besuch des Aufbaugymnasiums auf. Sie genießt es, endlich wieder geistige Nahrung zu bekommen. Auch die Beziehung zu ihrer Familie wird besser. Einerseits, weil Hilla mehr von den Zwängen begreift, denen auch die Eltern ausgesetzt waren und sind, andererseits weil sich auch für die Eltern in den 60er Jahren die enge Welt des Kleinstädtchens öffnet. So kann Hilla zumindest bei den Frauen der Familie endlich Akzeptanz und sogar Anerkennung bekommen. Der Vater, unter dem Hilla als Kind sehr gelitten hat, hat sich ebenfalls verändert. Die früher stets vorhandenen Aggressionen sind einer traurigen Resignation gewichen. Aber natürlich läuft nicht alles glatt auf Hillas weiterem Lebensweg. Die erste Gefahr taucht in der Gestalt des reichen, einer Industriellenfamilie angehörenden Godehard auf. Hilla droht als "seine kleine Frau" im goldenen Käfig zu landen, erkennt aber rechtzeitig, dass die Verbindung ein Irrweg ist. Dann jedoch wird ihr gesamtes Leben wiederum aus der Bahn geworfen, als ihr ein schweres traumatisches Erlebnis zustößt, über das sie nicht wagt, mit irgendjemanden zu sprechen. Da alle unkontrollierten Emotionen zu einem Wiederauftauchen derjenigen Gefühle führen können, die Hilla in der traumatischen Situation erlebte, wird sie ausgerechnet von allem abgeschnitten, was ihr bisher das Wichtigste im Leben war. Gedichte, Bücher, Musik, alles das wird gefährlich für sie. Erst das völlig verkopfte Herangehen an Literatur, das sie im Studium lernt, erlaubt wieder einen, wenn auch sehr distanzierten Zugang. So droht Hilla in einer intellektuellen, gefühlsfernen Welt zu erstarren. Schließlich ermöglicht ihr ausgerechnet ihr Vater einen Umzug nach Köln in ein eigenes Zimmer und somit die Möglichkeit, endlich ein weitgehend selbst bestimmtes Leben zu führen. So werden am Ende des Buches Lebensmut und Hoffnung in Hilla wieder lebendig. So, wie Ulla Hahn im ersten Band die starre Welt der 50er Jahre zum Leben erwecken konnte, so gelingt es ihr in diesem Buch, den frischen Wind und die Zeiten der Veränderung in den 60ern einzufangen. Ja, so war es - die Welt wurde größer und bunter! Und wie schon im ersten Buch gefällt mir auch hier wieder die sorgfältige Zeichnung der Charaktere. So können sie sich entwickelt haben - die Eltern, der Bruder, die Verwandten und schließlich Hilla selbst. Alles passt. Alle ändern sich und bleiben doch sie selber. Und schließlich wird auch das traumatische Erlebnis und seine Auswirkungen stimmig dargestellt. Ich freue mich jetzt schon auf Band 3! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Jeder Mensch ist die Summe seiner Verletzungen",
Von
Rezension bezieht sich auf: Aufbruch: Roman (Gebundene Ausgabe)
dieser Satz fiel mir ein, als ich am Ende von Ulla Hahns Roman "Aufbruch" angekommen war. Hatte mich schon "Das verborgene Wort" Das verborgene Wort: Roman in seinen Bann gezogen, so traf mich "Aufbruch" sogar noch etwas mehr. Nun geht es um die Gymnasialzeit und die Anfänge eines Studiums von Ulla Hahns alter ego Hilla Palm. Noch immer steht das Verhältnis zu ihrem Elternhaus im Mittelpunkt, aber die junge Frau erlebt nun auch so einiges außerhalb der vier Wände von Mutter, Vater und Großmutter. Unüberlesbar Hahns Kritik an dem Schweigen einer ganzen Generation über die Vorgänge in der Nazizeit am Beispiel der öffentlichen und schulischen Behandlung der Auschwitz-Prozesse. Der Auftrag des Deutschlehrers an seine Schüler, durch Befragung von Eltern und Verwandten herauszubekommen, was diese im Dritten Reich getan und wie sie es erlebt haben, wird durch Repressalien des Schuldirektors, der seinerseits von einigen Eltern Druck erfährt, unterdrückt. Aber auch erste Liebe(n) spielen nun in Hillas Leben eine Rolle. Der Ton des Buches wie auch die Persönlichkeit der Hilla Palm erleidet einen Bruch durch eine Vergewaltigung. Die Beschreibung des Gefühlchaos der "Hilla Selberschuld", die Persönlichkeitsänderung und die Sprachlosigkeit des Opfers wirken bedrückend. Am Ende erfüllt sich Hillas Wunsch - sie darf nach Köln ziehen in ein katholisches Heim, um an der Universität ihr Studium zu absolvieren. Am Ende des Buches kann Hilla wenigstens wieder lachen.Wieder ein ganz großartiges Buch der Ulla Hahn, das mich wieder stark beeindruckt hat. Ich würde mich sehr auf ein drittes Buch freuen .... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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