Claudia Rusch hat mit "Aufbau Ost" jetzt ihr 2. Buch publiziert. Sie schreibt sehr anschaulich darüber, wie sie den Mauerfall erlebt hat, stellt in dem Zusammenhang rückschauend aber auch fest, dass die DDR nicht über die Bürger gekommen ist. Sie ist von Verantwortlichen gemacht worden und die Bürger hatten die Entscheidung dagegen oder dafür.
In der Familie von Claudia Rausch hat auch die Stasi Spuren hinterlassen. Im Anfang ihres Buches berichtet die Autorin, dass ihr Großvater mütterlicherseits, unter mysteriösen Umständen in einem Stasi Gefängnis umgekommen ist. Sie schreibt davon, dass ihre Mutter ihr diesen Aktenstapel übergeben hat, um einmal nachzuforschen was geschehen ist. Und sie hat sich Anfang 1990, nachdem sie früh Akteneinsicht bekommen hatte, auf die Spurensuche gemacht. Ihre Mutter hat sie darum gebeten, in der Hoffnung, dass sie auf diese Weise ihren Großvater besser kennen lernen würde. Den hoch konspirativen Akten hat sie entnommen, dass der Vater ihrer Mutter ein klassischer Renegat war. Er ist als Politiker nach dem Krieg voller Enthusiasmus in die SED eingetreten, mit der Vorstellung nun könne er vieles ändern und besser machen. Er ist dann doch sehr schnell Mitte der Fünfziger Jahre zu der Erkenntnis gekommen, dass das, was in der DDR passierte nicht in Ordnung sein konnte. Es folgten sehr schnell der Parteiausschuss und die Inhaftierung. Bei der Spurensuche konnte die Autorin sehr schnell feststellen, dass es eine Verbindung zwischen ihr und ihrem Großvater gab.
So schreibt sie in ihrem Buch, dass sie zuerst, nach dem Mauerfall, einmal weg musste. Sie ging zum Studium nach Italien, weil sie zunächst mit dem neuen Gesamtdeutschland nicht klar kam. Sie war durch ihre sozialistische Erziehung in der sozialistischen Schule vorprogrammiert und hatte große Probleme mit dem Fortfall der Mauer. So war sie anfangs davon überzeugt, dass im Westen alles Nazis sein mussten, die NSDAP wieder eingeführt werden könnte und alles wieder von vorne beginnen würde. So geht es in dem Buch thematisch dann auch um die Neonazis.
Sinnliche Erinnerungen verlieren sich eigentlich auch in der Rückspulung nicht und so hat Claudia Rausch diese Geschichte ihre Großvaters, sowie viele andere über die Menschen, die seit nunmehr zwanzig Jahren auf der Suche nach ihrer individuellen Einrichtung in den neuen Lebensumständen unterwegs sind, mit scharfen Verstand, völlig unstereotypisch, aufgeschrieben. Was ist bei "Aufbau Ost" von Vorhandenem geblieben und was ist neu entstanden? Resümierend kommt die Autorin zu der Überzeugung, das Deutschland mit seiner alten demokratischen Tradition unter Beimischung der Widerstands erfahrenen ehemalige DDR Bürger eine Chance für bleibende Demokratie bietet. .
Ein Buch voller Emotionen, eingebettet im beeindruckenden gesellschaftspolitischen Kontext. Es gibt Bücher, mit denen man gern alleine und für sich bleibt, nach der Lektüre dieses Buches sollte man einen Gesprächspartner haben, es enthält so viele Gedanken und Situationen , Empfindungen, Verflechtungen und Ebenen, die zum Austausch und zu näherer Betrachtung anregen.