Mit Prognosen sollte man sehr vorsichtig sein, denn in der Regel stimmen sie nicht. Meistens schreiben sie eine als gegeben angesehene Entwicklung einfach linear fort. Voraussagen, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Gewissheit beanspruchen, sind nicht nur sehr mutig, sondern auch mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.
Dieses Buch entstand aus einem Auftrag, den Toyota Motor Europe 2006 an die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH erteilte. Der drohende Rückgang der weltweiten Erdölförderung auf insbesondere die Automobilindustrie sollte studiert werden. Hier nun findet der Leser die Untersuchungsergebnisse. Da im Auftrag gewissermaßen schon das Ergebnis vorweggenommen wurde, wundert es nicht, dass man dann im Text keine großen Überraschungen erlebt.
Die Grundaussage der Autoren ist simpel und wird schon vom Titel dieses Werkes suggeriert. Wir müssen davon ausgehen, erklären sie uns, dass die sogenannten fossilen Brennstoffe zur Neige gehen. Und das ziemlich bald. Die Kernenergie spielt beim Stillen des weltweiten Energiebedarfs jetzt schon keine sehr bedeutende und bei Erstellung des Textes auch noch abnehmende Rolle. Daraus schließen die Autoren, dass nur die sogenannten regenerativen Energieerzeugungsformen unsere Zukunft bestimmen werden.
Für die Mobilität der Gesellschaft hätte dies gravierende Auswirkungen, da über 90 Prozent der Transportmittel mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Doch diese Folgen werden im Buch nur grundlegend diskutiert. Vielmehr geht es in vielen Wiederholungen und mit enormen Zahlenmengen, deren seriöse Herkunft wenigstens mir nicht immer deutlich wurde, um den Beweis, dass das Ende der immer verfügbaren und billigen Energie aus fossilen Brennstoffen mit Riesenschritten naht.
Während der Leser im ersten Kapitel die Zusammenfassung der Studienergebnisse in knapper Form erhält, geht es im folgenden Kapitel dann ausführlicher um die einzelnen Energieträger und die entsprechenden Prognosen über ihren zukünftigen Anteil an der Energieerzeugung. Im dritten Kapitel findet man eine Darstellung regenerativer Energietechnologien und weitere mutige Prognosen. Das nächste Kapitel bearbeitet das Thema dann im Rahmen der verschiedenen Weltregionen oder wirtschaftlichen Vereinigungen. Abschließend werden dann im letzten Kapitel einige wenig überraschende Schlussfolgerungen gezogen.
Neben dem sicher insgesamt interessanten Zahlenmaterial und dem Überblick, das dieses Buch schafft, gibt es eine Reihe von Schwachstellen. Am meisten störte mich die unkritische Haltung der Autoren. Ich hätte zum Beispiel gerne gewusst, wie denn eine Energieerzeugung für Deutschland heute aussehen würde, wenn sie nur auf regenerativer Basis funktionieren würde. Ginge das überhaupt? Und wenn nicht, was muss dann bis zum angeblichen Ende des fossilen Zeitalters in den kommenden zwei Jahrzehnten passieren?
Das kommende Ende der fossilen Brennstoffe wird im Text zwar ständig beschworen, aber nur dadurch bewiesen, dass die Förderung nicht mehr steigt. Eine Verbindung zwischen dem gestiegenen Ölpreis und der Verfügbarkeit von Rohöl herzustellen, wie das die Autoren tun, klingt zwar logisch, ist es aber nicht unbedingt. Sie übersehen dabei, dass Öl in Dollar bezahlt wird, aber immer mehr Dollars aus dem Nichts erzeugt werden. Allein die enorme Verwässerung der US-Währung muss zwangsläufig zu einer Verteuerung von Rohöl in dieser Währung führen.
Es existiert eine sogenannte abiotische Theorie zur Entstehung von Rohöl, aus der folgen würde, dass es keine Verknappung dieses Rohstoffes geben wird. Zwar erwähnen die Autoren diese Theorie, verweisen sie aber ins Reich der Spekulationen. Dafür gibt es eine Reihe von Argumenten, aber auch für das Gegenteil, denn nur die abiotische Entstehungstheorie konnte bisher im Labor bestätigt werden.
Der Text enthält zahlreiche Grafiken, die gelegentlich aber völlig unbrauchbar sind, weil man auf ihnen nicht viel erkennen kann.
Selbst wenn die Behauptung der Autoren stimmen sollte, sind viele ihrer Prognosen, die teilweise bis 2100 gehen, doch reichlich mutig. Wer hätte wohl 1910 die Welt von 2000 wenigstens im Grundsätzlichen vorausgesagt? Nach 1910 gab es unzählige gesellschaftliche Umbrüche, Kriege sowie einschneidende Entdeckungen und Erfindungen, die in ihren Wechselwirkungen völlig unvorhersehbar waren. Das wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht anders sein.
Fazit.
Ein durchaus interessantes Buch, das durch eine Menge von Zahlen die Behauptung untermauern möchte, dass der Höhepunkt der Förderung von fossilen Brennstoffen entweder schon erreicht wurde oder bald erreicht wird. Anschließend werden grundsätzliche Schlussfolgerungen daraus gezogen, die jedoch weniger konkret, dafür aber recht mutig sind.