Der Gedanke, als Gemeinde sozial- diakonisch aktiv zu werden und sich für Jugendliche am Rand der Gesellschaft einzusetzen, ist nicht neu. Leider gibt es zu dem Thema nur sehr wenig gute Literatur, so dass viele Gemeinden ihre eigenen Erfahrungen machen müssen und schnell wieder aufgeben, wenn es erste Probleme gibt. Und die kommen ganz schnell, denn Leute vom Rand der Gesellschaft lassen sich nicht so einfach in unsere, von der gutbürgerlichen Mittelschicht geprägten, Gemeinden einpassen. Oft ist es so, dass entweder Gemeinde keinerlei Bezug zu Menschen am Rand der Gesellschaft hat, oder dass diese Menschen nie in einer Gemeinde ankommen. Dieses Buch unternimmt den Versuch, beiden Schieflagen zu begegnen. Es will beschreiben, wie Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, zu einem Teil der Gemeinde werden, und was Gemeinde tun kann, damit dies passiert.
Das Buch ist geschrieben für Gemeinden, Jugendgruppen und Christen, die danach fragen, wie sie sich mit ihrem Glauben in die Gesellschaft einbringen können. Es ist für alle, die schon eine sozial- diakonische Arbeit haben oder eine solche entwickeln wollen. Für leitende Mitarbeiter (Älteste, Jugendleiter) einer Gemeinde ist es aus meiner Sicht ein 'Must read', um Gottes Liebe für Menschen aus unteren sozialen Schichten zu erkennen und in die Tat umzusetzen. Wer dieses Buch gelesen hat, kommt nicht mehr drum herum, sich zu fragen, welche Verantwortung Gemeinde für diese Menschen hat.
Das Buch kommt aus der Praxis und ist für die Praxis geschrieben. Es hält sich nicht lange an der Theorie auf, sondern gibt konkret Einblick in die Arbeit, spricht Probleme offen und schonungslos an, gibt aber auch kompetente Lösungsmöglichkeiten, die Mut machen, anzupacken trotz aller Schwierigkeiten. Die Autoren sind Sozialpädagogen und z.T. Theologen und arbeiten in verschiedenen sozial-diakonisch- missionarischen Projekten.
Zum Inhalt des Buches:
Das Buch beginnt mit Gemeinde. Es zeigt auf, mit welcher Haltung Gemeinde in eine solche Arbeit starten soll. Schön ist, dass diese Haltung entwickelt wird aus der liebevollen Sicht, die Gott auf diese Welt und insbesondere auf benachteiligte Menschen hat. In Christus wird diese Haltung Gottes besonders deutlich. Je mehr diese Liebe Gottes klar wird, je weniger kommt Gemeinde umhin, sich damit auseinander zu setzen, welche Rolle sie für diese Menschen spielt.
Als nächstes folgt ein spannender Einblick in die Lebenswelt sozial benachteiligter Jugendlicher, woraus sich ein Bild entwickelt, wie sozial- diakonische Arbeit aussehen kann. Auch Schwierigkeiten werden angesprochen und wertvolle Tipps gegeben. Hauptsächlich geht es in einer solchen Arbeit darum, gute Beziehungen zu den Jugendlichen zu bauen. Sie sind 'das Fundament für eine gelingende Jugendarbeit' (S. 50).
Was mich sehr freut ist, dass das Buch nicht an der Stelle aufhört, wo sich viele sozial- diakonische Arbeiten am Ziel sehen, nämlich bei der Frage, wie diese Menschen zu Jesus finden und Teil einer Gemeinde werden und bleiben. Denn genau da fängt die Arbeit erst richtig an. Es geht um mehr als darum, praktische Hilfe zu bieten, auch wenn das wichtig ist. Es geht darum, 'wie sozial benachteiliget Jugendliche zu unseren Brüdern und Schwestern werden können und mit uns und in Gottes Gemeinde lernen, als Nachfolger Jesu zu leben.'(S. 84). Das Buch beschreibt sehr gut, wie Wort und Tat zusammen wirken, wie Verkündigung für diese Menschen aussehen kann und dass neue Formen nötig sind, um Glauben zu vermitteln, so dass Jugendliche in die Gemeinde integriert werden können. Das setzt natürlich einiges an Liebe, Opfer und Veränderung seitens der Gemeinde/ Jugendgruppe voraus, aber auch hier macht das Buch Mut, Nachteile in Kauf zu nehmen, um zu erleben, wie Gott Menschen verändert.
Abgerundet wird das Buch durch zwei Beispiele sozial-diakonischer Arbeit in Dresden und Siegen, in denen Mitarbeiter ehrlich über ihre Leidenschaft reden, aber auch über Misserfolge und den Mut, trotzdem weiterzumachen.
Das Buch ist mit viel Fachwissen, aber auch mit Leidenschaft und aus der Praxis heraus geschrieben. Es motiviert, indem es sozial- diakonische Arbeit nicht als Paradies darstellt, sondern ehrlich Probleme und Herausforderungen zeigt, indem es aber immer wieder auf die liebevolle Haltung Gottes für diese Jugendlichen hinweist. Es fordert heraus zur Tat und fragt mich, welche Verantwortung ich habe für diese jungen Leute.